Darum gehts
- Albi Matter (74) spricht erstmals über den Konkurs seiner Firma öffentlich
- Nur 4500 statt geplanter 6500 Besucher führten zu 600'000 CHF Verlust
- 150 Nachrichten erhielt Matter, darunter viele mit Unterstützung und Lob
Er hat gezögert, seine Geschichte öffentlich zu machen. Zu gross war die Sorge vor den Reaktionen. «Doch es ist, wie es ist. Geradlinigkeit war mir immer wichtig», sagt Country-Papst Albi Matter (74), der am Sonntag im Blick erstmals offen über den Konkurs seiner Firma Albi's Country Festival AG gesprochen hat. Sein Traum war gross, sein Plan mutig – am Ende wurde das 40-Jahr-Jubiläum seiner Firma zum finanziellen Fiasko. Erstmals wagte Matter den Schritt ins Zürcher Hallenstadion. Statt der erhofften 6500 zahlenden Besucher kamen lediglich rund 4500.
«Das Hallenstadion hat mich 600'000 bis 700'000 Franken gekostet. Bei Einnahmen von rund 600'000 Franken hätte ich die Gewinnschwelle erreicht. Erst darüber hätte ich Geld verdient», sagt der Konzertveranstalter. Die Folge: Über seine Firma wurde der Konkurs eröffnet, aktuell befindet sie sich in Auflösung – zum ersten Mal in seinem Leben. «Das Hallenstadion hat mir das Genick gebrochen», sagt Matter. Über seinen Misserfolg zu sprechen, fiel ihm nicht leicht. Doch womit er nie gerechnet hätte, sind die unzähligen positiven Reaktionen auf seine Offenheit.
Er hat 150 Nachrichten erhalten
«Ich bin tief berührt», sagt Matter. Rund 150 Whatsapp-Nachrichten hat er erhalten. Sechs Stunden verbrachte er damit, sie zu lesen und zu beantworten. Darunter bewegende Worte von langjährigen Wegbegleitern und Menschen, die er seit Jahrzehnten weder gesehen noch gehört hatte. So schreibt ihm ein Freund, Don Martino: «Gerade in solchen Momenten sollte man nicht vergessen, was du in den vergangenen Jahrzehnten für die Country-Szene geleistet hast. Ein schwieriger Moment kann vieles verändern, aber niemals das, was du aufgebaut und für so viele Menschen bedeutet hast. Lass den Kopf nicht hängen.»
Umfallen ist keine Schande
Auch sein langjähriger Kollege Remo meldet sich: «Der Artikel zeigt einen Albi Matter, der Charakter, Rückgrat und Mut hat.» Andere schickten Sprachnachrichten und erzählten von ihren eigenen Konkursen oder den Schwierigkeiten in der Unterhaltungsbranche. Regula schreibt: «Das Worst-Case-Szenario ist leider eingetreten. Dennoch Hut ab für deinen Mut, deinen Enthusiasmus, deinen unbändigen Willen. Ich denke, wie immer im Leben, das Motto muss heissen: Umfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben.»
Besonders berührt haben Matter auch Nachrichten von Menschen, die ihm schreiben, sie würden ihn finanziell unterstützen, wenn sie könnten. Oder künftig bestimmt an einer seiner geplanten «Country Music on the River»-Flussfahrten teilnehmen. Diese veranstaltet Matter mit seiner zweiten Firma «Show & Music AG», die nicht vom Konkurs betroffen ist. Selbst der kultige Uhrenmacher Michel Jordi (77) meldete sich bei ihm: «Kopf hoch. Du bleibst der Country-Papst, und alle sind dir dankbar für das, was du geleistet hast. Bravo, dein Freund Michel.»
Worte wie diese geben Albi Matter neue Kraft. «Ich hätte nie gedacht, dass mein öffentliches Scheitern so viele Menschen berührt. Diese Solidarität bedeutet mir unglaublich viel.»