Darum gehts
- Über 1500 Migranten erreichten Ceuta per Seeweg, darunter Erwachsene und Kinder
- Aufnahmezentren überfüllt, Präsident spricht von «humanitärem und sozialem Notstand»
- Behörden fordern Madrids Hilfe und nationalen Notstand sowie Unterstützung der Armee
Mehr als 1500 Migranten haben in den letzten Tagen die Grenze in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika überquert. Das ist eine von nur zwei Landesgrenzen der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent. Die Menschen kommen vor allem aus Marokko und haben die Exklave auf dem Seeweg erreicht. Laut den Behörden vor Ort handelt es sich um Erwachsene und Kinder. Die Mehrheit der Migranten sind offenbar junge Männer.
Auslöser des Ansturms ist laut der «Bild» eine Entscheidung von Spaniens oberstem Gerichtshof. Migranten, die schwimmend spanisches Gebiet erreichen, dürfen ab sofort nicht mehr ohne Einzelfallprüfung sofort nach Marokko zurückgeschickt werden.
«Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands», erklärte der Präsident der Exklave am Donnerstag. Die Aufnahmezentren vor Ort seien nicht mehr aufnahmefähig, wie unter anderem «Focus» mit Bezug auf die französische Nachrichten berichtete. Die Behörden in Ceuta forderten die Regierung in Madrid nun auf, den nationalen Notstand auszurufen. Auch wurde die spanische Armee um Hilfe gebeten.
Zusammenarbeit mit Marokko
Die Regierung in Madrid werde nun laut dem Innenministerium ihre Ressourcen aufstocken, «um die Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden».
Die Behörden in Marokko würden ausserdem mit denen in Spanien zusammenarbeiten, um die Krise zu bewältigen. Marokkanische Sicherheitskräfte hätten die Ankunft zahlreicher potenzieller Migranten verhindert. Der spanische Innenminister wolle zudem am Freitag selbst nach Ceuta reisen, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.
In Ceuta leben rund 83'000 Menschen. Die Exklave wurde in der Vergangenheit von kriminellen Banden auch schon für den Drogenschmuggel genutzt. Im April entdecken die Behörden ein weitreichendes Tunnelsystem zwischen der Exklave und Marokko.