Darum gehts
- Eine DNA-Analyse soll zeigen: Gestrandeter Wal in Dänemark war gar nicht Timmy
- An der Zuverlässigkeit des Ergebnisses gibt es Zweifel
- Pressekonferenz von «Save the Ocean» soll über neue Entwicklungen informieren
Skurrile Pressekonferenz wirft mehr Fragen auf, als gelöst wurden
Der Fall um den gestrandeten Buckelwal «Timmy» nimmt womöglich eine überraschende Wendung. Die Tierärztin Kirsten Tönnies und die Aktivistengruppe «Save the Ocean» präsentierten DNA-Analysen, wonach der an der dänischen Küste gefundene Walkadaver möglicherweise gar nicht mit dem zuvor geretteten Wal identisch ist. Verglichen wurden eine Gewebeprobe, die beim Anbringen eines Trackers kurz vor Timmys Freilassung entnommen wurde, sowie eine Probe des Kadavers, der an der dänischen Insel Anholt angespült worden war. Laut der Tierärztin seien die genetischen Unterschiede so gross, dass sie nicht vom selben Tier stammen könnten.
Die präsentierten Ergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Die Tierärztin räumte selbst ein, dass die erste Probe mehrere Tage ungekühlt transportiert und erst später eingefroren wurde. Zudem war sie bei der Entnahme beider Proben selbst nicht anwesend. Für die Probenkette gibt es keine unabhängige Kontrolle.
Analysiert wurden die Proben in einem nicht genannten chinesischen Labor, dessen Identität aus Angst vor Konsequenzen geheim bleiben soll. Die Rohdaten seien anschliessend von einer anonymen Unterstützergruppe ausgewertet worden.
Während der Medienkonferenz geriet die Argumentation zunehmend ins Spekulative. So wurde über vertauschte Proben und unterschiedliche Tierarten diskutiert. Mehrfach betonte die Tierärztin selbst, bei verschiedenen Aussagen unsicher zu sein.
Am Ende bleibt ein ungelöstes Proben-Rätsel – und die Geschichte der gescheiterten Rettung des Buckelwals Timmy ist um ein weiteres skurriles Kapitel reicher.
Berichterstattung beendet
Die Medienkonferenz driftet immer weiter in unbelegte Theorien ab. An dieser Stelle beenden wir die Live-Berichterstattung. Alle weiteren Updates zu Timmy liest du auf Blick.ch.
Muss China-Institut Probe mit anderen Tieren abgleichen?
Ist die These der Tierärztin zu gewagt? «Es gibt Leute, die solche Spekulationen schon sehr lange abgeben. Ich habe die bisher abgetan und jetzt hocke ich da», sagt sie. Ist das geheime chinesische Institut nicht in der Lage gewesen, um welche Gattung es sich handle? «Ich habe eine Anfrage gemacht, was ein Abgleich mit Rind, Schwein, Geflügel kostet.» Bisher habe sie aber noch keinen Preisvorschlag erhalten. «Ich bin nicht ganz sicher, ob sie das ernst genommen haben», schiebt Tönnies nach. Ihr Englisch sei schlecht. Die Proben-Aktion habe sie 1000 Euro gekostet. Das will Tönnies aus eigener Tasche bezahlt haben.
Tönnies hat «keine einfache Antwort» zum Proben-Rätsel
Tönnies erklärt, sie habe sich eigentlich gegen einen Tracker für Timmy ausgesprochen. Zum Proben-Rätsel habe sie «keine einfache Antwort».
Eine Journalistin erwähnt, dass der Kapitän von Timmys Rettungsschiff ihrer Darstellung auf Instagram widersprochen habe. Er habe sie auf das Schiff eingeladen und Tönnies hätte sich geweigert, das Boot zu betreten, soll er behauptet haben.
Zunächst geht es aber erneut um das Geschlecht des Buckelwals. «Sie war längere Zeit nicht trächtig», sagt die Tiermedizinerin. «Alle haben versucht, ihr Bestes zu geben», ergänzt sie zur Rettungsmission. Die Wichtigkeit des Tieres entscheide sich unter anderem am Fundort, nicht am Geschlecht.
Dem Kapitän wirft Tönnies vor, Tatsachen komplett zu verdrehen. Anschliessend wird es wieder abstrus. Der Wal-Experte Jeff Foster sei nicht einverstanden gewesen, mit dem, was bei der Freilassung von Timmy passiert sei.
Wilde Spekulationen: Wurden Proben ausgetauscht?
Sind die beiden Proben von zwei unterschiedlichen Tieren, fragt eine Journalistin erneut nach. «Ja, sie sind so weit auseinander, das man sagt, dass kann nicht derselbe Organismus sein.»
Es wird spekulativ: Wurde die Probe etwa ausgetauscht? «Natürlich hat man solche Gedankengänge», sagt Tönnies.
Tönnies war bei Probenentnahme nicht dabei
Jetzt geht es um die Besatzung des Schiffs, dass Timmy in die Freiheit entlassen hat. Tönnies und ein Kameramann durften nicht mit an Bord. «Schluss mit Demokratie», habe der Kapitän gesagt. Warum sie nicht dabei sein durfte, ist Tönnies nicht klar. «Wir waren nicht dabei», sagt sie zur Probenentnahme an der Finne.
«Anholt hat einen Uterus gefunden»
Tönnies schweift ab und berichtet über angebliche Geschwister von Timmy. «Ich weiss nicht, ob das real ist», schiebt sie nach. Sie betont immer wieder, dass sie sich bei vielem nicht sicher sei. Zum Geschlecht sagt Tönnies: «Anholt hat auf jeden Fall einen Uterus gefunden.»
Tönnies und das geheime chinesische Institut
Wie ist Tönnies darauf gekommen, die Proben nach China zu schicken? Ein entsprechendes Unternehmen, das laut der Tierärztin auch in Deutschland Zweigstellen habe, habe sie angerufen. Nach der Analyse habe die Firma zu ihr im übertragenen Sinne gesagt: «So, hier schaut ihr mal.»
Anschliessend hätten die nicht genannten Experten sich neun Tage mit den Daten auseinandergesetzt. «Jeder, der möchte, darf sich dieses Material anschauen», betont sie.
Immer wieder hätten Leute ihr geschrieben, dass der Wal in Dänemark nicht Timmy sei. Sie sei zunächst auch davon ausgegangen, dass es sich um dasselbe Tier handle. Den Namen des chinesischen Instituts, welches die Analyse durchführte, will Tönnies indes nicht verraten.
«Wir stellen die Proben zur Verfügung»
«Die Proben sind in Ordnung. Das hat das Labor bestätigt. Das Material und die Analysen sind gut», stellt Tönnies klar. «Die Qualität der Untersuchung ist gut.» Dennoch stelle sich die Frage, ob es sich bei beiden Proben um dieselbe Tierart handle. «Wir stellen alles zur Verfügung. Das Probenmaterial wird zurück nach Deutschland geschickt. Es ist noch genug da.»
«Kann das noch eine Tierart sein?»
«Die Abweichungen sind so gross, das die Frage ist: Geht das noch mit derselben Tierart?», doppelt Tönnies zu den Proben nach. «Ich konnte es selbst nicht glauben, als ich das gehört habe.»
Und weiter: «Die Leute wollen wissen, was da los ist. Das Ergebnis ist, das wir uns fragen: Kann das noch eine Tierart sein?»
Eigentlich war der Fall klar: Der an der dänischen Küste angespülte Buckelwal ist Timmy – und Timmy ist tot. Oder? Jetzt versetzt das Ergebnis einer DNA-Analyse die Timmy-Unterstützer plötzlich wieder in helle Aufregung: «Ist Timmy noch am Leben?», fragt die deutsche Zeitung «Bild», die vorab vom Ergebnis des brisanten DNA-Vergleichs berichtet.
Kurz vor der Freilassung des Buckelwals befestigte der Wal-Experte Jeff Forster einen Tracker an dessen Finne. Das dabei gewonnene Gewebe habe anschliessend als DNA-Probe gedient, schreibt «Bild». Von dem Kadaver in Dänemark habe wiederum die Gruppe «Wal-Initiative» rund um den Media-Markt-Gründer Walter Gunz (79) eine Probe entnommen. Nun zeigt die Analyse der beiden Proben: Sie stimmen nicht überein. War der angespülte Wal in Dänemark also gar nicht der Wal, der als Timmy weltweit für Schlagzeilen sorgte?
Pressekonferenz zu DNA-Proben angekündigt
Die Antwort darauf ist kompliziert. Denn: Es gibt Zweifel an der Zuverlässigkeit der beiden Proben. Für die Entnahme gibt es laut Bericht keine unabhängigen Zeugen. Auch soll der Versand an das Labor nicht überwacht worden sein. Dennoch liege die Qualität der Datenanalyse bei 99 Prozent, heisst es.
Am heutigen Mittwoch um 14 Uhr will die Tierärztin Kirsten Tönnies, die auch an der Wal-Rettung beteiligt war, in Hamburg (D) über die DNA-Ergebnisse informieren. Die Aktivisten-Gruppe «Save the Ocean» postet dazu einen Flyer auf ihren Social-Media-Kanälen. Blick wird die Medienkonferenz live tickern.
Und zur Auffrischung deines Gedächtnisses rollen wir den Fall Timmy noch einmal chronologisch auf:
Befreit – und gleich wieder gestrandet
Nach seiner ersten Strandung vor der Insel Poel (D) am 23. März konnte sich der Wal wenige Tage später selbst befreien. Kurz darauf strandete das Tier aber erneut, diesmal an einem anderen Ort. Nachdem der Wal ein zweites Mal freigeschwommen war, sass er Anfang April endgültig vor der Insel Poel fest. Mit grossem Aufwand wurde das Tier schliesslich von Helfern per «Wasser-Taxi» im offenen Meer freigelassen. Fünf Tage später starb der Wal nach bisherigen Erkenntnissen.
Timmy ist plötzlich ein Weibchen
Zunächst gingen Behörden und Experten davon aus, dass Timmy ein männlicher Buckelwal ist. Umso grösser die Überraschung, als der angespülte Wal-Kadaver untersucht wurde: Das Tier war weiblich! Weil der tote Wal auf dem Rücken lag, war der Geschlechtsbereich gut zu erkennen.
Multimillionär schaltet sich ein
Mitten im Krimi um mögliche Rettungspläne tauchte plötzlich ein prominenter Unterstützer auf: Media-Markt-Mitgründer und Multimillionär Walter Gunz (79) machte sich für die Rettung von Timmy stark. Sein Vorhaben beinhaltete waghalsige Manöver, um das tonnenschwere Tier ins tiefe Wasser zu verfrachten. Trotz des finanziellen Zustupfes, den Gunz in Aussicht stellte, wurde das Vorhaben vom zuständigen Umweltminister abgelehnt.
Das Rätsel um den verschwundenen Tracker
Der kurz vor der Freilassung angebrachte Peilsender gab kurz nach Timmys Rettung Rätsel auf: Zunächst hiess es, das Gerät liefere nur unbrauchbare Daten. Später behauptete ein Experte, Vitalparameter des Tiers zu erhalten, aber keine Position. Dann sprach er plötzlich von zahlreichen Positionsmeldungen.
Das bezweifelte der dänische Meeresbiologe Peter Madsen: Es gebe keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten eines Wals liefern kann, sagte dieser. Bei der Untersuchung des Kadavers wurde der Tracker schliesslich gefunden und ausgewertet. Dieser soll gezeigt haben, dass Timmy nach seiner Rettung 215 Kilometer zurückgelegt hatte.