Das Spiel
Der erste WM-Viertelfinalist steht fest. Marokko schlägt Kanada im Achtelfinal im texanischen Houston 3:0 und zieht somit in die Runde der letzten acht ein. Mann des Spiels ist dabei Azzedine Ounahi mit einem Doppelpack. Der marokkanische Mittelfeldspieler nutzt kurz nach der Pause die erste Unachtsamkeit der zuvor mutig aufspielenden Kanadier eiskalt zur Führung aus. Ounahi geht beim 1:0 der kanadischen Verteidigung komplett vergessen und kann von der Strafraumgrenze völlig frei zu seinem ersten Treffer abziehen. Sein zweiter Treffer fällt nach einem Konter, bei dem ihm die Kanadier erneut zu viel Platz lassen.
Vor dem Dosenöffner nach der Pause war von den Marokkanern, die als Halbfinalisten der letzten WM 2022 in Katar (0:2-Niederlage gegen Frankreich) gegen die Kanadier, die erstmals in einem WM-Achtelfinal stehen, als Favorit gelten, offensiv praktisch nichts zu sehen. Bereits früh mussten sie aber auch einen Dämpfer hinnehmen. WM-Toptorjäger Ismael Saibari (drei Treffer) muss nach 22 Minuten mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden (siehe Das gab zu reden).
Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Saibari flacht die Partie zwischenzeitlich etwas ab – zumindest was Offensivaktionen betrifft. Denn stattdessen kochen die Emotionen über. Achraf Hakimi kann im Zweikampf mit Richie Laryea einen langen Ball nicht erreichen und stösst den Kanada-Verteidiger frustriert weg. Es kommt zur Rudelbildung, die der englische Schiedsrichter Michael Oliver beruhigen muss.
Kanada kann sich in der Folge für seine mutige Spielweise nicht belohnen. Der WM-Co-Gastgeber, der in der Schweizer Gruppe gegen die Nati 1:2 verlor, hatte bereits nach zehn Minuten eine Topchance. Tani Oluwaseyi zieht aus kurzer Distanz ab, sieht seinen Schuss jedoch vom stark reagierenden Marokko-Goalie Bono pariert. Auch danach reissen die Kanadier das Spieldiktat mehrheitlich an sich.
Nach dem Führungstreffer durch Ounahi kann Kanada beinahe reagieren, als sie zu einer guten Freistosschance kommen. David chippt den Ball aber über den Querbalken. Weil die Kanadier in der Schlussphase anschliessend noch mehr Risiko eingehen müssen, kann Marokko zweimal Kontern und so zur Entscheidung treffen.
Während es für Marokko im Viertelfinal nun gegen den Sieger der Partie zwischen Deutschland-Bezwinger Paraguay und Frankreich geht (Samstag 23 Uhr), ist das WM-Märchen für Co-Gastgeber Kanada vorbei.
Die Tore
50. Minute, Azzedine Ounahi, 0:1. Marokko geht nach einem Freistoss in Führung. Hakimi spielt den Ball von der rechten Seite zu Ounahi, der der Kanada-Verteidigung an der Strafraumkante komplett vergessen geht und so völlig freistehend zum Abschluss kommt. Er bezwingt Crépeau im kanadischen Tor mit einem Direktschuss aus rund 16 Metern.
82. Minute, Azzedine Ounahi, 0:2. Marokko kontert nach einem Angriff der Kanadier. Talbi passt den Ball nach einem schönen Sololauf über das halbe Spielfeld quer zu Diaz, der Ounahi mit einem Querpass bedient. Ounahi kann von Höhe des Strafraumpunktes einfach nur noch zu seinem zweiten Treffer abziehen.
90.+8. Minute, Soufiane Rahimi, 0:3. Eine weitere Konteraktion von Marokko, ein weiterer Treffer. Diaz gewinnt in einem Kopfballduell den Ball und lanciert Rahimi, der an Crépeau vorbei einschiebt.
Das gab zu reden
Marokko muss bereits früh in der Partie einen Dämpfer hinnehmen. Ismael Saibari muss nach 22 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Der Mittelfeldspieler, der mit drei Toren Marokkos Toptorjäger an dieser WM ist, hat sich bei einem Zweikampf um den Ball offenbar am Oberschenkel verletzt und bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegen. Der 25-Jährige wird anschliessend auf dem Feld gepflegt und verlässt das Feld mit Tränen in den Augen. Als die Kamera wenig später auf die Ersatzbank schwenkt, wo Saibari Platz genommen hat, hat er sich enttäuscht über das unschöne Achtelfinal-Ende für ihn das Trikot über den Kopf gezogen. Saibari hatte bei der laufenden WM nicht nur mit seinen Toren für Aufsehen gesorgt. Der Offensivspieler wechselte während des Turniers für rund 50 Millionen Euro vom PSV Eindhoven zu Bayern München. Beim Bundesligisten unterschrieb er einen langfristigen Vertrag bis 2031.
So gehts weiter
Die Marokkaner stehen im Viertelfinal. Dort treffen sie in Boston (USA) auf den Sieger des Duells zwischen Paraguay und Frankreich, das am Samstagabend um 23 Uhr angepfiffen wird. Für Kanada ist das WM-Abenteuer hingegen zu Ende.






