Das Spiel
Erst sieht es aus wie ein gemütlicher Spaziergang in den Halbfinal. Nach einer halben Stunde geht Spanien gegen Belgien 1:0 in Führung. Danach vertreiben sich die Favoriten die Zeit bereits mit ein paar Kunststückchen. Hacke hier, Dreher dort. Es ist die Leichtigkeit des Seins gegen einen Gegner, der krass unterlegen scheint.
Der Schachzug von Luis de la Fuente scheint voll aufzugehen: Spaniens Trainer schraubt sein zentrales Mittelfeld auseinander. Er stellt Fabian Ruiz anstelle seines Lieblingsschülers Pedri neben Rodri. Und genau dieser Ruiz ist es, der das 1:0 erzielt.
Aber dann wird dieser Viertelfinal doch noch zu einem richtig engen Ding. Weil den Belgiern mit ihrem ersten Abschluss aufs Tor gelingt, woran fünf andere Nationen gescheitert sind: Sie bezwingen Unai Simon. Es ist das erste Gegentor für Spaniens Goalie nach 650 WM-Minuten – Rekord.
Diese Belgier wollen sich einfach nicht unterkriegen lassen. Dabei werden sie richtig durchgeschüttelt. Zentrumsspieler Youri Tielemans verletzt sich beim Warmmachen. Dann kommt es nach der zweiten Trinkpause zum Drama. Thibaut Courtois muss sich in seinem 115. Länderspiel verletzt auswechseln lassen. Der 34-Jährige verlässt das Feld unter Tränen.
Genau dieser Wechsel bricht den Belgiern das Genick. Ersatzgoalie Senne Lammens kann einen Weitschuss von Pau Cubarsi nicht festhalten. Und wie schon gegen Portugal trifft der eben eingewechselte Mikel Merino zum späten Sieg. Die Belgier sind am Ende ihrer Kräfte und draussen. Auf die Spanier wartet der Hammer-Halbfinal gegen Frankreich.
Die Tore
30. Minute, Fabian Ruiz, 1:0. Pedro Porro wird von Lamine Yamal in die Tiefe geschickt. Porro spielt den Ball in den Strafraum, wo Dani Olmo alle Freiheiten geniesst. Seinen Schuss kann Belgien-Keeper Thibaut Courtois noch abwehren, doch Fabian Ruiz steht goldrichtig und muss nur noch einschieben.
41. Minute, Charles De Ketelaere, 1:1. Aus dem Nichts kommt Belgien zum Ausgleich. Die Spanier bekommen den Ball nicht geklärt. Castagne spielt eine präzise Flanke durch und Charles De Ketelaere setzt sich im Luftduell gegen Pau Cubarsi durch und nickt zum 1:1 ein.
88. Minute, Mikel Merino, 2:1. Spaniens Edeljoker Mikel Merino machts schon wieder! Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung schiesst der Stürmer tatsächlich den Siegtreffer für die Iberer. Der eingewechselte Goalie Senne Lammens muss ein Geschoss von Pau Cubarsi nach vorne abprallen lassen, wo Merino richtig spekuliert.
Das gab zu reden
Eigentlich wäre Zeno Debast nach seiner Verletzung wieder fit. Im Achtelfinal gegen die USA (4:1) sass der Innenverteidiger von Sporting bereits wieder auf der Bank. Gegen Spanien tut er das allerdings nicht. Der Grund ist kurios: Sein Klub legt das Veto ein. In einem Statement geht gemäss dem US-Magazin «The Athletic», dass Debast am Freitag nicht zur Verfügung stehe, weil sein Verein ihn für nicht spielfähig halte. Es sei eine Einschätzung, «die von derjenigen unseres eigenen medizinischen Staffs abweicht», fügt der RBFA hinzu – und macht damit deutlich, dass man gerne auf Debast setzen würde.
Kurz vor Anpfiff habe es zwar noch Gespräche zwischen den beiden Parteien gegeben, zu einer Einigung ist man aber nicht gekommen. Am Schluss hatte Debasts Klub das letzte Wort – und der Innenverteidiger konnte seinem Team nicht helfen. Damit ist er aber nicht der einzige Spieler, der das Spiel kurzfristig verpasst. Youri Tielemans verletzt sich beim Aufwärmen und kann nicht mittun.
Das gab zu reden II
Es ist ein komischer Ablauf für Spaniens Goalie Unai Simon. Nach 650 Minuten muss er sich tatsächlich wiedereinmal bücken und einen Ball aus dem Netz fischen. De Ketelaeres Ausgleich ist das erste Tor, das die Iberer seit sieben Partien erhalten.
Das gab zu reden III
Ist das bitter für Thibaut Courtois: Kurz vor der zweiten Hydrationbreak geht der Belgien-Goalie zu Boden und muss gepflegt werden. Nach der Trinkpause kehrt er zwar in seinen Kasten zurück, doch nicht für lange. Der 34-Jährige muss in der 71. Minute unter Tränen verletzt ausgewechselt werden – vielleicht sein letztes WM-Spiel für die Belgier überhaupt.
So gehts weiter
Spanien bestreitet am Dienstag um 21 Uhr den Halbfinal in Dallas gegen Frankreich, braucht aber definitiv eine Leistungssteigerung. Der Viertelfinal bedeutet Endstation für die Belgier.






