Darum gehts
- Russische Rakete Kh-101 stürzt nahe Lublin in Polen ab
- Krater von zehn Metern, keine Verletzten oder Schäden gemeldet
- Russland lancierte 70 Raketen und 280 Drohnen gegen Ukraine
In der Nacht auf Donnerstag überzog Russland die Ukraine erneut mit schweren Luftangriffen. Zugleich ging gegen 3.40 Uhr morgens ein Luftalarm in Polen los. Zunächst hiess es lediglich, dass ein unbekanntes Flugobjekt in den Luftraum des Nato-Landes eingedrungen war und in Richtung Westen flog. Wie das Oberkommando der polnischen Streitkräfte mitteilte, war der unbekannte Flugkörper auf unbewohntem Gebiet nahe dem Ort Tarnawa Kolonia südlich von Lublin abgestürzt.
Am Donnerstagnachmittag bestätigte Polens Regierungschef Donald Tusk (69) auf der Plattform X, dass es sich bei dem Flugobjekt um eine Rakete vom Typ Kh-101 gehandelt hat. Das Geschoss sei bewaffnet gewesen und stamme nach aller Wahrscheinlichkeit aus Russland.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (70) äusserte sich auf X ebenfalls zu dem Vorfall. «Der Einschlag in Polen zeugt auch von russischer Rücksichtslosigkeit und Eskalationsbereitschaft», schrieb er dazu.
Nachdem der Luftalarm ausgelöst worden war, stieg ein Kampfjet vom Typ F-16 zur Erkennung auf, heisst es weiter in der Mitteilung des Oberkommandos. Die Rakete sei danach wieder vom Radar verschwunden. Die Besatzung eines Helikopters habe später den Absturzort identifiziert. Dort offenbarte sich ein Krater von zehn Metern Durchmesser. Schäden oder Verletzte wurden keine gemeldet.
Erste Anzeichen deuten auf russische Marschflugrakete hin
Wie die Polizei in Lublin auf X schrieb, berichteten Anwohner in den Morgenstunden von einem gewaltigen Knall. Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosziniak-Kamysz sprach von einer «ausserordentlich schweren Nacht für unsere Luftverteidigung, Überwachungs- und Abwehrsysteme». Derzeit wird an der Absturzstelle untersucht, um welche Art von Flugobjekt es sich handelt.
Am Donnerstag ist der polnische Ministerpräsident Donald Tusk (69) zur Absturzstelle angereist, wie das Portal «Tysol» berichtet. «Seit den frühen Morgenstunden sind wir alle in höchster Alarmbereitschaf», betonte Tusk.
Schon mehrfach Luftraumverletzungen in Polen
In der Ukraine machte man bereits am Donnerstagmorgen Russland für den Vorfall verantwortlich. «Über Nacht ist während eines massiven russischen Angriffs auf die Ukraine ein russischer Marschflugkörper vom Typ CH-101 in Polen eingedrungen und hat den Luftraum der Nato verletzt», schrieb der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha auf X.
Der Vorfall nahe Lublin ereignete sich während einer der schwersten Angriffsnächte der letzten Zeit. Wie der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) am Donnerstagmoren auf X vermeldete, setzte Russland mehr als 70 Raketen und rund 280 Drohnen ein. Landesweit seien mindestens acht Todesopfer gemeldet worden, darunter drei Kinder. Dutzende Wohnhäuser, zivile Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen seien zerstört und beschädigt worden.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sind bereits mehrfach Flugobjekte in den polnischen Luftraum eingedrungen. Im vergangenen September flogen etwa mehrere Drohnen während eines russischen Angriffs auf die Ukraine in den Flugraum Polens. Die polnische Luftwaffe und andere Nato-Verbündete reagierten und holten einige der Drohnen vom Himmel.