Darum gehts
- Chefärzte in öffentlichen Spitälern können bis zu 1 Million Franken jährlich verdienen
- In Basel verdienen die obersten Ärzte 850'000 Franken im Jahr
- Politiker fordern mehr Transparenz und fairere Löhne im Gesundheitswesen
Das Schweizer Gesundheitssystem steht unter Druck: Die Bevölkerung ächzt unter stetig steigenden Krankenkassenprämien, und gleichzeitig schreiben die Spitäler rote Zahlen. Trotzdem kassieren die Chefärzte, auch an öffentlichen Spitälern, stolze Löhne – und treiben die Gesundheitskosten weiter in die Höhe.
Wie viel die Kadermediziner tatsächlich verdienen, bleibt aber oft im Dunkeln. Blick hat bei knapp 20 öffentlichen Spitälern im ganzen Land nachgefragt – und stiess dabei auf erheblichen Widerstand. Viele Institutionen rückten die Informationen zu den Cheflöhnen nur widerwillig heraus. Einige machten auch auf wiederholte Nachfrage keinerlei Angaben.
Dennoch lässt sich nach der Recherche ein Bild zeichnen. Die Auswertung zeigt: Viele Chefärzte verdienen Hunderttausende Franken pro Jahr. Dabei übersteigt ihr Salär nicht selten jenes einer Bundesrätin (478'166 Franken)!
Diese Chefärzte sahnen richtig ab
Besonders gut verdienen die Mediziner im Kanton Zürich. Sowohl das Universitätsspital Zürich als auch das Kantonsspital Winterthur haben per Gesetz einen Lohndeckel von 1 Million Franken. Wie hoch die tatsächlich ausbezahlten Löhne sind, behalten die beiden Spitäler jedoch unter Verschluss. Das Universitätsspital Zürich weist lediglich darauf hin, dass die Löhne je nach Fachrichtung stark variieren würden.
Offener kommuniziert das Universitätsspital Basel. Dort erhält «weniger als eine Handvoll Chefärzte» einen Jahreslohn von rund 850'000 Franken, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt. Die Löhne der Topmediziner der öffentlichen Spitäler könnten in Basel-Stadt künftig vom Kanton publiziert werden. Ein entsprechender SP-Vorstoss wurde vom Parlament gutgeheissen und liegt nun bei der Kantonsregierung.
Eine Offenlegungspflicht für Chefarztlöhne gibt es derzeit nur im Kanton Bern. Die letzte Erhebung zeigt: Im Jahr 2024 verdienten die beiden bestverdienenden Ärzte der Berner Listenspitäler mehr als 700'000 Franken. Weitere 15 Personen bekamen zwischen 600'000 und 700'000 Franken pro Jahr.
In einigen Spitälern sind die Löhne der Ärzteschaft auch im Geschäftsbericht aufgeführt. Aus dem entsprechenden Papier des Kantonsspitals Aarau geht hervor, dass 2024 neun Personen zwischen 600'000 und 700'000 Franken verdienten.
Auch im Report der Solothurner Spitäler finden sich interessante Angaben: Im Jahr 2024 erhielt dort eine Person mehr als 600'000 Franken. Im Kantonsspital Freiburg verdienten im vergangenen Jahr sieben Personen zwischen 500'000 und 600'000 Franken, so eine Sprecherin.
Oberste Ärztin: «Das ist unhaltbar!»
Damit ist klar: Während im Gesundheitswesen an allen Ecken gespart wird, leben einige Chefärzte in Saus und Braus. Yvonne Gilli (69), Präsidentin der Vereinigung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), findet dazu deutliche Worte: «Wenn Ärzte in öffentlichen Spitälern Millionengehälter zulasten der Sozialversicherung kassieren, ist das unhaltbar!» Die oberste Ärztin stört sich daran, dass «eine kleine Minderheit damit einen Reputationsschaden für die gesamte Branche» anrichte.
Auch der Gesundheitswissenschaftler Armin Gemperli (53) von der Universität Luzern verurteilt die Lohnexzesse. «Weder eine hoch qualifizierte Ausbildung noch eine grosse Verantwortung rechtfertigen solche horrenden Löhne», sagt er. Laut Gemperli müssten die Kantone die Subventionierung der Spitäler beenden. «Dadurch könnte der Druck steigen, die Kaderlöhne zu drosseln.»
Kritik kommt auch aus der Politik. SP-Nationalrätin Sarah Wyss (37) sagt: «Es ist nicht nachvollziehbar, dass einzelne Personen derart viel verdienen.» Die Baslerin fordert eine fairere Verteilung der Löhne innerhalb der Spitäler – «sodass auch die Pflegenden gerechter entschädigt werden». Zudem verlangt sie mehr Transparenz bei den Ärztesalären.
Bürgerliche verteidigen Spitzenlöhne
Rückendeckung erhalten die Kaderärzte von bürgerlicher Seite. FDP-Ständerat Damian Müller (41) sagt: «Ich wehre mich gegen ein pauschales Ärzte-Bashing.» Ärzte trügen eine grosse Verantwortung und erbrächten Spitzenleistungen. Zudem meint er: «Die Spitäler sollten ihre unternehmerische Freiheit behalten – verbunden mit mehr Transparenz gegenüber den Prämienzahlenden.»
Auch SVP-Ständerat Hannes Germann (69) stellt sich hinter die Kaderärzte. «Die Spitäler sind in der Verantwortung, die Löhne der Chefmediziner angemessen festzusetzen», sagt er. Mehr stören den Schaffhauser die hohen Löhne der Krankenkassen-CEOs. «Die Ärzte erbringen wenigstens einen medizinischen Mehrwert.»