Kommentar zum Fall Balogun
Ein historischer und skandalöser Eingriff der Fifa

Die Fifa-Disziplinarkommission hat die Rot-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun aufgehoben für den WM-Achtelfinal. Der Weltfussballverband öffnet damit die Büchse der Pandora, findet Blick-Fussballchef Tobias Wedermann.
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Für dieses Foul wurde Folarin Balogun im Sechzehntelfinal vom Platz gestellt.
Foto: AP Photo/Jeff Chiu
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Tobias WedermannFussballchef

Jedes Mädchen und jeder Bub lernt es schon früh im Fussball. Wer die Rote Karte sieht, muss vom Platz. Die eigene Mannschaft spielt in Unterzahl und im nächsten Spiel ist man gesperrt. So einfach. So klar. So war es immer. Bis jetzt.

US-Stürmer Folarin Balogun wurde nach einem schweren Foul des Feldes verwiesen. Die Fifa-Disziplinarkommission verhängt zwar offiziell eine Ein-Spiel-Sperre – setzt deren Vollzug aber für ein Jahr auf Bewährung aus. Die Folge: Balogun darf im nächsten WM-Spiel trotzdem auflaufen. 

Diese Entscheidung ist vor allem eines: ein historischer und skandalöser Eingriff in einen laufenden Wettbewerb.

Eine Rote Karte gehört zu den härtesten Sanktionen im Fussball. Genau deshalb ist sie für Spieler, Trainer und Fans verständlich. Wer eine Grenze überschreitet, trägt die Konsequenzen. Wird dieses Prinzip mitten in einer Weltmeisterschaft aufgeweicht, stellt die Fifa nicht nur ihr eigenes Regelwerk infrage. Sie öffnet die Büchse der Pandora.

Kennt die Freundschaft zwischen Fifa und US-Regierung keine Grenze?

Welchen Wert hat eine Rote Karte künftig noch? Wann folgt tatsächlich eine Sperre – und wann nicht? Nach welchen Kriterien wird entschieden? Und weshalb passiert ausgerechnet an einer WM im Gastgeberland ein Fall, den es in dieser Form bisher nicht gegeben hat?

Einmal mehr liegt der Verdacht nahe, dass die Freundschaft zwischen der Fifa und der aktuellen US-Regierung wahrlich keine Grenzen kennt. Nicht mal, wenn es um das heilige Regelwerk des Fussballs geht. Einmal mehr spielt die Fifa mit ihrer Glaubwürdigkeit. Der Schaden könnte weit grösser werden als die Rot-Sperre, die nie vollzogen wird.

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