Das Spiel
Nein, diesmal braucht es keinen Video-Assistenten, der zur Hilfe eilt. VARgentinien schafft es alleine, England nach einem 0:1-Rückstand zu bezwingen und in den WM-Final einzuziehen. Wahnsinn, wie die Argentinier dieses Spiel noch drehen. In der 92. Minute trifft Lautaro Martinez zum verdienten Sieg.
Das 2:1 ist ein weiteres, episches Kapitel im Duell dieser beiden Nationen. Kaum hatten seine Argentinier die Schweiz ausgeschaltet, beeilte sich Trainer Lionel Scaloni zum Treffen mit England schon zu sagen: «Es ist ein Fussballspiel, das ist alles.» Ein Satz, den noch niemand vor einer total gewöhnlichen Begegnung gesagt hat.
Nein, bei England gegen Argentinien geht es automatisch um mehr als bloss darum, wer in den Final kommt. Da ist der Falkland-Konflikt, da ist die Hand Gottes von 1986. Und wenn Englands Goalie Jordan Pickford in der 13. Minute mit Giuliano Simeone aneinander gerät, werden sofort Erinnerungen wach an 1998, als Giulianos Vater Diego den damaligen England-Star David Beckham so lange reizte, bis der Rot sah.
Dieses historische Gewicht ist der Partie in Atlanta von Anfang an anzusehen. Da ist viel Kampf, da sind viele kleine Fouls und Nickligkeiten. Dazwischen ist kaum Platz für ein bisschen Fussball.
Aber das ändert sich, als England in der 55. Minute durch Anthony Gordon in Führung geht. Plötzlich ist da ein packendes Fussballspiel. Plötzlich beweist Argentinien, wie viel Power in diesem Team steckt.
Djed Spence rettet mit einer Monstergrätsche gegen Simeone. Wahnsinn, wie schnell Jordan Pickford in der 69. Minute gegen den Kopfball von Nicolas Gonzalez unten ist. Alexis Mac Allister trifft in der 76. Minute mit dem Kopf nur den Pfosten. Aber das Glück rettet die Engländer nicht. Erst trifft Enzo Fernandez per Weitschuss (85. Minute).
Sieben Minuten später kommt der Kopfball ins Glück. Argentinien erkämpft sich die Chance, den Titel zu verteidigen. Lionel Messi könnte mit 39 den zweiten WM-Titel holen. Und Scaloni zum ersten Trainer seit Vittorio Pozzo werden, der zwei WM-Titel in Serie gewinnt. Dem gelang das 1934 und 1938 mit Italien.
Die Tore
55. Minute, Anthony Gordon, 1:0. Harry Kane spielt aus der eigenen Platzhälfte einen langen Ball nach vorne. Nicolas Tagliafico klärt, aber nur bis zu Declan Rice, der rechts aussen zu Morgan Rogers passt. Im Zentrum schleicht sich Gordon Nahuel Molina davon und verwertet die Rogers-Hereingabe aus fünf Metern.
85. Minute, Enzo Fernandez, 1:1. Lionel Messi führt einen Corner flach aus und erhält nach einem Doppelpass die Kugel umgehend wieder zurück. Statt zu flanken, bedient er den ausserhalb des Strafraums stehenden Fernandez. Dieser nutzt die ihm gewährten Freiheiten und trifft aus der Distanz. Jude Bellingham kann Fernandez nicht mehr entscheidend stören.
92. Minute, Lautaro Martinez, 1:2. Erst scheitert Alexis Mac Allister am Pfosten. Dann erläuft sich Messi nach dem Zweikampf mit Djed Spence den Ball. Der argentinische Captain dribbelt fast bis zur Grundlinie und legt anschliessend mit seinem rechten Fuss eine butterweiche Flanke ins Zentrum. Zwischen John Stones und Ezri Konsa köpfelt Lautaro Martinez ungehindert ein.
Das gab zu reden
Abseits des Platzes feiern die Engländer vor dem Anpfiff einen «Sieg», der letztlich natürlich nichts wert ist. Und zwar überholt der Teambus der Three Lions auf dem Weg ins Mercedes-Benz Stadium in Atlanta denjenigen der Argentinier.
So gehts weiter
Jetzt kommen nur noch zwei Teams für den WM-Titel 2026 infrage: Argentinien und Spanien. Der Final zwischen diesen beiden Nationen findet am kommenden Sonntag (21 Uhr) in East Rutherford statt. England und Frankreich stehen sich am Samstag (23 Uhr) in Miami im Spiel um Platz drei gegenüber.






