Darum gehts
- Schweizer Armee bestellt Feldgerichte für 5,2 Millionen Franken im Ausland
- Apfelmus für 670'000 Franken aus Italien sorgte für Kritik
- Estnische Firma gewann Ausschreibung mit den besten Kriterien und Preisen
Waffen und Munition möchte die Schweizer Armee am liebsten im eigenen Land beziehen. So sollen die heimische Rüstungsindustrie und auch die Versorgungssicherheit gestärkt werden. Sobald es aber ans «Eingemachte» geht, zeigt sich das Bundesamt für Rüstung Armasuisse weniger heimatverbunden.
Dass die Behörde erst kürzlich trotz einheimischer Produktion für 670'000 Franken Apfelmus aus Italien bestellt hatte, hat der Schweizer Obstverband in den völlig falschen Hals bekommen. Eine möglichst hohe Inlandversorgung stärke die Versorgungssicherheit, reduziere die Abhängigkeit von Importen und sei auch besser fürs Klima, mahnte der Verband. Zudem halte die Armee auf ihrer Website selbst fest, dass sie regionale und saisonale Produkte berücksichtige.
Estnische Armee schmiss Firma raus
Die Kritik scheint bei Armasuisse wenig Eindruck gemacht zu haben. Soeben hat das Bundesamt erneut einen Millionenauftrag ins Ausland vergeben. Für satte 18,5 Millionen Franken bestellt es Feldgerichte in den Geschmacksrichtungen süss, salzig mit Fleisch und salzig vegetarisch. Also von Frühstücksvarianten über Pasta‑ oder Reisgerichte bis zu Gemüse‑Eintöpfen.
Obwohl sich gleich sieben Bewerber gemeldet haben, geht der Zuschlag an die estnische Kommivabrik OÜ. Es sei der Anbieter, der das vorteilhafteste Angebot eingereicht habe, betont Armasuisse.
Brisant: Offenbar war die Herstellerfirma in Estland selbst massiv in die Kritik geraten und von der Armee vor drei Jahren hinausgeschossen worden. Dies berichtet Inside Paradeplatz. Die Gerichte seien qualitativ schlecht gewesen. Lieferfristen seien nicht eingehalten worden, Öl sei ausgelaufen, die Kalorienzahl stimmte nicht und den Soldaten passten die Konserven auch nicht. Die Firma passte die Gerichte danach an.
Armee: Beste Qualität zu bestem Preis
Unter Berücksichtigung der im Vorfeld festgelegten Kriterien und deren Gewichtung habe die Firma aus dem Baltikum sowohl bei den qualitativen Kriterien wie auch beim Preis die höchste Punktzahl erreicht, begründet Armasuisse auf der offiziellen Schweizer Plattform für öffentliche Beschaffungen Simap.
Die Feldgerichte sollen Armeeangehörige im Einsatz mit nötigen Kohlenhydraten, Proteinen oder Fetten versorgen. Sie bestehen aus gefriergetrockneten Komponenten und werden mit heissem oder kaltem Wasser zubereitet. Mit einer Haltbarkeit von acht Jahren würden die Feldgerichte zudem zur Versorgungssicherheit der Schweizer Armee für schwerwiegende Mangellagen beitragen.
In der Blick-Community hatte der Apfelmus-Streit hitzige Diskussionen ausgelöst. Viele Leserinnen und Leser kritisieren, dass die Armee nicht stärker auf Schweizer Produkte setzt: «So wird unsere heimische Obstwirtschaft untergraben!» Andere sehen den Import weniger kritisch. Sie argumentieren, dass am Ende vor allem Preis und Qualität entscheidend seien. «Ist doch egal, woher das Apfelmus kommt. Hauptsache, es schmeckt.»