Darum gehts
- Erdbeben der Stärke 7,1 trifft Kumamoto, Japan, am Dienstag
- Regierung gibt Tsunamiwarnung mit mindestens einem Meter hohen Wellen aus
- Öffentlicher Verkehr gestoppt, Shinkansen-Züge bleiben vorerst stehen
Unübersichtliche Situation im Süden Japans. Ein Erdbeben der Stärke 7,1 traf am Dienstag die Präfektur Kumamoto auf der Insel Kysushu. Das Bebenzentrum befindet sich in einer Tiefe von zehn Kilometern.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters hatte die Regierung als Reaktion für mehrere Regionen auf der Insel eine Tsunamiwarnung herausgegeben. Es musste mit Wellen von mindestens einem Meter Höhe gerechnet werden. Kurz vor 11.30 Uhr Schweizer Zeit wurde die Warnung aufgehoben.
Der öffentliche Verkehr in der betroffenen Region wurde bis auf Weiteres eingestellt. Auch die berühmten Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen bleiben vorerst stehen.
Laut Behörden müsse mit Nachbeben gerechnet werden. «Nach dem ersten Erdbeben wurden in den folgenden vier Stunden 61 weitere Erdbeben mit einer Stärke von 1 oder höher registriert», sagte ein Sprecher der japanischen Wetterbehörde auf einer Pressekonferenz.
Sender meldet «beträchtliche Zahl» an Todesopfern
Noch ist unklar, wie viele Menschen sich bei dem Erdbeben verletzt haben. Der japanische Fernsehsender NHK berichtet von mindestens 50 Verletzten.
In einem Einkaufszentrum kam es infolge des Erdbebens zu einer Explosion. «Es gab einen lauten Knall, dann ist die Mauer des Gebäudes einfach weggeflogen», erzählte ein Taxifahrer, der die Explosion beobachten konnte. «Die Trümmer trafen ein Auto, das auf einer nahegelegenen Strasse fuhr», sagte der Augenzeuge zu NHK.
Der zweite Stock des Gebäudes ist laut dem Nachrichtenportal «Yomimuri» eingestürzt. Viele Menschen sollen im Innern eingeschlossen sein. Zwischen 20 und 30 Mitarbeitende der Geschäfte werden aktuell vermisst. Auch mehrere Verletzte wurden gemeldet.
«Es wird davon ausgegangen, dass es zu zahlreichen Todesfällen gekommen ist», sagte ein Beamter der Präfektur zum japanischen Sender TBS News. Später berichtete der Sender von einer «beträchtlichen Zahl» von Menschen, die ums Leben gekommen seien.
Genaue Zahlen oder ob es sich bei den Getöteten um Angestellte oder um Kundinnen und Kunden handelte, werden nicht genannt. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, starb ein bestätigtes Opfer beim Zusammenbruch eines Hauses.
Das zerstörte Einkaufszentrum in Kumamoto war erst am 13. Juni nach umfassendem Wiederaufbau wiedereröffnet worden. Der Komplex, der bereits beim schweren Beben von 2016 massiv beschädigt worden war, galt als Symbol für den Neuanfang in der Region.
Auf einem Video in den sozialen Medien ist ausserdem zu sehen, wie die Wände einer alten Burg nach dem Erdbeben augenscheinlich zusammenbrechen.
Katastrophe wie vor 10 Jahren?
Laut NHK ist es das stärkste Erdbeben im Land seit 2024. Aufnahmen des Fernsehsenders zeigen mindestens ein brennendes Wohnhaus in der betroffenen Region. Auch wurde eine Autobrücke beschädigt. Die Rettungskräfte würden aktuell die Lage beurteilen. «Es gehen ununterbrochen Anrufe bei der Notrufnummer ein, darunter auch Brandmeldungen», meldet die Feuerwehr dem Fernsehsender.
Das zuständige Elektrizitätswerk teile allerdings bereits mit, dass es nach dem Erdbeben keine Berichte über Unregelmässigkeiten in den Atomkraftwerken der Region gegeben habe. Infolge des Erdbebens sind jedoch rund 40'000 Haushalte ohne Strom.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Präfektur Kumamoto von einem schweren Erdbeben getroffen wird. Vor zehn Jahren bebte in der Region die Erde mit einer Stärke von 7.3. Damals kamen nach offiziellen Angaben 275 Menschen ums Leben und weitere 2739 wurden verletzt. Zehntausende weitere mussten in Notunterkünften untergebracht werden.