Darum gehts
- Embolo sieht im WM-Viertelfinal gegen Argentinien Gelb-Rot, die Schweiz scheidet aus
- Jetzt erklären die obersten Fussball-Regelhüter die VAR-Anwendung für unzulässig
- Embolos Platzverweis hätte auf «Mistaken Identity»-Grundlage nicht erfolgen dürfen
Der Traum der Schweizer Nati vom WM-Halbfinal platzte im Viertelfinal gegen Argentinien auch wegen eines Entscheids, der so gar nicht hätte getroffen werden dürfen. Jetzt liefert ausgerechnet das International Football Association Board (Ifab), das die offiziellen Fussballregeln erlässt, die Bestätigung: Breel Embolo hätte auf dieser Grundlage nie mit Gelb-Rot vom Platz gestellt werden dürfen.
Dies zitiert «The Athletic», das Online-Sportmagazin der «New York Times», aus einem neuen Ifab-Rundschreiben, das bislang nicht öffentlich zugänglich ist.
Das Ifab, das seinen Hauptsitz wie die Fifa in Zürich hat, ist die höchste Regelinstanz des Weltfussballs. Ihm gehören die vier britischen Fussballverbände sowie die Fifa an. Während die Fifa Wettbewerbe wie die Weltmeisterschaft organisiert und durchführt, legt das Ifab die Spielregeln fest – auch jene, nach denen an einer WM gepfiffen werden muss.
Geplatzte Schweizer WM-Träume
Es war der Moment, der die Schweizer WM-Träume zerstörte. Fünf Minuten nach dem 1:1-Ausgleich gegen Argentinien wird Embolo mit Gelb-Rot vom Platz gestellt – nicht wegen eines Fouls, sondern weil der VAR Embolos Schwalbe nachträglich ahndet.
Zunächst hatte der Schiedsrichter Embolo einen Freistoss zugesprochen und Argentiniens Leandro Paredes die Gelbe Karte gezeigt.
Dann griff der VAR ein, erklärte, es habe gar keinen Kontakt gegeben, und drehte den gesamten Entscheid um: Paredes' Verwarnung wurde annulliert, Embolo erhielt stattdessen wegen der Schwalbe seine zweite Gelbe Karte und musste vom Platz. Die Schweiz verlor danach in der Verlängerung mit 1:3.
Folgenschwerer VAR-Eingriff
Genau dieses Vorgehen erklärt das Ifab nun für unzulässig. In einem laut «The Athletic» am Montag veröffentlichten Rundschreiben stellt das Regelgremium klar: Die sogenannte «Mistaken Identity»-Regel ist ausschliesslich dafür gedacht, einen falsch bestraften Spieler zu identifizieren. Sie darf nicht dazu verwendet werden, den ursprünglichen Entscheid vollständig umzudeuten – also aus einem Foul nachträglich eine Schwalbe zu machen. Diese WM-Auslegung wurde den Teams kommuniziert.
Mit anderen Worten: Nicht die Frage, ob Embolo simuliert hat, steht im Zentrum. Entscheidend ist, dass der VAR nach den geltenden Regeln gar nicht befugt war, auf diesem Weg eine zweite Gelbe Karte wegen einer Schwalbe herbeizuführen. Damit bestätigt ausgerechnet das oberste Regelgremium des Weltfussballs indirekt, dass die spielentscheidende VAR-Intervention gegen die Schweiz ausserhalb des vorgesehenen Regelrahmens erfolgte.
Schwacher Trost für Nati und Fans
Brisant ist zudem: Das Ifab räumt ein, dass diese Anwendung der Regel zur nachträglichen Bestrafung von Schwalben während der Weltmeisterschaft durchaus positiv aufgenommen worden sei. Gleichzeitig hält es aber unmissverständlich fest, dass diese Praxis bis zum Abschluss einer Überprüfung des VAR-Protokolls nicht mehr angewendet werden darf.
Für die Nati und ihre Fans ist das nur ein schwacher Trost. Der Viertelfinal bleibt verloren, der Traum vom historischen Halbfinal-Einzug geplatzt. Doch die Klarstellung des Ifab liefert der Schweiz nun Schwarz auf Weiss, dass der Platzverweis gegen Breel Embolo auf einer Regelauslegung beruhte, die nach Auffassung der obersten Regelhüter so nicht hätte angewendet werden dürfen.
Für Embolo dürfte dies eine späte Genugtuung sein – und mögliche Schuldgefühle wegen des WM-Ausscheidens erheblich mildern. Eine Stellungnahme der Fifa dazu steht derweil noch aus.
