Darum gehts
- Abdul Ballout raste am 25. Juli in Berlin in eine Menschenmenge
- Terroranschlag fordert eine Tote und 29 Verletzte
Die Polizei fahndete international nach dem Täter und erschoss ihn bei einem Einsatz vom Sonntagabend
In ganz Europa wurde nach dem Terroristen Abdul Ballout (†21) gefahndet. Er soll am Samstagabend am Christopher Street Day (CSD) in Berlin mit einem weissen Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast und danach mit einer Machete auf Passanten losgegangen sein. Eine Frau starb, 29 weitere Personen wurden verletzt, teils schwer. Am Sonntagabend dann aber die Entwarnung: Alle Verletzten sind ausser Lebensgefahr.
Noch am selben Abend gelang es der Polizei gegen 18 Uhr, Ballout in einer Gartenlaube im Berliner Bezirk Spandau zu lokalisieren. Beim Zugriff lief er nach Angaben der Behörden mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zu. Das Sondereinsatzkommando SEK Berlin setzte daher eine Schusswaffe ein. Durch die Schussabgabe wurde Ballout verletzt und verstarb trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmassnahmen durch die Berliner Feuerwehr noch am Einsatzort.
Schon als Jugendlicher polizeibekannt
Ballout wurde 2005 in Berlin geboren. Er war deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln. Zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebte Ballout in einer Wohnung im Berliner Quartier Schöneberg. Sein Vater, mit dem der Terrorist kurz vor seinem Anschlag noch telefonierte, lebt im Libanon. Von Mitte 2023 bis zum Sommer 2024 war Ballout laut Recherchen von «Focus» mit einer Frau aus Salzburg nach islamischem Recht verheiratet.
Als Jugendlicher wurden die Behörden in Berlin zum ersten Mal auf Ballout aufmerksam. Im September 2019 schlug er laut der «Welt» eine Person auf dem Schulhof einer Berliner Oberschule. Gut ein Jahr später raubte er zusammen mit einem Mittäter Kopfhörer. Im Februar 2022 wurde er von der Staatsanwaltschaft Berlin in einem Verfahren wegen Körperverletzung sowie räuberischer Erpressung schuldig gesprochen.
IS-Reise in den Libanon und Verhaftung
Wann und wo genau sich Ballout islamistisch radikalisierte, ist nicht bekannt. Bereits im Juni 2024 soll er Propaganda des Islamischen Staates (IS) verbreitet haben. «Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen», erzählt der Vater am Telefon dem «Spiegel». Klar ist jedoch: Vor rund einem Jahr hat Ballout laut der Generalstaatsanwaltschaft Berlin «den Wunsch entwickelt, sich dem bewaffneten Kampf des IS anzuschliessen».
Dafür reist der zukünftige Terrorist im Mai 2025 über die Türkei in den Libanon. Von dort aus will er nach Syrien weiterziehen und sich dem IS anschliessen. Im Libanon soll Ballout dann versucht haben, Kontakt zu mehreren IS-Mitgliedern aufzubauen. Die lokalen Behörden kommen ihm aber auf die Spur. Im Juli 2025 wird Ballout festgenommen. Ein Militärgericht verurteilte ihn unter anderem wegen «Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten» zu drei Monaten Haft.
Rückkehr nach Deutschland und Verurteilung
Nach seiner Haftentlassung im Libanon kehrt Ballout nach Deutschland zurück. Im vergangenen November wird er am Flughafen Berlin-Brandenburg festgenommen.
Im Mai 2026 wurde Ballout in einem Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft Berlin erneut verurteilt. Diesmal unter anderem wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat. Er erhielt eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Im Urteil wird Ballout vom Richtig als «tiefgläubiger» Mensch beschrieben, der sich «von dem Islamischen Staat distanziert hat».
Das Urteil war noch nicht rechtskräftig. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin forderte eine höhere Haftstrafe und legte deshalb Berufung ein.
Im Mai wurde Ballout aus dem Jugendgefängnis entlassen – Recherchen von «Welt» zeigen weiter: Seine Freilassung war an Bedingungen geknüpft – dazu zählten unter anderem die Wahrnehmung von 26 Gesprächsterminen mit einer Beratungsstelle im Bereich Deradikalisierung und Extremismusprävention.
«Undurchschaubar» bei Gesprächsterminen
Zwei dieser Termine, am 15. Juni und am 9. Juli, nahm Ballout wahr. Aus den beiden Gesprächen sei keine akute Bedrohungslage ableitbar gewesen, geben Mitarbeitende der Gesprächsstelle zu Protokoll. Der dritte Termin wäre für den Montag angesetzt gewesen – also nur zwei Tage nach dem Anschlag. Der dritte Gesprächstermin hätte zudem einen möglichen Wendepunkt für den 21-Jährigen darstellen können: Danach hätte entschieden werden können, ob eine weitere Beratung sinnvoll gewesen wäre oder nicht.
Mitarbeitende der Beratungsstelle erklärten gegenüber der «Welt», Ballout sei «undurchschaubar» gewesen. Er habe genau gewusst, wie er antworten müsse, habe seine ideologischen Überzeugungen kaum offengelegt und «angepasste» Antworten gegeben.
Thomas Mücke, Geschäftsführer des Violence Prevention Networks (VPN), bei dem Ballout mehrere Beratungstermine hatte, teilte dem Magazin «Focus» später mit, dass der 21-Jährige «nicht ernsthaft bereit» für eine Deradikalisierung gewesen sei. Mit anderen Worten: Ballout schien noch nicht bereit, sich vom Extremismus abzukehren.