Das Spiel
In der 75. Minute setzt Trainer Jesse Marsch dann alles auf Sieg. Er wechselt Alphonso Davies ein, den einzigen echten Star, den die Kanadier haben. Die drei Gruppenspiele hat der angeschlagene Davies verpasst. Jetzt soll alleine seine Einwechslung den Mitspielern im Sechzehntelfinal gegen Südafrika neuen Mut einflössen.
Es ist bislang ein furchtbar nervöses Spiel zwischen zwei Mannschaften, die nicht spielen, um zu gewinnen. Sondern um nicht zu verlieren. Aber Marschs Einwechslung funktioniert. Promise David, gegen die Schweiz noch Torschütze, schiesst zwar noch knapp daneben. Namensvetter Jonathan scheitert aus engem Winkel am starken Williams.
Aber dann kommt der grosse Moment von Stephen Eustaquio. Es sind bereits fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt, als sich der Mittelfeldspieler vom Strafraumrand ein Herz fasst. Und flach unten links trifft. Es ist die Entscheidung. Kanada, das bis zu diesem Turnier noch kein einziges WM-Spiel gewonnen hat, steht im Achtelfinal!
Der Sieg ist verdient. Die Kanadier haben zwar im ganzen Spiel nur wenige Chancen. Aber sie haben immerhin welche. Von Südafrika dagegen kommt wenig bis gar nichts. In Halbzeit eins lenkt der Kanadier Derek Cornelius einmal den Ball mit dem Kopf aus fünf Metern genau in die Arme von Goalie Ronwen Williams. Dann kratzt erst Aubrey Modiba einen Kopfball von Moïse Bombito von der Linie, ehe wieder Williams gegen den Nachschuss von Tajon Buchanan rettet.
Auch nach der Pause bleibt Kanada die aktivere Mannschaft. In der 65. Minute scheitert Tani Oluwaseyi an Williams. Dann rettet Mbekezeli Mbokazi vor Jonathan David.
Alles egal, weil am Ende ein Weitschuss die Entscheidung bringt. Die Co-Gastgeber dürfen zwar nicht mehr zu Hause in Kanada spielen. Aber sie sind weiter dabei und treffen im Achtelfinal auf den Sieger der Partie zwischen Marokko und Holland.
Das Tor
90. + 2. Minute, Stephen Eustaquio, 0:1. Innenverteidiger Ime Okon klärt eine Flanke per Kopf zu kurz – und direkt auf die Brust von Stephen Eustaquio. Dieser nimmt den Ball gekonnt an und haut ihn von der Strafraumgrenze mit dem Vollspann unten links in die Maschen.
Das gab zu reden
Die beiden Teams bieten den Fans in Los Angeles zwischenzeitlich fussballerische Magerkost. Nach dem Seitenwechsel dauert es fast 17 Minuten bis zum ersten Abschlussversuch durch Südafrikas Oswin Appollis. Die Kanadier bringen in dieser Zeit rund 30 Pässe an den Mann – das sind nicht einmal zwei pro Minute. Südafrika schiesst in den ganzen 90 Minuten nur einmal aufs Tor. das Team von Hugo Broos wartet eigentlich nur auf die Verlängerung – die es am Ende knapp nicht bekommt.
So gehts weiter
Kanada spielt im ersten Achtelfinal am 4. Juli (19 Uhr Schweizer Zeit) gegen den Sieger aus dem Spiel zwischen Holland und Marokko, die in der Nacht auf Dienstag (3 Uhr) aufeinandertreffen.






