Der Skandal um die Begnadigung von US-Star Folarin Balogun ist um ein Kapitel reicher. Nachdem die Belgier bereits am Sonntag eine Stellungnahme abgegeben haben, melden sich die Roten Teufel erneut zu Wort – und konfrontieren die Fifa mit heftigen Anschuldigungen.
«Nachdem die RBFA (Royal Belgian Football Association) aus Medienberichten von der Fifa-Entscheidung zur Aufhebung der automatischen Sperre des Spielers Balogun erfahren hatte, wandte sie sich mit einem Schreiben an die Fifa und bat um eine Kopie der Entscheidung, eine Erläuterung des Verfahrensablaufs sowie ihre Position zu den geltenden Bestimmungen. Als einzige Antwort sandte die Fifa der RBFA ein Schreiben, in dem sie erklärte, dass sie diesen Schriftverkehr als Rekurs betrachte, ein Richter sei bestellt worden und die RBFA habe nur wenige Stunden Zeit, den Einspruch endgültig einzureichen. Die Fifa stellte keinerlei Informationen zur Verfügung», so der Verband.
Denn gemäss Regularien müsse die Begründung des Einspruchs dem Einspruchsführer zuvor mitgeteilt worden sein, damit dieser zulässig sei, so der Verband, der dann die Bombe platzen lässt: «Während die RBFA lediglich legitime Erklärungen verlangte, wertete die Fifa diese Nachfrage als Einspruch und sorgte umgehend dafür, dass dieser als unzulässig erklärt wurde. All dies geschah, während die Fifa gleichzeitig die berechtigten Anfragen der RBFA ignorierte.»
Wirbel um Fifa-Post – wurde Einspruch abgelehnt?
Ebenfalls stört sich der Verband daran, dass der Weltverband während der Spielvorbereitungsbesprechung absichtlich den Abschnitt zur automatischen Sperre von Spielern aus seiner Präsentation entfernt habe. Dies sei in allen vier Partien zuvor ein Bestandteil gewesen. «Um es klarzustellen: Bislang hat die RBFA von der Fifa weder eine Entscheidung noch eine Erklärung zu diesem Sachverhalt erhalten. Daher bleibt ihm keine andere Wahl, als die Spielberechtigung des Spielers für das bevorstehende Spiel anzufechten», begründet der Verband seinen Einspruch.
Die Fifa lehnt die Beschwerde der Belgier am Montagabend offiziell ab – so schaut es zumindest zunächst aus. Denn die Fifa löscht einen Beitrag auf X, in dem sie kurz zuvor geschrieben hat: «Der belgische Verband ist keine Verfahrenspartei und besitzt somit keine Beschwerdebefugnis gegen die Entscheidung.» So wurde die Rote Karte in einer Partie gegeben, an der Belgien nicht beteiligt war. Mit dieser Begründung erklärt die Fifa den Antrag der Belgier entsprechend «für unzulässig». Doch dann wird der Beitrag wieder entfernt. An der Ausgangslage ändert dies allerdings nichts: Die US-Mannschaft darf im WM-Achtelfinal gegen Belgien mit Folarin Balogun auflaufen.
Doch damit soll das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Denn auch für die Zukunft macht man sich in Belgien Gedanken: «Ungeachtet des sportlichen Ergebnisses dieses Spiels ist die RBFA zutiefst besorgt über den Verlauf der Ereignisse und wird sich in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien der Ethik, des fairen Wettbewerbs und die Interessen des Fussballs als Ganzes einsetzen.»


