Darum gehts
- Hitzewelle 2026 sorgt für Blaualgen in der Limmat, Zürich betroffen
- Experten: Phänomen erstmals sichtbar, gefährlich für Tiere und Kinder
- Wasserstand des Zürichsees: Rekordtief, Flüsse wie die Töss sind seit Tagen trocken
Schweizerinnen und Schweizer leiden unter der vierten Hitzewelle des Jahres. Temperaturen weit über 30 Grad stecken viele nicht einfach so weg. Der Hitze-Sommer 2026 bringt aber auch Schweizer Gewässer an den Anschlag. So ist der Wasserpegel des Zürichsees so tief wie noch nie. Flüsse wie die Töss vor den Toren Winterthurs sind seit Tagen trocken.
Jetzt hinterlässt die Hitzewelle auch in Zürich ihre Spuren – ausgerechnet in der Limmat, in der täglich Abertausende hitzegeplagte Zürcherinnen und Zürcher kurz Abkühlung suchen. Im beliebten Flussbad Oberer Letten treiben derzeit schleimige Beläge auf der Wasseroberfläche, an den Einstiegen hängen dichte Algen. Der Grund: Die anhaltende Sonne, hohe Wassertemperaturen und der tiefe Wasserstand lassen sogenannte Blaualgen gedeihen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
Schleimige «Krötenhäute» treiben auf Wasser
Die kantonale Baudirektion bestätigt das Phänomen. In den vergangenen Tagen seien im Oberen Letten Blaualgen in Form sogenannter «Krötenhäute» festgestellt worden. So werden die schleimigen Teppiche bezeichnet, die an der Wasseroberfläche treiben. Normalerweise wachsen die Blaualgen am Grund von Fliessgewässern und bleiben für Badegäste kaum sichtbar. Der Name «Blaualgen» ist irreführend. Es handelt sich nämlich nicht um Algen, sondern um Cyanobakterien.
Dass sie nun an der Oberfläche auftauchen, ist selbst für Experten aussergewöhnlich. «In meinen 35 Jahren Forschung habe ich das in der Limmat noch nie erlebt», sagt Thomas Posch, Professor am Limnologischen Institut der Universität Zürich, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Das ungewöhnliche Wetter habe das Wachstum jedoch stark begünstigt. Weil der Wasserstand tief ist, gelangt besonders viel Sonnenlicht bis auf den Grund. Dadurch wachsen die Blaualgen stärker und werden schliesslich an die Oberfläche gespült.
Für Tiere sogar tödlich
Vorsicht ist vor allem bei Hunden und kleinen Kindern geboten. Einzelne Arten der Blaualgen – wissenschaftlich handelt es sich um Cyanobakterien – können giftige Stoffe bilden. Sie führen zu Hautreizungen, Erbrechen oder Atembeschwerden, wie das ETH-Wasserforschungsinstitut Eawag schreibt. Besonders für Tiere kann das Verschlucken bereits kleiner Mengen gefährlich, im schlimmsten Fall sogar tödlich sein.
Für Badende gibt es aber trotzdem keinen Grund zur Panik. Der Badebetrieb bleibt geöffnet, die Wasserqualität gilt weiterhin als einwandfrei. Das Zürcher Sportamt hat jedoch Hinweistafeln aufgestellt und empfiehlt, Algenansammlungen zu meiden, nur in klarem Wasser zu schwimmen, kein Wasser zu schlucken und nach dem Baden gründlich zu duschen. Bleibt die Hitze anhalten, dürften die schleimigen «Krötenhäute» den Zürcherinnen und Zürchern den Sprung in die Limmat wohl noch eine Weile vermiesen.
Mitte Juni warnten bereits die Tessiner Behörden vor Blaualgen im Lago Maggiore bei Muralto. Mehrere Kantone haben, ebenfalls Mitte Juni, allgemeine Warnungen herausgegeben, etwa der Kanton Solothurn und der Kanton Basel-Landschaft.