Darum gehts
Die beiden Erinnerungen an vergleichbare Situationen wie jene vom Donnerstag sind aus zwei Gründen denkbar schlecht:
Erstens: Als Sion letztmals europäisch war, schied man nach einer Nichtleistung in Litauen (0:3) gegen das fünftklassige Suduva Marijampole sang- und klanglos aus. Denn zu Hause gabs auch bloss ein 1:1. Trainer Paolo Tramezzani reagierte vehement: «Einige Spieler, deren Namen ich nicht nennen werde, werden unter mir nicht mehr auflaufen.»
Im Geisterspiel in Baku vergass Sion das Toreschiessen
Captain Ali Kabacalman versprach indes vor den Spielen gegen Bate Borissow, mit der nötigen Ernsthaftigkeit in diese zu steigen. Am Mittwoch tat dies auch Goalie Anthony Racioppi: «Wir werden alles machen, damit unser europäischer Traum in Erfüllung geht.» Seriös war Sion bereits im Hinspiel im aserbaidschanischen Exil. Man spielte die Weissrussen an die Wand, vergass aber, die nötigen Tore zu schiessen.
So gabs ein resultatmässig enttäuschendes 1:1. «Wir hätten vier, fünf Tore machen müssen», so Sportchef Barthélémy Constantin. Trainer Didier Tholot weiss, warum das nicht geklappt hat: «Wir hatten keine Ahnung, was uns in Baku erwarten würde. Am Ende waren es wie in der Covid-Zeit leere Ränge. Dieser Switch war mental nicht einfach.»
Tholot erwartet seine Spieler in höheren Sphären
Zweitens: Letzte Saison «durfte» der FC Sion fast in allen Meisterschaftsspielen. Er «musste» nie. Diese Unbeschwertheit mündete im sensationellen Hinter-sich-Lassen von Basel und YB und Platz vier. In einem einzigen Spiel hingegen «musste» der FC Sion, stand echt unter Druck. Das war im Cup-Viertelfinal bei GC, als man klarer Favorit war und nach 72 Minuten auch 2:0 führte.
Doch weil man nicht 4:0 führte, blieb GC dran – und Sions zuvor gezeigte Souveränität kippte um in Nonchalance und Arroganz. Und ins komplett unnötige Out. Tholot lässt diesen Vergleich nicht zu und sagt blumig: «Wir spielen zu Hause, das verleiht dem Ganzen eine andere Dimension, welche die Spieler in höhere Sphären steigen lässt.»
Bate schlug einst die Bayern und ist nun die Nummer 308 Europas
Und nun kommt also dieses schwache Bate ins Tourbillon, wo Sion seit 14 Spielen und dem 25. Oktober 2025 ungeschlagen ist. Schwer vorstellbar, dass diese Serie ausgerechnet gegen Borissow reisst, die Nummer 308 des Uefa-Rankings. Jene Weissrussen, die zwischen 2008 und 2016 fünfmal die Champions-League-Gruppenphase erreicht und dabei gar Bayern München geschlagen haben und auf Rang 55 des Uefa-Rankings kletterten. Doch in den letzten fünf Jahren erfolgte ein beispielloser Absturz. Mittlerweile ist man bloss noch die Nummer 308, liegt in der heimischen Liga auf Platz 15 von 16 und hat von den letzten 16 Spielen nur eines gewonnen, im Cup gegen einen Unterklassigen.
Gewinnt Sion, gehts gegen Zimbru Chisinau aus Moldau oder den FC Noah aus Jerewan in Armenien. Die Chance auf das Erreichen der Playoffs wäre also gross. Erst dann wirds knifflig mit möglichen Gegnern wie Atalanta, Freiburg, Monaco, Brighton oder Getafe.
