Blick zeigt absurde Fälle
Diese Formulare von Ämtern machen uns wahnsinnig

Kugelschreiber und Schreibmaschinen, Passfotos zum Aufkleben, Anträge zum Ausdrucken: Der Staat will digitaler werden. Doch auf manchen Ämtern regiert noch immer die Papierzeit. Blick präsentiert kuriose Relikte aus Schweizer Amtsstuben.
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Trotz Digitalisierung verlangen manche Behörden noch Papierformulare, mit allem Drum und Dran.
Foto: Sven Altermatt

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Viele Behörden setzen weiterhin auf Papierformulare trotz Versprechen zur Digitalisierung
  • Manche Anträge erfordern Schreibmaschinen oder handschriftliche Blockschrift
  • Häufig sind Prozesse nur zum Teil digitalisiert, Papiere müssen per Post verschickt werden
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Schluss mit dem Papierkrieg! Es ist ein Versprechen, das landauf, landab gemacht wird. Der Staat soll digitaler werden. Ziel ist, dass Private und Firmen ihre Behördengänge möglichst ganz online erledigen können.

Zwar haben die Verwaltungen zweifellos Fortschritte gemacht. Und auch die E-ID steht in den Startlöchern. Doch wer die Behördenformulare von Bund, Kantonen oder Gemeinden durchforstet, landet mancherorts tief in der Papierzeit. Blick ist auf erstaunliche Relikte gestossen.

Da wird auf Formularen noch immer Blockschrift verlangt, bevorzugt mit Kugelschreiber auszufüllen. Da ist die Rede von Schreibmaschinen oder anderen «mechanographischen Verfahren». Da müssen Dokumente ausgedruckt, unterschrieben und per Post verschickt werden. Das Passfoto? Bitte im richtigen Format aufkleben. Und ja nicht das Deckblatt fürs Fenstercouvert oder den frankierten Rückumschlag vergessen. 

Bei Amtsstuben gilt gerne noch das Credo: Bitte von Hand ausfüllen!
Foto: Shutterstock

Glück hat, wer auf eine voll digitale Dienstleistung zählen kann: Formular am Bildschirm ausfüllen, elektronisch unterschreiben, online abschicken. Oft endet die Sache aber beim Download. Die Dokumente stehen zwar als PDF bereit, müssen dann aber auf Papier eingeschickt werden. Ein Streifzug durch die Zettelwirtschaft.

Nichts geht über Papier

Zum Auftakt geht es in die Stadt Zürich. Wer hier ein «Gesuch für ein Patent zur Führung eines Klein- und Mittelverkaufsbetriebes» einreichen will, muss das Formular «bitte in Blockschrift vollständig ausfüllen». Immerhin: Das PDF verfügt über ausfüllbare Felder (allerdings nur für Reader-Programme). 

Formular der Stadtpolizei Zürich.
Foto: Sven Altermatt

Danach ist Schluss mit digital. Die Stadt erklärt: «Aus rechtlichen Gründen benötigen wir einen unterzeichneten Antrag auf Papier.» Deshalb müssen die Unterlagen ausgedruckt und per Post eingereicht werden. Verwendet werden muss das «Deckblatt für die Rücksendung in Fenstercouvert».

Die gute alte Schreibmaschine

Klick, klick, erledigt? Auch in kleineren Gemeinden ist das manchmal noch recht kompliziert. So steht auf dem Formular für eine Parkkarte in Subingen SO: «Bitte mit Schreibmaschine oder in Blockschrift ausfüllen.» Hier enthält das PDF nicht einmal ausfüllbare Felder. 

Formular der Gemeinde Subingen SO.
Foto: Sven Altermatt

Abgefertigt wie anno dazumal

Kurios ist das «Formular 11.87» des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit. Für die Zollanmeldung bei einer temporären Verwendung heisst es: Das Dokument sei «mit Schreibmaschine, einem mechanographischen oder ähnlichen Verfahren bzw. mit Kugelschreiber (Druckbuchstaben)» auszufüllen. 

Eher überraschend: Das Formular wurde gemäss offiziellen Angaben erst vor vier Jahren neu aufgelegt. 

Passfoto? Bitte aufkleben!

Im Kanton Aargau müssen angehende Gastwirte für die Anmeldung zur Wirtefachprüfung Blockschrift verwenden – natürlich. Das PDF enthält keine ausfüllbaren Felder. Zudem verlangt das Formular: «Aktuelles Passfoto bitte hier aufkleben.» Die Grösse des Felds ist vorgegeben. Anschliessend muss das Ganze per Post (im Original dick unterstrichen) abgeschickt werden. 

Formular der Wirteprüfungskommission des Kantons Aargau.
Foto: Sven Altermatt

Formular-Parcours zum Lernfahrausweis

Den Lernfahrausweis beantragen? Das gehört für viele junge Leute einfach dazu. Im Kanton Zürich liest sich die Anleitung fürs Gesuch wie eine Mischung aus zwei Welten: Formular herunterladen und auf dem Computer speichern, mit einem PDF-Reader («zum Beispiel Adobe Acrobat») öffnen, «am Computer ausfüllen», über den roten «Drucken»-Button ausdrucken und unterschreiben. 

Formular des Strassenverkehrsamts des Kantons Zürich.
Foto: Sven Altermatt

Wer das Gesuch erstmals einreicht, muss danach bei der Gemeinde oder beim Strassenverkehrsamt vorbeigehen und seine Identität bestätigen. Wer schon mal einen Ausweis hatte, kann das Gesuch per Post einreichen. Das erforderliche Passfoto wird – je nach Einreichungsort – entweder per SMS-Link hochgeladen oder auf das Gesuch geklebt.

Ab ins Kopiergerät damit

Im aktuellen Anmeldeformular für die Herbstferien-Betreuung der Stadt Winterthur ZH steckt ordentlich Papier-Power. Das statische Dokument darf nach dem Ausdrucken und Unterschreiben immerhin eingescannt und als PDF eingereicht werden. 

Für Familien findet sich auf dem Formular der fast schon nostalgische Hinweis: «Bei mehreren Kindern Formular kopieren.»

Im Retro-Modus

Die Solothurner Motorfahrzeugkontrolle fährt im Retro-Modus. Im Gesuch um einen Kollektiv-Fahrzeugausweis – das sind primär Wechselschilder für Garagenbetriebe – steht gleich zu Beginn: «Bitte mit Schreibmaschine oder in Blockschrift ausfüllen.» Ein Trost: Hier lässt sich das PDF am Computer ausfüllen. 

Formular der Motorfahrzeugkontrolle des Kantons Solothurn.
Foto: Sven Altermatt

Unbedingt ein Couvert beilegen

Die Gemeinde Köniz BE setzt auf Bewährtes. Im «Gesuch um Bewilligung eines Grabmals» gilt der Blockschrift-Befehl. Und wer das Formular einreicht, soll gleich noch «ein adressiertes und frankiertes Rückantwortcouvert» beilegen.

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