Darum gehts
- Schweizweit herrscht Trockenheitswarnung, besonders betroffen: Alpennordseite, Wallis, Ostschweiz
- Aargau, Wallis, Basel-Land: Wasserentnahmen und Bewässerung teils streng verboten
- Seit 19. Juni: Kanton Freiburg verbietet Wasserentnahme aus den meisten Oberflächengewässern
Wer aktuell auf die Warnkarte des Bundes zur Trockenheit im Land schaut, dem dürfte mulmig werden: In allen Kantonen gilt eine Warnung, der Grossteil ist rot. Bedeutet: grosse Gefahr. Einzig im Tessin und im südlichen Bündnerland gilt die Warnstufe 2, also mässige Gefahr.
Wo gelten bereits Einschränkungen? Blick liefert dir die grosse Kantonsübersicht.
Aargau
Bauern und andere Personen dürfen aus vielen kleineren Gewässern im Aargau kein Wasser mehr abpumpen, berichtet SRF. Ein kantonsweites Wasser-Spargebot gibt es allerdings noch nicht.
Die Gemeinde Boniswil am Hallwilersee hat bereits im Juni ein Bewässerungsverbot erlassen. Trinkwasser darf nicht mehr für die Bewässerung von Rasenflächen verwendet werden. Automatische Rasensprenger sollen abgeschaltet bleiben. Schwimmbecken dürfen nicht mehr aufgefüllt werden. Die private Autowäsche ist aktuell ebenfalls untersagt. Gleiches gilt für das Abspritzen von Plätzen.
Gemüse- und Ziergärten dürfen nur noch gezielt bewässert werden. Das Verbot gilt bis zum Widerruf durch den Gemeinderat.
Die Gemeinde Egliswil hat einen Aufruf zum Wassersparen veröffentlicht. Der Gemeinderat empfiehlt, auf das Bewässern von Rasen und Hecken zu verzichten. Pools und Planschbecken sollen nicht befüllt, Autos und Vorplätze nicht mehr gewaschen werden. Kurios: Die Bevölkerung wird zudem dazu angehalten, kürzer zu duschen. Regenwasser soll, wo immer möglich, genutzt werden.
Auch in Safenwil wird das Wasser knapp. Die Aargauer Gemeinde ruft ebenfalls seit längerem zum Wassersparen auf. Der Grundwaserspiegel sinkt pro Woche rund 10 cm. Wird dies zu wenig befolgt, gibt es weitere Massnahmen, z.B. wird die Leitung zeilenweise zugedreht.
Seit dem 11. Juni ruft auch die Gemeinde Merenschwand zum Wassersparen auf. Es gelten ähnliche Massnahmen wie in Boniswil und Egliswil.
Basel-Stadt
Im Kanton Basel-Stadt gilt die Trinkwasserversorgung als gesichert. Es sind keine Einschränkungen bekannt.
Basel-Landschaft
Im Kanton Basel-Landschaft gelten kantonsweite Massnahmen wegen der anhaltenden Trockenheit. So gilt ein generelles Wasserentnahmeverbot aus öffentlichen Gewässern für den Gemeingebrauch. Für die Ergolz und ihre Zuflüsse gilt ein vollständiges Wasserentnahmeverbot, auch für zuvor bewilligte Entnahmen. Die Wasserversorger rufen zudem teilweise zum freiwilligen Wassersparen auf.
Bern
Bei den Bernern gelten vor allem Einschränkungen bei der Wasserentnahme aus Oberflächengewässern. Das Amt für Wasser und Abfall (AWA) sperrt bei Trockenheit laufend einzelne Bäche und Flüsse für Wasserentnahmen, um die vorgeschriebenen Restwassermengen zum Schutz der Gewässer einzuhalten. Welche Gewässer betroffen sind, wird laufend auf einer kantonalen Karte aktualisiert.
In Langenthal rufen die Industriellen Betriebe Langenthal (IBL) zum freiwilligen Wassersparen auf. Auch die Gemeinde Lyss appelliert an die Bevölkerung, Trinkwasser sparsam zu nutzen. Die Gemeindebetriebe Muri riefen bereits Ende Juni zum sorgsamen Umgang mit Wasser.
Freiburg
Der Kanton Freiburg setzt auf kantonsweite Einschränkungen bei der Wasserentnahme aus Oberflächengewässern. Seit dem 19. Juni ist das Abpumpen von Wasser aus den meisten Bächen und Flüssen vorübergehend verboten. Das berichtet «La Liberté». Mehrere grössere Gewässer sind davon allerdings ausgenommen, etwa die Saane und der Murtensee.
Weiterhin sind keine Freiburger Gemeinden bekannt, die über die kantonalen Vorgaben hinaus eigene Trinkwasser-Sparappelle oder Verbote erlassen haben. Die Massnahmen werden auf kantonaler Ebene koordiniert.
Graubünden
Die Trinkwasserversorgung im Kanton Graubünden ist stabil. Gemäss der nationalen Trockenheitsplattform bestehen zwar auch in Teilen Graubündens erhebliche bis grosse Niederschlagsdefizite, sie sind jedoch weniger ausgeprägt als in weiten Teilen der Alpennordseite oder des Wallis.
Ostschweiz
Die Wasser-Lage in der Ostschweiz ist vor allem in den Kantonen St. Gallen und Thurgau angespannt. Die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern wurde in beiden Regionen eingeschränkt. In den weiteren Ostschweizer Kantonen gelten keine Verbote oder dergleichen.
Tessin
Im Gegensatz zu vielen Kantonen nördlich der Alpen ist die Trockenheit auf der Alpensüdseite derzeit weniger ausgeprägt. Trotzdem ist die Situation auch im Süden angespannt. Die Gemeinde Coldrerio TI verbietet Trinkwasser für nicht-häusliche Zwecke. Die Gemeinde teilte mit, dass «die anhaltende Hitzewelle der letzten Wochen zu einem starken Anstieg des Verbrauchs geführt hat, der weit über dem saisonalen Durchschnitt liegt». Es sei eine «kritische Situation» und man wolle eine Wasserkrise vermeiden. Das Befüllen von Pools jeglicher Art sowie das Abspritzen von Fahrzeugen, Gärten, Aussenflächen und anderen Gegenständen ist verboten. Das Bewässern von Rasenflächen, Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten ist nur nach einem festgelegten Zeitplan erlaubt: Montag, Mittwoch und Freitag für Häuser mit geraden Hausnummern – Dienstag, Donnerstag und Samstag für Häuser mit ungeraden Hausnummern.
Wallis
Im Wallis unterscheidet sich die Situation stark von Gemeinde zu Gemeinde. Daher überlässt der Kanton die konkreten Einschränkungen weitgehend den Gemeinden. Gerade im Oberwallis haben mehrere Gemeinden bereits konkrete Massnahmen ergriffen. Goms VS ruft die Bevölkerung beispielsweise zum Wassersparen auf. Dennoch ist der Kanton vorbereitet. Vielerorts gilt ein strikter Plan wie auch Crans-Montana. Bewässerung ist nur knapp alle zwei Tage erlaubt, jede Strasse erhält bestimmte Wochentage zugeteilt, wo diese dann erlaubt ist.
Westschweiz
In den Kantonen Waadt, Genf, Neuenburg und Jura wird die Lage beobachtet. Mehr aber auch nicht.
Zentralschweiz
Keiner der sechs Kantone in der Zentralschweiz hat ein generelles Trinkwasser-Spargebot erlassen.
Zürich
Der Kanton Zürich hat derzeit keine kantonalen Wassersparmassnahmen oder Trinkwasserverbote erlassen. Die Behörden betonen generell, dass die Trinkwasserversorgung dank Zürichsee, Grundwasser und der guten Vernetzung der Wasserversorgungen gesichert ist. Trotzdem wird die Bevölkerung aufgefordert, verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen.
Die Gemeinde Pfungen muss Berichten zufolge wegen der tiefen Quellwasserzuflüsse zusätzliches Trinkwasser zukaufen. In der Gemeinde Dinhard soll lieber geduscht statt gebadet werden. Bei Waschmaschine und Geschirrspüler soll die Bevölkerung das Sparprogramm auswählen.
Ausserdem soll beim Abspülen von Geschirr und Obst Wasser gespart werden. «Geschirr sollte am besten im Becken und Salat, Obst und Kartoffeln in einer Schüssel gewaschen werden», heisst es dazu auf der Gemeindewebseite. Der Appell richtet sich explizit auch an Landwirte. Sämtliche Dorfbrunnen wurden ferner ausser Betrieb genommen.