Darum gehts
- Transporter rast in CSD-Menge in Berlin: eine Tote, 29 Verletzte
- Täter Abdul Ballout (†21) polizeibekannt, wird islamistischem Milieu zugeordnet
- Polizei jagt Täter, über 250 Zufahrtschutzelemente waren am Tiergarten postiert
Ticker wird geschlossen
Hiermit schliessen wir den Ticker zur Berichterstattung über den Terroranschlag in Berlin. Auf blick.ch findest du weiterhin alle Infos rund um das Ereignis. Danke fürs Mitlesen!
Das waren die 21 Stunden der Angst in Berlin
Was als grösstes Pride-Fest Europas gestartet war, endete am Samstagabend mit Blut und Tränen. Gegen 22 Uhr raste am Rand des Christopher Street Day (CSD) im Berliner Tiergarten ein weisser Citroën-Lieferwagen im Bereich des Ahornsteigs nahe der Lennéstrasse gezielt in eine dicht gedrängte Menschenmenge.
Das Fahrzeug erfasste – rund 400 Meter vom abgesicherten Festbereich entfernt – mehrere Menschen frontal. Nach rund hundert Metern prallte das Fahrzeug gegen einen Baum. Der Fahrer stieg aus dem Wrack, ging mit einer Stichwaffe, laut Berichten einer Machete, auf Passanten los und flüchtete in der Dunkelheit.
Eine Frau erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. 29 weitere Menschen wurden verletzt, drei zunächst lebensbedrohlich. Inzwischen schwebt niemand mehr in Lebensgefahr.
Der Anlass, ein politisches Fest der LGBTQ-Bewegung, wurde umgehend abgebrochen. Die Polizei forderte die Besucher auf, das Gelände im Zentrum der Stadt zu verlassen.
Fahndung endet in einer Gartenkolonie
Es folgte eine der grössten Fahndungen der jüngeren Berliner Geschichte. Die Generalstaatsanwaltschaft und die Polizei Berlin leiteten eine bundesweite Öffentlichkeitsfahndung nach dem 21-jährigen Abdul Ballout ein und veröffentlichten sein Foto.
Mit Helikoptern und Wärmebilddrohnen suchten die Einsatzkräfte nach dem Flüchtigen. Ein Spezialeinsatzkommando durchsuchte seine Meldeadresse in Schöneberg. Die Wohnung war leer. Die Behörden alarmierten die Nachbarländer, auch die Schweiz.
Rund 20 Stunden nach der Tat dann der Zugriff: In der Gartenanlage Burgwallschanze in Berlin-Spandau entdeckte und stellte das Sondereinsatzkommando SEK Berlin den Verdächtigen. Laut Polizei griff der Terrorist die Beamten mit einer Stichwaffe an, woraufhin auf ihn geschossen wurde. Trotz Reanimationsversuchen kam der Mann am Sonntag um 18.34 Uhr ums Leben.
Ballout wurde in Berlin geboren. Der Mann mit libanesischen Wurzeln galt den Behörden als IS-Anhänger und war polizeibekannt. Erst im Mai war er aus dem Jugendarrest gekommen – das Amtsgericht Tiergarten hatte ihn wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt.
Offen bleibt, ob der Täter Komplizen hatte. Augenzeugen berichteten, nach der Tat habe sich eine weitere Person aus dem Auto entfernt – ein möglicher Mittäter, dem die Ermittler nachgehen.
Auf Blick-Anfrage erklärte der stellvertretende Polizeisprecher Jörn Iffländer, dass man zwecks Ermittlungen am Samstagabend mehrere Personen in Gewahrsam genommen habe, diese aber meist wieder entlassen worden seien. Eine Person befinde sich noch weiterhin in Gewahrsam, bei welcher sich der Verdacht einer Verbindung zum Terrorakt erhärtet habe.
Erleichterung und Kritik
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) zeigte sich am Abend erleichtert: «Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein grosser Erfolg der Ermittlungsbehörden.» Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) kritisierte im ZDF, dass der Mann im Mai nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sei.
Am Abend zog ein Trauermarsch von der Marienkirche zum Brandenburger Tor. An einer Trauerkundgebung dort nahmen 8000 bis 10'000 Menschen teil.
Dobrindt: Keine akute Gefahr nach Tod von Terrorist
Nach dem Tod des tatverdächtigen des mutmasslich islamistischen Terroranschlag Abdul Ballout geht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt derzeit von keiner weiteren Gefahr aus. «Es gibt weitere Massnahmen, aber wir gehen jetzt aktuell von keiner weiteren Gefährdung aus. Aber das ist alles immer eher eine Momentaufnahme", sagte Dobrindt im Rahmen des ARD-«Brennpunkt».
Auch zu möglichen weiteren Tatbeteiligten äusserte sich Dobrindt. «Es gibt eine weitere Person, die dort in Betrachtung ist. Das hat sich bisher aber nicht erhärtet, ist aber auch noch nicht abgeschlossen.» Er betonte, dass Anschläge dieser Art typischerweise von Einzeltätern begangen würden.
Damit du den Überblick über den Anschlag und den Fahndungserfolg der Berliner Polizei behältst, hat Auslandsredaktor Daniel Jung die zentralen Informationen hier für dich zusammengefasst.
Gedrückte Stimmung und Blumen – Blick-Reporterin am Anschlagsort
Blick-Reporterin Karin Frautschi hat den Anschlagsort im Berliner Tiergarten besucht. «Hier fuhr der Terrorist mit dem Fahrzeug in die Menschenmenge», schildert sie. Auf dem Boden sind am Tatort Farbspuren zu erkennen. «Der Tatort erstreckt sich über einige Meter und farbige Spuren erinnern an die schreckliche Tat vom Samstagabend», berichtet Frautschi. Unter anderem sei eingezeichnet, wo der Täter mit seinem Fahrzeug entlang gefahren sei und wo Opfer gelegen haben.
Der Bereich, an dem der Täter mit dem Fahrzeug gegen einen Baum prallte, ist von der Polizei abgesperrt worden. Auf der ganzen Strecke der Terrorfahrt sind Gedenkstätten für die Opfer verteilt. Viele legen Blumen und Kerzen nieder oder schauen fassungslos die Tatortspuren an. Die Stimmung vor Ort ist sehr gedrückt.
«Alle 20 Meter standen Polizisten mit Maschinenpistolen»
Der Chef der Kleingartenanlage, Carsten Bathel, schildert gegenüber «Bild», wie er den Einsatz in der Gartenanlage Burgwallschanze erlebte. Schon um 15 Uhr seien die Einsatzkräfte vor Ort gewesen, erzählt er. Die Anlage sei abgesperrt worden. «Man konnte noch den Weg zu Fuss passieren. Alle 20 Meter standen Polizisten mit Maschinenpistolen», berichtet Bathel.
«Um circa 18 Uhr hat man dann Schüsse gehört. Das waren zwei Salven, wenn ich richtig gehört habe – à vier Schüsse. Eine zweite Salve kam um 18.15 hinterher», sagt Bathel. Von den Einsatzkräften habe er nun erfahren, dass die Kleingartenanlage am Sonntag nun nicht mehr betreten werden dürfe.
Grosse Erleichterung bei Bürgermeister Wegner nach Fahndungserfolg
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich erleichtert darüber gezeigt, dass der Tatverdächtige des mutmasslich islamistisch motivierten Terroranschlags im Tiergarten gestellt wurde. «Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein grosser Erfolg der Ermittlungsbehörden», sagte der CDU-Politiker am Abend gegenüber dem Sender RBB. «Und da bin ich sehr dankbar.»
Blick nimmt einen Augenschein am Tatort
Blick-Reporterin Karin Frautschi ist vor Ort in Berlin. Im Berliner Tiergarten hat sie sich an die Stelle begeben, an welcher der Tatwagen in eine Menschenmenge gerast ist und eine Tote und 29 Verletzte hinterlassen hat.
Nahe des Ortes, an dem viele Verletzte gefunden wurden, hat die Polizei ein Absperrband angebracht. Augenscheinlich befindet sich dahinter die Stelle, an welcher der Tatwagen in einen Baum geprallt ist. Die Gartenlaube in Berlin Spandau, wo der Terrorist Abdoul Ballout (†21) am Sonntagabend erschossen wurde, befindet sich rund eine Autostunde vom Tatort entfernt.
Spuren deuten auf Einzeltäter hin
«Focus online» berichtet in Bezugnahme auf Quellen aus Sicherheitskreisen, dass die Ermittler inzwischen eher von einem Einzeltäter ausgehen. Ballout sei offenbar durch einen Hassprediger aus Bochum vor einigen Jahren radikalisiert worden. Dieser Mann sei vor zwei Jahren abgeschoben worden.
Terrorist in Berliner Gartenlaube erschossen – Behörden bestätigen Tod
Mittlerweile hat die Senatsinnenverwaltung bestätigt: Der Terrorist vom Berliner CSD wurde bei einem Polizeieinsatz getötet.
Wie die Polizei Berlin gegen 19.30 Uhr auf X bestätigt, konnte der Tatverdächtige Abdul Ballout gegen 18 Uhr in einer Kleingartenanlage im Berliner Bezirk Spandau lokalisiert werden. Beim Zugriff sei er mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen. Das Sondereinsatzkommando SEK Berlin setzte daher eine Schusswaffe ein. Durch die Schussabgabe wurde Ballout verletzt und verstarb trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmassnahmen durch die Berliner Feuerwehr noch am Einsatzort.
Nach Informationen von «Bild» ist Ballout um 18.34 Uhr verstorben. Laut der Zeitung soll die Gartenparzelle Ballouts Vater gehören. Der Hinweis zur Ergreifung soll aus Ballouts persönlichem Umfeld gekommen sein.
Der stellvertretende Pressesprecher der Berliner Polizei, Jörn Iffländer, bestätigte gegenüber Blick einen Einsatz bei einer Gartenlaube im Bezirk Berlin-Spandau im Zusammenhang mit dem Anschlag im Tiergarten. Auch das Sondereinsatzkommando (SEK) sei vor Ort.
Abdul Ballout war «nicht ernsthaft bereit» für die Extremismus-Abkehr
Erst im Mai war Abdul Ballout aus dem Jugendgefängnis entlassen worden. Seine Freilassung war an Bedingungen geknüpft – dazu zählten unter anderem die Wahrnehmung von 26 Gesprächsterminen mit einer Beratungsstelle im Bereich Deradikalisierung und Extremismusprävention.
Nun hat Thomas Mücke, der Geschäftsführer des «Violence Prevention Networks» (VPN), bei dem Ballout mehrere Beratungstermine hatte, dem Magazin «Focus» mitgeteilt, dass der 21-Jährige «nicht ernsthaft bereit» für eine Deradikalisierung gewesen sei. In anderen Worten: Ballout schien noch nicht bereit, sich vom Extremismus abzukehren.
Zum Zeitpunkt der Tat, erklärte Mücke, habe man sich in der «Klärungsphase» befunden, um zu prüfen, ob Ballout für eine Deradikalisierung empfänglich sei. Nach zwei Terminen mit VPN-Mitarbeitern am 15. Juni und 8. Juli hätten die Präventionshelfer dahin tendiert, noch keine Deradikalisierungsarbeit mit Ballout aufzunehmen.
Denn man habe gemerkt, «dass es eine starke Relativierung dessen gab, was seinen Tatvorwurf angeht», betonte Mücke gegenüber «Focus». «Er war sehr freundlich und sehr darauf bedacht, die richtige Antwort zu geben. Wir sprechen in solchen Fällen von Zweckantworten.» Man hätte mit dem 21-Jährigen «gar nicht die Themen gefunden, an denen man arbeiten kann» so Mücke weiter. «Dafür braucht es wenigstens eine gewisse Problemeinsicht.»
Schreckliche Nachrichten aus Berlin am Samstagabend. Ein Transporter rast in eine Menschenmenge am Christopher Street Day (CSD) im Tiergarten. Eine Frau starb. 16 Personen wurden verletzt. Von den Verletzten schweben drei noch in Lebensgefahr.
Kurz vor 2.30 Uhr nachts gab die Polizei in Berlin bekannt, einen Tatverdächtigen identifiziert zu haben. Laut der «Bild» handelt es sich bei dem Terroristen um den 21-jährigen Abdul Ballout. Der Amokfahrer sei bereits polizeibekannt und werde dem islamistischen Milieu zugeordnet. Er habe Familie in Berlin und sei erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden. Das schreibt NTV mit Berufung auf Angaben der Deutschen Presse-Agentur.
«Wir fahnden nach der Person, wir sind dieser Person noch nicht habhaft geworden», sagte der zuständige Polizeisprecher in der Nacht auf Sonntag dazu. Die Polizei sei mit Hubschraubern und Wärmebilddrohnen im Einsatz und suche Zeugen. Nach dem Täter wird per Foto gefahndet.
Der Mann wird von der Polizei wie folgt beschrieben:
- schlanke Statur
- circa 1,90 Meter gross
- schwarze Haare
- schwarzer Hoodie und weisse Hose
Die Polizei macht ebenfalls darauf aufmerksam, den Täter nicht anzusprechen. «Er ist möglicherweise bewaffnet und gefährlich!»
Nachdem er in die Menge raste, ging er mit einer Machete auf Passanten los
Wie Innenminister Alexander Dobrindt am Sonntagnachmittag bestätigte, folgte nach der Anschlagsfahrt noch eine weitere Angriffsphase. Nachdem der Täter das Auto in die Menschenmenge gefahren hatte, soll er ausgestiegen sein und mit einer Machete auf Passanten losgegangen sein. Augenzeugen berichteten nach der Amokfahrt von liegenden Leuten mit Stichverletzungen.
Der 21-Jährige, der 2005 in Berlin auf die Welt kam, ist bereits mit mehreren Straftaten auffällig geworden, erklärt Dobrindt. Eine Verurteilung erfolgte bereits.
Noch offen sind der genaue Ablauf und die Hintergründe der Tat. Auch ermittelt die Polizei, ob der Täter alleine agierte oder ob er Komplizen hatte.
Alleine, wie das Fahrzeug in den Tiergarten rasen konnte, ist aktuell noch unklar. Während der CSD-Veranstaltung waren laut der Polizei mehr als 250 «Zufahrtschutzelemente» rund um den Tiergarten postiert gewesen. «Eigentlich konnte hier gar keiner reinfahren», sagte ein Polizeisprecher zur «Welt».
Hausdurchsuchung in Schöneberg
In der Nacht auf Sonntag hatte die Polizei bereits versucht, den Täter in seiner Wohnung zu verhaften. Laut der «Welt» fand um etwa 1 Uhr in einem Mietshaus im Berliner Stadtteil Schöneberg eine Hausdurchsuchung durch Spezialkräfte statt. Während des Einsatzes sei ein lauter Knall zu hören gewesen. Bewaffnete Personen in Schutzkleidung waren in einer Wohnung zu sehen.
Ein Mieter erzählt der «Welt», dass in dem Haus Abdul Ballout zusammen mit mehreren Geschwistern und seiner Mutter gewohnt haben soll. Die Polizei hatte in der Wohnung aber scheinbar niemanden angetroffen. Zu einer Festnahme kam es deshalb nicht.