Die Schlüsselszene
Knapp eine Stunde ist gespielt, als FCSG-Coach Enrico Maassen einen Dreifachwechsel vornimmt. Hunziker für Baldé, Owusu für Vandermersch und Besio für Stevanovic. Wehte zuvor noch ein laues Lüftchen durchs Sitterstadion, gleicht der Angriff der Ostschweizer nun einem veritablen Sturm. Hatten die Espen in den 60 Minuten zuvor fast keine Abschlussmöglichkeit, gibts plötzlich Chancen im Minutentakt. Und aus einem Rückstand wird ein Sieg.
Das Spiel
Fast zwei Gegentore kassierte der FCZ in der Vorsaison pro Spiel im Schnitt, zum Auftakt in die neue Spielzeit sieht das in der Defensive schon mal einiges solider aus. Das Team von Neo-Coach Marcel Koller gesteht den St. Gallern in der ersten Halbzeit keinen Schuss aufs Tor zu. Vorne sorgt FCZ-Toptorschütze Philippe Kény für die zwei gefährlichsten Abschlüsse der ersten 45 Minuten. Kurz nach der Pause fällt der verdiente Führungstreffer, der am Ende doch wertlos ist.
Der FCSG, der im Vergleich zum Benfica-Sieg am Donnerstag nur einen Wechsel in der Startelf vorgenommen hat, kommt erst nach einer Stunde in Fahrt. Dann aber schnüren die Ostschweizer den FCZ ein und drehen die Partie mit zwei Toren innert vier Minuten.
«Es ist auch nur die Elf, mit der wir starten», sagte FCSG-Coach Enrico Maassen vor dem Spiel bei Blue über seine Startelf. Als hätte er es geahnt, dreht sein Team trotz Europacup-Strapazen mit frischen Kräften gegen Ende auf und dreht die Partie.
Die Tore
50. Minute, Umeh Emmanuel, 0:1. Was für eine Einzelaktion des Nigerianers. Vom linken Flügel dribbelt er mit Tempo in den Strafraum, lässt den zaghaft hingehenden Tom Gaal links liegen und vollendet mit einem satten Abschluss in die linke obere Ecke.
70. Minute, Lukas Görtler, 1:1. Gewiefte Eckball-Variante der St. Galler: Statt der standardmässigen hohen Flanke spielt Lukas Daschner flach in den Rückraum, wo der FCSG-Captain per Direktabnahme zum Ausgleich vollstreckt.
74. Minute, Andrin Hunziker, 2:1. Der Sturm-Neuzugang vom FC Basel sticht als Joker. Görtler zieht eine Flanke von halblinks in Richtung Tor. Hunziker, der kurz nach seiner Einwechslung bereits eine gute Kopfballgelegenheit vergab, gibt dem Ball per Kopf die entscheidende Richtungsänderung mit.
Die Stimmen
Andrin Hunziker (FCSG, gegenüber Blue): «Den ersten hab ich ein bisschen falsch getroffen, den müsste ich schon machen. Aber es ist ein überragendes Gefühl, der Mannschaft etwas zurückgeben zu können.»
«Wenn sie mich hätten halten wollen, wüsste ich das», erklärt er den Abgang beim FC Basel. Er wird auf FCB-Präsident David Degen angesprochen, der sagte, Hunziker hätte den Anspruch gehabt, Stürmer Nummer 1 zu sein und man das nicht habe bieten können. «Das ist Ansichtssache, ich will mich da gar nicht zu sehr äussern. Die Überzeugung hat in allen Belangen gefehlt. Ich hatte noch ein Jahr Vertrag und es ist nichts gekommen vom Verein. Da war es für mich klar, als ein Klub wie St. Gallen kam.»
Lindrit Kamberi (FCZ, gegenüber Blue): «Bis zur 70. Minute hatten wir alles im Griff, zeigten uns von einer sehr guten Seite. Daher ist es umso bitterer, dass wir nichts mitnehmen. Wir haben viele neue Gesichter, müssen als Team noch zusammenwachsen, das braucht Zeit. Und wir müssen auch schlitzohriger werden. Beim ersten St. Galler Tor sieht man das. Ich sehe eigentlich das Zeichen von Daschner bei der Ecke, war eigentlich noch dort. Dann geht der Ball aber durch drei Beine ins Tor. Das tut weh, dass wir so das 1:1 kassieren, obwohl wir alles im Griff hatten.»
Der Beste
Lukas Görtler. Wird bei seiner Auswechslung mit Standing Ovations verabschiedet. Zurecht. Trifft per Direktabnahme zum Ausgleich, legt den zweiten Treffer mit einer perfekten Flanke auf. Starker Auftritt des Leitwolfs.
Der Schlechteste
Lindrit Kamberi. Einverstanden, die komplette FCZ-Abwehr befindet sich beim Eckball vor dem 1:1 im Tiefschlaf. Kamberi aber steht am nächsten bei Torschütze Görtler und ist mitverantwortlich für jenen Treffer, der das Spiel dreht und das Stadion zum Kochen bringt.
Das gab zu reden
Die Rückkehr von Marcel Koller an jenen Ort, wo er sich vor etwas mehr als einem Vierteljahrhundert unsterblich machte. Zur Jahrtausendwende schenkt der Mann aus Schwamendingen ZH der Ostschweiz den Meistertitel. Dem jetzigen Meister-Kandidaten aus St. Gallen muss er sich mit seinem neuen Arbeitgeber nun aber geschlagen geben.
Die Fans
Mit einer überdimensionalen Choreo feiern die FCSG-Fans ihr Stadion. Mit einem «Sitterstadion»-Schriftzug wird die komplette Gegentribüne eingehüllt. Berit ist kein Teil der Choreo. Obwohl der FCSG vor dem Spiel in einem Schreiben darum bittet, das Stadion doch in Zukunft nach dem neuen Sponsor zu benennen.
Die Schiris
Schiri Sven Wolfensberger und seine beiden Assistenten Claudio dos Santos und Linda Schmid erwischen einen Top-Nachmittag. VAR Mirel Turkes muss kein einziges Mal eingreifen.
So gehts weiter
Der FC St. Gallen reist mit einem 2:1-Heimsieg im Rücken zum Quali-Rückspiel in der Europa League bei Benfica Lissabon am Donnerstag (21 Uhr). In der Liga geht es am Sonntag (14 Uhr) im Vaduzer Rheinpark weiter. Der FCZ empfängt am Nationalfeiertag am Samstag Servette im Letzigrund (18 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 1 | 2 | 3 | |
2 | FC Thun | 1 | 2 | 3 | |
3 | FC Lugano | 1 | 1 | 3 | |
3 | FC St. Gallen | 1 | 1 | 3 | |
5 | FC Basel | 1 | 1 | 3 | |
6 | Grasshopper Club Zürich | 1 | 0 | 1 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 1 | 0 | 1 | |
8 | FC Vaduz | 1 | -1 | 0 | |
8 | FC Zürich | 1 | -1 | 0 | |
10 | Servette FC | 1 | -1 | 0 | |
11 | FC Sion | 1 | -2 | 0 | |
12 | FC Luzern | 1 | -2 | 0 |






