Darum gehts
- Zwei Erdbeben erschüttern Venezuela mit Magnituden 7,2 und 7,5 am Mittwoch
- Mindestens 235 Tote, 4300 Verletzte, Tausende vermisst, Hunderte Gebäude eingestürzt
- Schweiz entsendet 80 Rettungskräfte, 8 Hunde, 18 Tonnen Material nach Venezuela
In Venezuela wächst die Sorge vor einer deutlich höheren Opferzahl nach den schweren Erdbeben vom Mittwoch. Die Naturkatastrophe entwickelt sich zu einer der schwersten des Landes seit mehr als einem Jahrhundert. Die US-Erdbebenwarte (USGS) registrierte innert nur 40 Sekunden Erdstösse der Magnituden 7,2 und 7,5. Das zweite, nur rund zehn Kilometer tiefe Beben verursachte besonders schwere Schäden.
Die venezolanischen Behörden bestätigen inzwischen mindestens 235 Todesopfer und 4300 Verletzte. Die Lage bleibt jedoch unübersichtlich: In besonders stark betroffenen Regionen fehlen weiterhin verlässliche Informationen, zudem werden Tausende Menschen vermisst. Rettungskräfte suchen nach wie vor nach Verschütteten, während die Opferzahl in den kommenden Tagen weiter deutlich steigen könnte.
Die USGS hatte aufgrund ihrer Modelle bereits vor einem möglichen Katastrophenszenario mit Tausenden bis über 100'000 Todesopfern gewarnt. Dabei handelte es sich ausdrücklich nicht um bestätigte Opferzahlen, sondern um eine Einschätzung möglicher Auswirkungen.
Hunderte Gebäude eingestürzt
Besonders betroffen sind die Hauptstadt Caracas sowie die Küstenregion La Guaira, die zum Katastrophengebiet erklärt wurde. Berichten zufolge sind Hunderte Gebäude eingestürzt. Auch in Caracas brachen Wohnhäuser zusammen. Viele Bewohner verbrachten die Nacht aus Angst vor weiteren Erschütterungen im Freien.
Die Infrastruktur wurde schwer beschädigt. Der internationale Flughafen Maiquetía bei Caracas musste den Betrieb wegen erheblicher Schäden zeitweise einstellen. In weiten Teilen des Landes kam es zu Strom-, Telefon- und Internetausfällen, was die Rettungsarbeiten zusätzlich erschwert.
Nach Angaben der venezolanischen Behörden wurden bereits mehr als ein Dutzend Nachbeben registriert. Experten warnen, dass auch schwächere Erschütterungen beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten.
Rettungskräfte kämpfen gegen die Zeit
Internationale Hilfe ist angelaufen. Die USA, Spanien, China und weitere Staaten sagten Unterstützung zu. Auch die Schweiz mobilisierte die Rettungskette Schweiz mit 80 Einsatzkräften, acht Suchhunden und 18 Tonnen Material. Das Team ist im Einsatz, um Erdbebenopfer in den Trümmern zu suchen, zu bergen und zu retten.
Die Glückskette lancierte zudem einen Spendenaufruf. Miren Bengoa, Direktorin der Glückskette, sagte: «Die Katastrophe trifft Venezuela in einer Zeit der Instabilität und ist sehr besorgniserregend. Die betroffenen Regionen sind dicht besiedelt und sowohl die Wohngebäude als auch die wichtige Infrastruktur sind fragil. Wir befürchten, dass viele Menschen dringend Hilfe benötigen werden, und appellieren an die Solidarität der Bevölkerung in der Schweiz.»
Stärksten Erdbeben in der Geschichte des Landes
Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte mit, es gebe derzeit keine Hinweise auf Schweizer Opfer. Rund 1000 Schweizerinnen und Schweizer sind in Venezuela registriert.
Die beiden Erdbeben zählen zu den stärksten, die Venezuela jemals erlebt hat. Wie schwer die Katastrophe tatsächlich ist, dürfte sich erst zeigen, wenn alle betroffenen Regionen erreicht und die Trümmer vollständig durchsucht worden sind.
Von den ersten Meldungen über die schweren Erdstösse bis zum Einsatz der internationalen Rettungsteams: Blick berichtete über die Katastrophe im Liveticker.
Schweizer Rettungskette auf dem Weg nach Caracas
Die Rettungskette Schweiz wird noch in der Nacht nach Venezuela aufbrechen, wie Özgür Ünal, Kommunikationsbeauftragter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), mitteilt. 80 Mitglieder, acht Suchhunde und 18 Tonnen Rettungsmaterial wurden für die Mission mobilisiert. Der Auftrag der Rettungskette Schweiz ist, Erdbebenopfer in den Trümmern zu suchen, zu bergen und zu retten.
Am frühen Freitag, kurz vor 3 Uhr, hob der Airbus 340 mit den Rettungskräften an Bord Richtung Caracas ab. Planmässige Ankunft ist rund 13 Uhr MESZ. Den Flug kannst du hier mitverfolgen.
Vor dem Abflug konnte Blick-Reporterin Annalena Müller mit Teamleiter Sebastian Eugster sprechen. «Die ersten 72 Stunden sind entscheidend», sagt der Rettungschef. Das gesamte Interview siehst du in diesem Video:
Wir schliessen den Liveticker
Liebe Leserinnen und Leser, die Lage in Venezuela bleibt ernst. Die Rettungsarbeiten dauern an, doch neue gesicherte Informationen erreichen unsere Redaktion inzwischen deutlich seltener als in den vergangenen Stunden.
Deshalb schliessen wir an dieser Stelle unseren Liveticker. Über die weiteren Entwicklungen, neue Erkenntnisse und die Folgen der Erdbeben halten wir euch selbstverständlich weiterhin auf Blick.ch auf dem Laufenden.
Vielen Dank, dass ihr unseren Liveticker verfolgt habt.
Das Wichtigste im Überblick
- Erdstösse der Stärke 7,2 und 7,5 erschüttern das Land
- Hohe Opferzahlen befürchtet: Die USGS warnt vor einem möglichen schweren Katastrophenszenario mit Tausenden bis über 100'000 Todesopfern
- Schweizer Rettungskette auf dem Weg nach Venezuela
- Notstand ausgerufen: Präsidentin Delcy Rodríguez ruft Notstand aus, 235 Tote bestätigt
- Schwere Schäden: Zahlreiche Gebäude stürzen ein, Flughafen Caracas stellt Betrieb ein, weite Teile des Landes kämpfen mit Strom- und Kommunikationsausfällen
Hast du die Katastrophe erlebt?
Bist du gerade in Venezuela und hast die Katastrophe selbst miterlebt? Melde dich und schicke uns deine Bilder, Videos oder persönlichen Eindrücke von der Situation vor Ort.
✉️ redaktion@blick.ch
📱 Tel./Whatsapp: 079 813 80 41
Opferzahl dürfte stark ansteigen
In Venezuela wächst die Sorge vor einer deutlich höheren Opferzahl nach den schweren Erdbeben. Offiziell sind inzwischen mindestens 235 Tote und 4300 Verletzte bestätigt, doch die Lage bleibt unübersichtlich, weil in der besonders betroffenen Region weiter Daten fehlen und Tausende von Menschen vermisst werden.
Berichten zufolge sind Hunderte von Gebäuden eingestürzt. Die Zahl der Opfer dürfte in den kommenden Tagen weiter stark steigen.
Noch gibt es aus vielen Gebieten keine verlässlichen Nachrichten, weil die Kommunikations- und Rettungswege in mehreren Regionen unterbrochen sind.
Zahl der Todesopfer steigt auf 188
Die Zahl der Todesopfer des schweren Erdbebens, das Venezuela am Mittwoch erschütterte, ist auf 188 gestiegen. Parlamentspräsident Jorge Rodríguez gab dies bekannt und teilte mit, dass mindestens acht Spitäler, 20 Einkaufszentren und 68 Infrastruktureinrichtungen beschädigt und evakuiert wurden. «Es gibt 188 Todesopfer durch das Erdbeben, 1.520 Verletzte, denen derzeit Hilfe geleistet wird, und 157 Vermisste», teilte der Bruder von Interimspräsidentin Delcy Rodriguez in einer Erklärung mit. Der Politiker fügte hinzu, dass derzeit etwa 200 Menschen unter den Trümmern verschüttet, dass über 250 Gebäude zerstört worden und dass unter den Betroffenen der Erdbeben – mit einer Stärke von 7,5 und 7,2 – insgesamt knapp 3000 Familien seien.
Staatsfernsehen zeigt Wunderrettung dreier Kinder
Auf Aufnahmen des staatlichen venezolanischen Fernsehens ist am Donnerstagabend Schweizer Zeit eine Wunderrettung zu sehen: Rettungskräfte ziehen drei lebende, mit Staub bedeckte Kinder aus den Trümmern. Passiert sein soll es in dem am schlimmsten getroffenen Bundesstaat La Guaira.
Bereits am Mittwochabend Ortszeit war ein Hundewelpe in der Hauptstadt Caracas aus den Ruinen eines Hauses gezogen worden. «Der Welpe erhielt sofort Wasser, bevor er in die Obhut der Feuerwehr von Caracas übergeben wurde», berichtet «The Weather Channel».
Grosse Anlage mit Ferienwohnungen teilweise eingestürzt
Wie der BBC-Journalist Shayan Sardarizadeh auf der Plattform X schreibt, ist bei dem heftigen Erdbeben auch das La Mar Suites Conjunto Residencial Hotel, dass Ferienwohnungen anbietet, teilweise eingestürzt. Es befindet sich Tucacas, nordöstlich der Hauptstadt Caracas. Ein Video zeigt die Überreste eines grossen Gebäudes. Es sind nur noch Trümmer übrig geblieben.
Glückskette lanciert Spendenaufruf
Die Glückskette ruft am Donnerstag zu Spenden für die betroffene Bevölkerung in Venezuela auf. «Während sich die Zahl der Opfer und das Ausmass der Schäden laufend erhöht, zeichnen sich bereits sehr grosse humanitäre Bedürfnisse ab. Angesichts dieser Katastrophe lanciert die Glückskette eine Solidaritätskampagne und sammelt Spenden für die humanitäre Hilfe über ihre Schweizer Partnerorganisationen», hält die Stiftung in einer Medienmitteilung fest.
Die Glückskette verfügt über mehrere akkreditierte Schweizer Partnerorganisationen, die schnell Hilfe leisten können, dazu zählen Caritas, HEKS, Save the Children Schweiz und das Schweizerische Rote Kreuz. Miren Bengoa, Direktorin der Glückskette, betont: «Die Katastrophe trifft Venezuela in einer Zeit der Instabilität und Prekarität und ist sehr besorgniserregend. Die betroffenen Regionen sind dicht besiedelt und sowohl die Wohngebäude als auch die wichtige Infrastruktur sind fragil. Wir befürchten, dass viele Menschen dringend Hilfe benötigen werden, und appellieren an die Solidarität der Bevölkerung in der Schweiz.»
Erste Bilder am Morgen: Sonnenlicht legt Zerstörung offen
Am Morgen danach legen die morgendlichen Sonnenstrahlen den Blick frei auf das Ausmass der Zerstörung. Die Menschen haben die Nacht auf der Strasse verbracht, weil ihre Häuser zerstört oder einsturzgefährdet sind. Auch 15 Stunden nach dem Hauptbeben ist mit weiteren Nachbeben zu rechnen.
Diese Vorher-Nachher-Bilder machen die Zerstörung besonders deutlich:
Caraballeda, an der Küste nördlich von Caracas:
Hotel Eduard's in La Guaira, an der Küste nördlich von Caracas:
Telefon, Internet und TV 48 Stunden kostenlos
Das staatliche Telekommunikationsunternehmen CANTV hat erklärt, dass keine Kosten anfallen für Internet, Telefon und TV. Das gilt für 48 Stunden. CANTV teilt mit, dass dieser Schritt eine Reaktion auf das katastrophale Erdbeben sei. In der Not will das Unternehmen den Menschen helfen, so gut es CANTV kann.
Vermisstenregister eingerichtet
Noch ist das Ausmass der Katastrophe nicht vollends klar. Zehntausende Menschen suchen verzweifelt nach vermissten Angehörigen und Freunden. Jetzt wurde ein kostenloses und digitales Register eingerichtet, damit es eine Liste aller Vermissten gibt. Der Name: Venezuela sucht dich! Angehörige können dort den Namen ihrer vermissten Liebsten eintragen und ein Foto hinterlegen.