Schweizerischer Fussballverband (SFV)
Der Schweizerische Fussballverband (SFV) äussert sich am Montagabend in einem offiziellen Statement zum Fall Balogun. Der Entscheid sei «unverständlich – unabhängig davon, wie es dazu gekommen ist», schreibt der SFV. Bislang wurde ein Spieler, der vom Platz gestellt wurde, automatisch für das nächste Spiel gesperrt. «Dieser Grundsatz war für alle gleich und hat für Klarheit gesorgt», kritisiert der Verband den Entscheid, «der Fragen aufwirft und Unsicherheit schafft – auch mit Blick auf die Bedeutung von Schiedsrichterentscheiden, insbesondere wenn der VAR im Einsatz ist». Für die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs brauche es klare und konsequent angewandte Regeln, schliesst der SFV die Mitteilung ab.
Sepp Blatter (90, Ex-Fifa-Präsident)
Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter meldet sich auf X zu Wort: «Rote Karten werden nicht durch politische Anrufe aufgehoben. Sie werden durch Regeln, Beweise und unabhängige Gremien aufgehoben. Wenn ein US-Präsident beim Fifa-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem WM-K.-o.-Spiel freigesprochen wird – drängt sich die Frage auf: ‹Quo vadis, Fifa?› Fussball darf niemals zum Spielball politischer Macht werden.»
DFB
Auch beim Deutschen Fussball-Bund ist man unzufrieden mit der Situation. In einer Stellungnahme sagt DFB-Präsident Bernd Neuendorf: «Die Fifa sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll. Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der Fifa.»
US-Verband
Beim US-Soccer-Team ist man erfreut darüber, dass die Sperre gegen Balogun auf Bewährung ausgesetzt wurde: «Wir akzeptieren die Entscheidung des Disziplinarausschusses und freuen uns, dass Folarin Balogun morgen spielberechtigt ist. Unsere volle Aufmerksamkeit gilt nun dem Achtelfinalspiel gegen Belgien in Seattle, und wir freuen uns auf die weitere Unterstützung unserer grossartigen Fans.»
Belgischer Verband (RBFA)
Auch der nächste Gegner der USA hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet: Man sei «erstaunt» über den Entscheid der Fifa, schreibt der belgische Fussballverband in einer Stellungnahme. Er verweist darauf, dass eine Rote Karte gemäss Fifa-Reglement eine automatische Spielsperre nach sich ziehen würde, «wie das bei allen bisherigen Roten Karten während dieser WM der Fall gewesen ist». Aus diesem Grund prüfe man alle möglichen Optionen, um «die fundamentalen Fairplay-Prinzipien in unserem Sport sicherzustellen». Bis am Montagnachmittag hat der Verband Zeit, um Einspruch gegen das Urteil einzulegen. Auch wird eine weitere Stellungnahme gemeinsam mit der Uefa erwartet.
Maxime Prévot (48, belgischer Aussenminister)
Der belgische Aussenminister Maxime Prévot kritisiert die Entscheidung der Fifa und Trumps Einmischung in den Fall um die Aufhebung der Sperre gegen US-Stürmer Balogun ebenfalls. «Wenn ein einziger Anruf tatsächlich zu diesem unverständlichen Entscheid geführt hat, verstösst das gegen die grundlegendsten Regeln des Fussballs und des Sports», äussert er sich gegenüber dem US-Nachrichtenportal «Politico». Er stellt dabei die Fähigkeit der Fifa infrage, «glaubwürdig für Fair Play einzustehen». Als ehemaliger Schiedsrichter habe er sich stets dafür eingesetzt, die Regeln einzuhalten und für faire Entscheidungen zu sorgen. «Diese Entscheidung wirft aber ganz klar viele Fragen auf», zieht er sein Fazit.
Fifa
Die Fifa erklärt das Urteil ebenfalls in einer Stellungnahme: «Das Fifa-Disziplinarkomitee hat gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun, der im WM-Spiel 2026 zwischen den USA und Bosnien und Herzegowina am 1. Juli 2026 im San Francisco Bay Area Stadium mit einer direkten Roten Karte vom Platz gestellt wurde, folgende Sanktion verhängt: Spielsperre wegen Verstössen gegen die Artikel 14 und 66 des Fifa-Disziplinarkodex (FDC). Gemäss Artikel 27 des Fifa-Disziplinarkodex wird die Spielsperre für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Begeht Folarin Balogun während dieser Bewährungszeit einen weiteren Verstoss gleicher Art und Schwere, wird die Sperre reaktiviert und die Sanktion vollstreckt. Dies kommt zusätzlich etwaiger weiterer Sanktionen für den neuen Verstoss hinzu.» Weitere Ausführung gibt es vom Weltverband nicht, auch der sonst publizierte Untersuchungsbericht wurde nicht veröffentlicht.
Jürgen Klopp (59, TV-Experte und Global Head of Soccer bei Red Bull)
Zuletzt stand Jürgen Klopp in den Schlagzeilen, weil der Kult-Trainer Julian Nagelsmann nach dessen Rücktritt als Bundestrainer beerben soll. Nach der Begnadigung zeigt Klopp bei Magenta TV aber klare Kante: «Wenn es tatsächlich so war, dass Trump und Infantino das miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt. Man muss einmal ganz kurz sagen: Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel! Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fussball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.»
Glenn Micallef (36, EU-Sportkommissar)
Als «Fan» hält auch Glenn Micallef, der als EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport tätig ist, den Entscheid «für falsch». «Ich habe mich immer klar positioniert. Entscheidungen zu sportlichen Regeln respektive sportlichen Angelegenheiten gehören in die Hände der Sportverbände und nicht der Politiker», schreibt er auf X. Eine Beeinflussung sportlicher Entscheidungen würde die Autonomie des Sports untergraben. Der Fokus solle stattdessen «auf den tatsächlichen Herausforderungen im Bereich der Sport-Governance liegen, darunter auch die Instrumentalisierung des Sports für politische Zwecke», schrieb der maltesische Politiker in seinem Post.
Bill White (US-Botschafter in Belgien)
Der in Belgien Stationierte Botschafter William Bryan White verteidigt den US-Präsidenten und erklärt: «Präsident Trump würde sich niemals in die internen Angelegenheiten der Fifa einmischen. Präsident Trump hat der Fifa im Nachhinein für ihre Entscheidung gedankt. Für die meisten Fussballfans weltweit war klar, dass die Rote Karte unnötig war. Bei einer Weltmeisterschaft ist es richtig, wichtige Entscheidungen noch einmal zu überprüfen, damit die Spiele fair bleiben.»

