Darum gehts
- Streckensperrung Stettbach–Effretikon ZH wegen Brand und Fahrleitungsstörung
- Betroffene Linien: S3, S8, S11, S12, S15, S19
- Einschränkungen bis mindestens 17 Uhr laut SBB
Am Donnerstagnachmittag war der Bahnverkehr auf der Strecke Stettbach – Effretikon ZH zwischen Dietlikon ZH und Effretikon ZH eingeschränkt. Grund dafür waren ein Brand in Gleisnähe und eine Fahrleitungsstörung, wie die SBB auf ihrer Webseite schrieben.
Ein Lösch- und Rettungszug wurde aus Richtung Effretikon aufgeboten. Ein Zug der S8 war in der Region Dietlikon blockiert, hiess es weiter. Die S8 stand zwischen Dietlikon ZH und der Region Hürlistein.
Der Brand konnte gegen 15.34 Uhr gelöscht werden. Techniker kontrollierten zu diesem Zeitpunkt die Fahrleitung. Rettungskräfte trafen bei der blockierten S8 ein. Die Passagiere wurden betreut, die Türen geöffnet. Zunächst war unklar, wie viel Zeit die Reparatur der Fahrleitung in Anspruch nehmen würde.
Gegen 17 Uhr begann die Evakuation der S8-Passagiere. Dafür wurde die Strecke Dietlikon - Hürlistein Nähe Effretikon für 10 bis 15 Minuten unterbrochen. Zeitgleich traf ein Evakuationszug ein. Er brachte die Passagiere zum Bahnhof Effretikon. Anschliessend war die Strecke wieder beschränkt befahrbar.
Mehrere S-Bahnlinien betroffen
Von den Einschränkungen betroffen waren die Linien S3, S8, S11, S12, S15 und S19. Pendler mussten mit Verspätungen, Ausfällen und Umleitungen klar kommen.
Ein Leserreporter meldete gegen 17 Uhr vom Bahnhof Wallisellen ZH: «Wegen der Fahrleitungsstörung geht gar nichts mehr. S19 und S8 sind in beide Richtungen ausgefallen.» Vor Ort gebe es kein SBB-Personal, dass die in der Hitze verzweifelnden Pendler unterstütze.
Klimaanlage in blockierter S8 funktionierte nicht
Dora Szalai (45) aus Amriswil TG sass in der blockierten S8. Was sie Blick am Telefon erzählt, tönt dramatisch. «Es war mega heiss im Zug, wir waren ohne Strom in der Hitze eingesperrt. Die Klimaanlage ging nicht. Ein älterer Herr wäre fast in Ohnmacht gefallen.» Manche Insassen seien zudem kurzzeitig ungeduldig oder panisch geworden. Szalai will sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn sie noch länger in dem Zug hätten ausharren müssen. «Wir hatten auch zwei Babys und eine Schulklasse an Bord.»
Zwischenzeitlich machte auch noch ihr Handyakku schlapp. «Zum Glück hatte jemand Anderes eine Powerbank dabei.»
Auch sonst herrschte grosse Solidarität unter den Betroffenen. «Ein Bub aus der Schulklasse ging mit seiner Wasserflasche herum, sodass jeder etwas trinken konnte.»
«Wollte schwimmen gehen, stattdessen gab es eine Gratis-Sauna»
Die Lokführerin habe alles versucht, um es den Passagieren so angenehm wie möglich zu machen. «Sie öffnete die Türen, sodass wir zumindest frische Luft hatten. Sie war sehr tapfer, hat immer wieder versucht, uns zu beruhigen. Grosses Lob!»
Weiteres Personal gab es im Zug aber nicht. «Wir haben uns verloren gefühlt.» Sie wünscht sich nach dem S-Bahn-Horror mehr Personal in den Zügen. Ausserdem findet sie, dass die SBB bei dieser Hitze schneller hätten reagieren müssen.
Bis der Evakuierungszug da war, verging eine ganze Zeit. «Wir durften nicht raus, eine Person verlor aber die Geduld, sprang durch die geöffnete Tür nach draussen und musste wieder rein.» Über eine Rampe ging es schliesslich in den Evakuierungszug.
Jetzt fährt die Pendlerin, die in Wallisellen ZH arbeitet, von Effretikon aus nach Hause. Die Erfahrung in der S8 fasst sie so zusammen: «Eigentlich wollte ich nach Feierabend noch schwimmen gehen, stattdessen gab es eine Gratis-Sauna.»
Lokführerin «völlig allein gelassen»
Ein weiterer Insasse schildert die brenzlige Situation gegenüber Blick so: «Es ist wirklich beängstigend, wenn man in so einem Zug ist, und es langsam heisser und heisser wird.» Die Situation habe bei mehreren Passagieren Panik ausgelöst. Der Lokführerin sei es aber gelungen, die Personen zu beruhigen. Bis auf dem Mann, der aus der offenen Tür gesprungen sei. Ihm habe der Leserreporter nachgerufen, er solle gefälligst wieder in den Zug kommen.
Dies während die «völlig allein gelassene» Lokführerin die SBB-Zentrale über den Mann auf den Gleisen informierte. Weiter behauptet er, dass das Rettungsteam ohne Wasserflaschen am Zug aufgetaucht sei. Erst am Bahnhof in Effretikon habe es dann «lauwarme Evian-Flaschen» gegeben.
«Hilfsbereitschaft war sehr berührend»
Ein dritter Passagier hatte lobende Worte für die Kleinen an Bord übrig: «Die eigentlichen Helden dieses Tages waren für mich die Kinder. Es war beeindruckend zu sehen, wie selbstverständlich sie sich um ältere Mitreisende kümmerten, mit Zeitungen Luft zufächelten und ihr eigenes Wasser mit anderen teilten. Diese Hilfsbereitschaft war sehr berührend und zeigt, wie viel Mitgefühl in schwierigen Situationen entstehen kann.»
Er hofft, dass die SBB den Vorfall sorgfältig aufarbeitet. «Solche Ereignisse lassen sich nicht immer verhindern – aber Kommunikation, Betreuung und die Versorgung der Fahrgäste können und sollten in Zukunft besser funktionieren.»
Gegen 18.30 Uhr war das S-Bahn-Chaos behoben. Die S-Bahnen verkehrten grösstenteils wieder normal.