Darum gehts
Eine Leiche im Feld. Ohne Kopf, ohne Hände und ohne Füsse. Ein rätselhafter Fall beschäftigt zurzeit das Dörfchen Büren SO. Streift ein brutaler Mörder in der Gegend umher? Vielleicht waren es aber auch Wildschweine, die die arme Person zerfleischt und zerstückelt haben.
Ein Mitarbeiter eines Bauernbetriebs machte am Samstag den Horror-Fund im Rapsfeld etwas ausserhalb von Büren. Die Frage, die nun alle Bewohner des Dorfes beschäftigt: Wer ist diese Person, von der nur noch der Torso übriggeblieben ist?
Der Bauer, dem das Feld gehört und dessen Arbeiter die Leiche fand, gibt sich zurückhaltend: «Der Anblick war für meinen Angestellten nicht leicht.» Eine Theorie, die im Dorf kursiert: Haben Tiere dem Leichnam zugesetzt?
Hinweise sprechen gegen ein Verbrechen
Im Dorf wird eine Frau seit über zwei Monaten vermisst. Sie war bei ihrem Verschwinden 71 Jahre alt, lebte mal in Büren, wohnte zuletzt im Kanton Basel-Landschaft und ist alleinstehend – ihre Wohnung wird derzeit geräumt, wie ein Blick vor Ort zeigt.
Ihr einziger Angehöriger ist ihr Onkel (91), der in Büren wohnt. Auch er befürchtet: Der Torso könnte seiner vermissten Nichte gehören. Er habe auf den Polizeiposten angerufen, doch dort habe man ihm nichts gesagt. «Es ist für uns alle ein Rätsel. Ich weiss leider auch nicht mehr», sagt der Rentner sichtlich mitgenommen. Aber bei etwas ist sich der Onkel, der auch Götti der Vermissten ist, fast sicher: «Sie hätte sich nie selber etwas angetan.»
Ex-Kriminalkommissar erklärt
Der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl (74) schätzt den Fall für Blick ein. Wie kann die Polizei ein Verbrechen ausschliessen, wenn nur ein Torso gefunden wurde? «Es gibt vermutlich so viele Hinweise, die nicht für ein Verbrechen sprechen. Die Solothurner Staatsanwaltschaft muss sich sicher sein, wenn sie nicht von Fremdeinwirkung spricht.» Melzl nennt es eine sogenannte «Plausibilitätsermittlung». Heisst: Hinweise auf ihrem Handy, auf ihr Bewegungsprofil, auf ihre Gesundheitsakte oder aus ihrem Umfeld würden dann «plausibel erklären, dass es vermutlich eben kein Verbrechen ist». Fazit: «Es könnte gut sein, dass die Person nach ihrem Tod von Tieren angefressen wurde».
Die Solothurner Staatsanwaltschaft sagt auf Anfrage von Blick, dass die entsprechenden Untersuchungen zum Fall im Gange seien. Weitere Details gibt es nicht. Fakt ist aber: Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einem Verbrechen aus.
Auch wenn die Vermisste nicht mehr in Büren, sondern im Kanton Basel-Landschaft gewohnt hat, gab es immer noch eine Verbindung zu Büren. «Sie kam regelmässig hier zur Kirche oder bei mir vorbei», sagt ihr Onkel. Er hofft nun, dass er von der Polizei irgendwann Bescheid bekommt, ob seine Nichte die Tote vom Feld ist – oder doch eine andere Person ihr Leben lassen musste.