Die Schlüsselszene
Wenn du sie vorne nicht machst... Die wohl berühmteste aller Fussballerfloskeln gilt am Samstagabend für FCL-10ner Lucas Ferreira. Der scheitert kurz nach der Pause nach toller Vorarbeit von Lars Villiger alleine vor dem stark herauseilenden Thun-Goalie Niklas Steffen. Praktisch im Gegenzug kommt auch FCL-Goalie Simon Simoni aus seinem Kasten. Weil er den Ball aber nicht festhalten kann, serviert er den Berner Oberländern die Führung wie ein Oberkellner Salat. Den hat am Ende Luzern-Trainer Jörg «Udo» Portmann, dessen Debüt in die Hose geht.
Das Spiel
Die Thuner B-Elf überrascht! Der Meister schont seine Stammelf fast komplett für das Rückspiel der Champions-League-Quali. Im Vergleich zum Zagreb-Hinspiel vom Dienstag wechselt Thun-Coach Gian-Luca Privitelli acht (!) der zehn Feldspieler aus.
Doch diese uneingespielten und unerfahrenen Thuner sind rotzfrech. Auch vom 0:1 nach 66 Sekunden lassen sie sich nicht beirren. Im Gegenteil. Sie gleichen wenige Minuten später aus und haben danach die besseren Chancen als das Heimteam.
Nach der Pause belohnen sie sich mit dem 2:1 und entscheiden die Partie kurz vor Schluss. So haben sich der FCL und sein neuer Trainer Udo Portmann den Start in die neue Saison nicht vorgestellt.
Und Leonardo Bertone? Der Mann, über den vor dieser Partie so viel gesprochen wurde, bleibt komplett blass. Seine Ex-Kollegen scheinen zu wissen, wie sie ihren Leader und Meister-Helden aus der Vorsaison aus dem Spiel nehmen können.
Die Thuner machen dort weiter, wo sie letzte Saison aufgehört haben, und holen sich vor dem wichtigen Rückspiel in Kroatien eine grosse Portion Selbstvertrauen. Über Bertone spricht im Berner Oberland in diesen Tagen keiner mehr.
Die Tore
2. Minute, Stefan Knezevic, 1:0. Nach einer Luzerner Freistossvariante aus dem Halbfeld prallt der Ball nach dem Luftduell zwischen Lucas Ferreira und Jan Bamert in Richtung des linken Pfostens. Via Lars Villiger und Oscar Kabwit gelangt die Kugel durch den Fünfmeterraum letztlich zu Knezevic, der diese mit dem Oberschenkel über die Linie bugsiert.
8. Minute, Nico Maier, 1:1. Ein Thuner Einwurf in den FCL-Strafraum fliegt vom Hinterkopf von Luzerns Matteo Di Giusto zu Maier, dessen Risiko belohnt wird. Denn Maiers Volley landet via Innenpfosten im Tor des Heimteams. Tyron Owusu kann Maier nicht am erfolgreichen Abschluss hindern.
51. Minute, Marc Gutbub, 1:2. FCL-Goalie Simon Simoni kann nach einer von Maier getretenen Thuner Freistossflanke den am Boden liegenden Ball nicht festhalten – wohl, weil er von Gutbub leicht irritiert wird, der aber noch rechtzeitig den Fuss zurückzieht und somit kein Foul begeht. Nicolas Bürgy schiesst und trifft via Gutbubs Bein. Diesem schreibt die SFL das Tor dann sogar zu.
84. Minute, Nicolas Bürgy, 1:3. Jetzt hat auch Bürgy seinen Treffer in diesem Spiel. Die hohe Freistosshereingabe von Lucien Dähler verwertet Bürgy im Zentrum per Kopf. Zwei Luzerner verpassen Dählers Flanke und Simoni kann den Einschlag auch nicht verhindern, obwohl er mit der rechten Hand noch leicht dran ist.
Die Stimmen
Nico Maier (Thun) gegenüber Blue: «Es war definitiv ein gelungener Abend. Wir sind überglücklich. Es gab viele Wechsel in der Startelf. Wir wollten unsere Mentalität durchsetzen und ich glaube, das haben wir heute gut geschafft. Ich bin noch nicht lange bei Thun, aber das ist das, was die Mannschaft auszeichnet, dass man auch nach Rückschlägen weitermacht und Gas gibt. Darum haben wir verdient gewonnen. Mein Tor werde ich sicher noch ein-, zweimal anschauen heute Abend.»
Leonardo Bertone (FCL) gegenüber Blue: «Wir sind super ins Spiel gekommen, haben direkt Power auf den Platz gebracht, sind nach der ersten Minute in Führung gegangen – und dann kassieren wir drei einfache Gegentore. Wir wussten, Thun ist gut drauf und gut eingestellt. Sie wollten ein hektisches Spiel und nach dem 1:1 haben sie dieses bekommen. Danach konnten wir es etwas beruhigen und standen gut. Da hätten wir vielleicht etwas gezieltere Pässe spielen und so wieder die Power reinbringen müssen. Es wirft uns nicht zurück. Es war das erste Spiel, ein Fehlstart. Aber das Gute ist, man kann es direkt wieder korrigieren. Man hat sich auf das Wiedersehen gefreut, aber ab dem Anpfiff konnte man das ausblenden. Vielleicht hört man sich jetzt nach dem Spiel noch. Ich habe mir das Spiel natürlich anders vorgestellt.»
Der Beste
Nico Maier. Zeigte schon in seinen Jahren beim FC Wil, was für ein feiner Kicker er ist. Technisch anspruchsvoller Treffer zum 1:1. Auch beim zweiten Thuner Tor per Freistoss beteiligt.
Der Schlechteste
Simon Simoni. Erstes Spiel, erster Riesenbock für den Ersatz von Pascal Loretz. Auch bei weiten Bällen mit Luft nach oben, nur die Hälfte kommt an.
Die Fans
11'374 Zuschauerinnen und Zuschauer pilgern in die Thermoplanarena. Und sie machen Werbung in eigener Sache. Die FCL-Kurve singt praktisch 90 Minuten lang durch (und vor dem Spiel den Stadionsong). Und auch die Thuner, die den Gästeblock fast füllen, tragen zur positiven Atmosphäre bei.
Die Schiris
66 Sekunden dauerts, bis der FC Luzern in Führung geht. Gefühlt fast doppelt so lang, bis VAR Michèle Schmölzer entscheidet, dass der Treffer zählt. Geprüft wird unter anderem eine passive Abseitsposition, weil Dorn seinen Gegenspieler ein bisschen behindert. Aber das ist klar nicht signifikant genug, drum alles korrekt entschieden. Zumal auch Torschütze Knezevic hauchdünn nicht im Abseits steht. Warums eine halbe Ewigkeit dauert, bis wieder angepfiffen werden kann, ist trotzdem ein Rätsel.
Das gab zu reden
Das FCL-Debüt von Leonardo Bertone. Statt mit seinem FC Thun international zu spielen, trägt der 32-Jährige blau. Und er erlebt sein blaues Wunder. Mit YB holte er in 14 Spielen gegen die Berner Oberländer 11 Siege und kassierte nur eine Niederlage. Nun gibts gleich im ersten Spiel gegen seine alte Liebe aufs Dach.
So gehts weiter
Am Sonntag in einer Woche ist Luzern im Tourbillon zu Gast und duelliert sich mit Sion. Auf Thun wartet am Dienstag das Rückspiel in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation bei Dinamo Zagreb (1:1 im Hinspiel), danach folgt am Samstag zu Hause das Berner Derby gegen YB.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 1 | 2 | 3 | |
2 | FC Thun | 1 | 2 | 3 | |
3 | FC Lugano | 1 | 1 | 3 | |
3 | FC St. Gallen | 1 | 1 | 3 | |
5 | FC Basel | 1 | 1 | 3 | |
6 | Grasshopper Club Zürich | 1 | 0 | 1 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 1 | 0 | 1 | |
8 | FC Vaduz | 1 | -1 | 0 | |
8 | FC Zürich | 1 | -1 | 0 | |
10 | Servette FC | 1 | -1 | 0 | |
11 | FC Sion | 1 | -2 | 0 | |
12 | FC Luzern | 1 | -2 | 0 |






