Darum gehts
- Feuer in Bangkoker Bierhalle forderte Sonntagabend zahlreiche Todesopfer und Verletzte
- Brand brach in Chatuchak aus, Gebäude stand um Mitternacht in Flammen
- Behörden meldeten Feuer um 00.50 Uhr unter Kontrolle, Ursache noch unklar
Alarm in Bangkok: Bei einem Feuer in einer Bierhalle im Bangkoker Stadtbezirk Chatuchak sind am späten Sonntagabend mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen, 63 wurden verletzt, wie Bangkoks Bürgermeister Chadchart Sittipunt (60) mitteilte. Er und auch der thailändische Premier Anutin Charnvirakul (59) waren gleich zum Unglücksort geeilt, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu verschaffen und Betroffenen ihre Unterstützung zuzusichern.
Das Lokal war besonders unter jungen Menschen beliebt. Es gibt eine Reihe von sogenannten Bierhallen in Bangkok mit Livemusik und frischem Bier vom Zapfhahn.
Das Feuer soll um Mitternacht ausgebrochen sein. Verletzte mit Brandverletzungen wurden zunächst vor Ort versorgt, während die Feuerwehr den Brand bekämpfte.
Besucher flüchteten in die falsche Richtung
Gegen 0.50 Uhr Ortszeit meldeten die Behörden, dass das Feuer unter Kontrolle sei. Bislang konnten 18 verstorbene Frauen und neun Männer identifiziert werden. Nach Angaben von Sittipunt starben die meisten Opfer an einer Rauchvergiftung. Viele der Opfer flüchteten offenbar fatalerweise in den hinteren Teil des Gebäudes in die Nähe der Toiletten, erklärte Premier Charnvirakul. Dort befindet sich jedoch kein Notausgang. In den Toiletten wurden später die meisten Opfer, eingeschlossen von den Flammen, gefunden. Charnvirakul sprach von einer möglichen Panikreaktion, womöglich wegen des dichten Rauchs.
Die Verletzten wurden zur weiteren Behandlung in umliegende Spitäler gebracht. Zur Brandursache lagen zunächst keine Informationen vor. Erste Anzeigen und Zeugenaussagen deuten jedoch daraufhin, dass es vor dem Brand zu einer Art «Explosion» gekommen ist. Gegenüber der Zeitung «Thairath» schilderten Augenzeugen, dass zunächst Rauch aus einem Sicherungskasten nahe der Bühne aufgestiegen sei. Daraufhin sei der Strom ausgefallen, wenig später habe es eine Explosion gegeben. Innert Sekunden breitete sich dichter Qualm aus.
«Es ist meine Schuld»
In der Brandnacht traten mehrere Bands auf, darunter auch die Band Totsakan. Deren Leadsänger Tik Chaichana hat sich nun nach der Brandkatastrophe gemeldet. Gegenüber der Zeitung «The Thaiger» erklärte der Sänger, dass er den Brand nur überlebte, weil er während seines Band-Auftritts auf die Toilette musste. Kurz darauf sei das Feuer ausgebrochen. Er habe sich schnell durch einen Notausgang retten können.
«Ich bin in Sicherheit. Vielen Dank an alle für eure Anteilnahme. Aber mein Handy und all meine persönlichen Sachen sind verbrannt. Wenn ihr mich erreichen müsst, kontaktiert mich über dieses Facebook-Konto. Mir geht es im Moment psychisch wirklich nicht gut», schrieb Chaichana nach der Brandnacht auf Facebook. Zudem teilte er ein Video, das den Moment festhält, in dem er aus dem Lokal floh. In dem Clip rennt der Sänger mit einer einzigen Flasche Wasser in der Hand aus der brennenden Kneipe, bevor er in die Arme einer Person in seiner Nähe zusammenbricht und schluchzend die Worte «Es ist meine Schuld» sagt. Genauer ging er nicht darauf ein.
Mehrere Bandmitglieder werden noch vermisst, die Band-Sängerin Nong Breeze befindet sich unter den Todesopfern.
Parallelen zu Crans-Montana?
Bangkok-Bürgermeister Chadchart erklärte, die Flammen hätten sich offenbar schnell durch die Decke und die Dekorationsmaterialien ausgebreitet. Die Ermittler werden untersuchen, ob giftiger Rauch zu der hohen Zahl der Todesopfer beitrug.
Die Behörden prüfen ausserdem die Lizenzen des Veranstaltungsortes, die Bauunterlagen, die Notfallschilder und die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen.
Verheerende Brände in thailändischen Nachtclubs
Auch der Bürgermeister der Touristenstadt Pattaya, Poramet Ngampichet, äusserte sich zu dem Brand in Bangkok und ordnete umfassende Sicherheitsinspektionen aller Unterhaltungsbetriebe in Pattaya an. Er erinnerte an weitere Brände im Santika-Club in Bangkok 2009 und im Mountain-B-Club in der Provinz Chonburi 2022.
Beim Brand von 2009 verloren während einer Silvesterfeier 67 Menschen ihr Leben. Funken eines Feuerwerks bei einer Show-Einlage hatten den Brand ausgelöst. 2022 kamen bei einem Brand in in der Provinz Chonburi mehr als 20 Menschen ums Leben. Die Flammen breiteten sich durch den entflammbaren Schalldämmstoff an den Wänden rasant aus.