Das Spiel
In der 106. Minute hat der Wahnsinn von New Jersey endlich ein Ende! Nach einem langen Flankenball legt Spaniens Joker Williams per Kopf auf den ebenfalls eingewechselten Torres ab, der den Ball zum 1:0 ins Netz drischt – mit dem 19. Abschluss der Partie geht der Europameister endlich in Führung.
Und sie ist mehr als nur verdient. Argentinien ist zu diesem Zeitpunkt noch immer ohne einen einzigen (!) Schuss. Superstar Lionel Messi wird von der spanischen Defensive komplett abgemeldet. Und auch seine Teamkollegen fokussieren sich lieber auf das, was sie bereits das gesamte WM-Turnier auszeichnet: richtig hart zur Sache gehen!
Schiedsrichter Vincic aus Slowenien macht lange keine Anstalten, das in irgendeiner Form zu unterbinden. Mac Allisters Einsteigen an der Seitenlinie gegen Olmo bleibt genauso unbestraft wie ein Tritt auf die Wade von Yamal. Spielerisch hat die umkämpfte erste Halbzeit kaum etwas zu bieten.
Immerhin schalten die Spanier nach der Pause einen Gang höher und spielen sich immer wieder Chancen heraus. Die Abschlüsse von Baena und Olmo sowie der Kopfball des eingewechselten Torres sind aber viel zu unpräzise. So bleibt es in den ersten 80 Minuten ein ähnlich ereignisarmes Finalspiel wie vor dreieinhalb Jahren. Nur führten die Argentinier in Katar zu diesem Zeitpunkt bereits mit 2:0. Davon ist die Albiceleste dieses Mal meilenweit entfernt. Nicht nur Superstar Lionel Messi wird von der überragenden spanischen Defensive abgemeldet. Auch seine Teamkollegen bleiben bis zum Start der Verlängerung ohne einen einzigen Schuss.
Die Verlängerung bestreitet der Titelverteidiger nach einer überfälligen Gelb-Roten Karte gegen Fernandez nur noch zu zehnt, was Williams sofort bestraft. Doch Schiedsrichter Vincic nimmt den vermeintlichen Siegtreffer wieder zurück, weil Merino zuvor im Zweikampf Gegenspieler Otamendi auf den Fuss getreten ist.
Beim spanischen Führungstreffer hat der Unparteiische zwar nichts zu beanstanden. Dafür aber beim zweiten Treffer von Torres, den er aufgrund einer hauchdünnen Offside-Position ebenfalls einkassiert. Ein Entscheid, der um ein Haar noch Folgen gehabt hätte. Mit dem erst zweiten Abschluss des Spiels verpasst Simeone in der Nachspielzeit den glücklichen Ausgleichstreffer.
So aber bringen die Spanier die knappe, aber hochverdiente Führung über die Zeit und sichern sich nach 2010 zum zweiten Mal den WM-Pokal. Dem Titelverteidiger bleiben im womöglich letzten Länderspiel von Lionel Messi am Ende nur die Tränen.
Das Tor
106. Minute, Ferran Torres, 1:0. Kaum hat die zweite Hälfte der Verlängerung begonnen, findet eine hohe Flanke den Weg an den linken Pfosten. Von dort legt Nico Williams zurück auf Ferran Torres – und der Joker hämmert den Ball aus knapp zehn Metern wuchtig ins Netz.
Der Beste
Ferran Torres. Kommt nach einer Stunde und schiesst Spanien zum zweiten WM-Titel! Mehr kann man von einem Joker nicht verlangen.
Der Schlechteste
Lionel Messi. In seinem wohl letzten Spiel für Argentinien ist der achtfache Weltfussballer ein Geist. Der Captain bleibt ohne eine einzige auffällige Szene.
Das gab zu reden I
Chaos vor dem MetLife Stadium! Schon die Anreise aus Manhattan nach New Jersey ist nicht nur mühsam, sondern auch teuer. Die Zugpreise wurden für die WM von 12,90 auf 98 US-Dollar erhöht. Die Alternativen: Ein Parkplatz in Stadionnähe für bis zu 300 USD oder eine einstündige Taxifahrt inklusive Stau für 180 USD. Auf Social Media kursieren sogar Videos von argentinischen Fans, die zu Fuss den Highway überqueren, um rechtzeitig zum Stadion zu gelangen. Zur Belohnung gibt es an den Sicherheitskontrollen noch einmal lange Schlangen. Wartezeit: bis zu zwei Stunden. Diese müssen sich die Fans anders als mit ihrem Handy überbrücken. Das Funknetz ist komplett überlastet und auch das für die Fans eingerichtete Wifi ist zusammengebrochen. Zum organisatorischen Chaos passt, dass beim Vortrag der US-Hymne vier Kampfjets erst mit deutlicher Verspätung ihren Überflug vollziehen. Die USA verpassen es, zum Abschluss des Heimturniers ihre Gastgeberqualitäten unter Beweis zu stellen. Nicht zum ersten Mal…
Das gab zu reden II
Keinen einzigen Abschluss bringt Argentinien in der regulären Spielzeit zustande. Das hat es an einer WM seit Beginn der Aufzeichnungen des Statistik-Portals Opta im Jahre 1966 erst zweimal gegeben – beide Male war die erfolglose Nation Costa Rica: 1990 gegen Brasilien (0:1) und 2022 gegen Spanien (0:7) blieben «Los Ticos» offensiv inexistent. Immerhin: In der Verlängerung kommt die «Albiceleste» dann doch noch zu zwei Abschlüssen.
Die Schiedsrichter
Slavko Vincic lässt vor allem den Argentiniern viel durchgehen. Nach der Pause sitzen die Gelben Karten beim Slowenen dann etwas lockerer. Trotzdem hat der eingewechselte Paredes Glück, dass er nicht mit Gelb-Rot vom Platz fliegt. Die sieht kurz vor Ablauf der ersten 90 Minuten aber Fernandez – und das völlig zu Recht. Auch wenn es dieser nicht wahrhaben will. VAR Bastian Dankert aus Deutschland bleibt ohne nennenswerte Szene.
Die Fans
Die Mehrheit der 80’633 Fans im NFL-Stadion der New York Jets und New York Giants hält es mit den Argentiniern. Doch auch der spanische Anhang macht sich in seiner Kurve immer wieder mit Gesängen bemerkbar. So kommt für ein Finalspiel, das auch viel neutrales Publikum aufweist, doch einigermassen Stimmung auf.
So gehts weiter
Mit dem Final ist die WM 2026 in Nordamerika abgeschlossen. Die nächste Endrunde der Männer folgt wie gewohnt in vier Jahren – in Marokko, Portugal und Spanien, wobei auch je ein Spiel in Argentinien, Paraguay und Uruguay ausgetragen wird. Das Eröffnungsspiel steigt dann am 8. Juni. Die Frauen sind bereits 2027 in Brasilien ab dem 24. Juni wieder an der Reihe.
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