Der etwas andere Tour-de-France-Ticker
Pogacar fliegt davon – Gruppetto feiert mit Wein und Baguette

Im Zürcher «Oder Wat» wird die Tour de France zum Erlebnis: Das Radmagazin «Gruppetto» tickert mit Wein, Truffade und viel Humor die 10. Etappe. Während die Gäste feiern, zeigt Tadej Pogacar am Berg einmal mehr seine Ausnahmeklasse.
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Tadej Pogacar gewinnt die schwere Zentralmassiv-Etappe.
Foto: Getty Images
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Joël HahnRedaktor Sport

Der Bildschirm läuft, die Gläser klirren, irgendwo duftet es nach geschmolzenem Käse. Im Zürcher Langstrassenquartier wird am französischen Nationalfeiertag nicht nur eine Tour-Etappe geschaut – sie wird zelebriert. Das Radmagazin «Gruppetto» übernimmt zum dritten Mal den Blick-Ticker und verwandelt den Imbiss Oder Wat in eine kleine französische Radsport-WG.

Schon vor dem Start ist klar: Dieser Nachmittag wird speziell. Um 12.30 Uhr zieht Andreas Züger sein Dortmund-Trikot an. Für Gastgeber Pukki, bekennender Schalke-Fan, eine Provokation. Der grosse Schalke-Schal an der Wand hängt schliesslich gut sichtbar im Lokal. «Das wird noch Probleme geben», wird gemunkelt.

Um 12.51 Uhr öffnet Corsin Zander das erste Bier. Kurz darauf landet der erste Wein auf dem Tisch: ein Pouilly-Fumé. Auch Blick-Reporter Joël Hahn bekommt ein Glas in die Hand gedrückt. «Nur das Beste für meine Jungs», sagt Gourmet-Experte Laurent Aeberli und schenkt ein.

Truffade, Wein und Tour-Atmosphäre

Während draussen langsam die ersten Fans eintreffen, bereitet Laurent das kulinarische Highlight vor: Truffade. Das traditionelle Gericht stammt aus dem Cantal, jener Region, durch die die Fahrer heute unterwegs sind. Eigentlich wird es mit Cantal-Käse und Schinken zubereitet – im Oder Wat gibt es die Schweizer Variante mit Vacherin aus Freiburg. «En Guete!», sagt Corsin und greift zu.

Neben der Etappe läuft ein eigenes Tippspiel. Die Gäste können per QR-Code ihre Prognosen abgeben, unter anderem den Abstand zur Spitzengruppe schätzen. Wer am nächsten liegt, darf den Leader-, «Güggelihut» tragen – bis ihn jemand anderes ablöst. Und Andreas? Der sorgt für Unterhaltung. Neben einem alten Champions-League-Trikot von GC aus der Saison 1994/95 hat er auch noch ein Schiedsrichter-Shirt und rote Karten eingepackt. Niemand weiss genau, wofür. Aber alle lachen.

Plötzlich sitzen Velostars am Tisch

Je länger die Etappe dauert, desto voller wird das Oder Wat. Aus dem gemütlichen Public Viewing wird ein kleines Radsport-Festival. Rund 50 Fans verfolgen das Rennen, diskutieren, lachen und fiebern mit.

Dann tauchen drei bekannte Gesichter auf: Eishockey-Legende Matthias Seger und Radprofi Fabian Lienhard fahren gemeinsam vor. Vier Stunden war Lienhard unterwegs, Seger zwei. «Eigentlich wäre das kein Problem gewesen», sagt Seger. «Aber weil ich euch noch Bier bringen musste, habe ich meine Gels vergessen.»

Die beiden schnappen sich ein alkoholfreies Bier und setzen sich dazu. Lienhard bringt sein Wissen ein, erklärt Situationen aus dem Rennen und hilft den Nicht-Profis beim Verständnis. Auch Noemi Rüegg schaut vorbei. Ihr grosses Ziel: die Tour de France der Frauen, die am 1. August in Lausanne startet.

Im Hitzekessel mit Pogacar

Im Oder Wat steigt derweil die Temperatur. Gefühlt 47 Grad sind es im Innern, rundherum stehen und sitzen die Fans dicht gedrängt. Auf dem Bildschirm kämpft Richard Carapaz vorne gegen die Uhr, während hinten das Feld auseinanderfällt.

Kurz vor dem zweitletzten Anstieg macht dann der grosse Dominator ernst: Tadej Pogacar attackiert. Innerhalb von 900 Höhenmetern fährt der Slowene den fast 50 Sekunden grossen Rückstand auf Carapaz zu und zieht vorbei.

Im Oder Wat springen die Leute von den Stühlen. Obwohl eigentlich alle wissen, was kommen wird. Pogacar lässt nichts mehr anbrennen. Er fährt souverän ins Ziel, gewinnt die 10. Etappe und distanziert Remco Evenepoel um 32 Sekunden.

Ein Nachmittag, der mehr war als ein Rennen

Sportlich ist der Ausgang keine grosse Überraschung. Pogacar gewinnt wieder einmal. Aber darum geht es an diesem Nachmittag gar nicht nur. Es geht um Wein, Käse, Diskussionen, dumme Fragen, Velogeschichten und Menschen, die gemeinsam ein Rennen erleben. Genau dafür steht das «Gruppetto». Oder wie Andreas am Ende – trotz aller Fussball-Sprüche – zugibt: «War einfach toll, hier zu tickern.»

Den Ticker gibt es hier zum Nachlesen:

14.07.2026, 17:29 Uhr

«Gruppetto»-Schlussfazit

Wow! Was für eine Etappe. Sportlich war es wenig überraschen. Tadej Pogacar hat gewonnen. Aber so viel Spass bei einer Etappe hatten wir wohl noch nie in Zürich bei einer Etappe der Tour de France. Über 50 Fans haben mit uns mitgefeiert. Velostars wie Noemi Rüegg oder Fabian Lienhard waren hier. Und Velokurier Mathias Seger hat auch noch vorbeigeschaut.

Der Angriff von Rüeggs Teamkollege Richard Carapaz war beeindruckend, aber Pogacar war am Ende halt besser wie alle anderen. Damit hat der Slowene seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Und niemand zweifelt daran, dass er die diesjährige Tour gewinnen wird.

Und unser Fazit? Es wurde viel getrunken, französische Spezialitäten gegessen und Radsport so zelebriert, wie wir ihn mögen: Mit einem Glas Wein und einem zwinkernden Auge.

Für all jene, die uns noch nicht kennen: Das «Gruppetto» ist mehr als bloss Klamauk. Wir berichten über den Radsport und vor allem die spannenden Geschichten rundherum. Wer uns abonnieren möchte, kann das hier tun. Wer ersteinmal eine Ausgabe des hochwertigen Magazin lesen möchte, ist hier richtig. Und ausserdem haben wir einen Shop mit hübschen Velokleidern.

Und zu guter Letzt: Vielen Dank für die Gastfreundschaft, Blick und Oder Wat. Es hat uns grossen Spass bereitet.

14.07.2026, 17:19 Uhr

Noch ein Nachtrag von Andreas

Andreas: Ich habe vor einem Jahr mal auf Instagram was gelesen über die Tour de France. Glücklicherweise habe ich einen Screenshot gemacht. An der Aussage hat sich offenbar überhaupt rein gar nichts geändert. Ausser, dass Today nun ein Jahr älter ist. Aber keinen Tag älter aussieht. 

14.07.2026, 17:16 Uhr

Tadej Pogacar gewinnt also die heutige Etappe.

Andreas: Schau Velorennen, haben sie gesagt. Velorennen sind mega spannend, haben sie gesagt. Und sie haben recht behalten! Es war von A bis Z ein packender Wettkampf mit jederzeit offenem Ausgang. Dass am Schluss der dünne Slowene als Erster über die Ziellinie fährt, überrascht nicht nur mich. Die mittlerweile rund 50 Menschen hier im Oder Wat stürzen fast von ihren Stühlen, reiben sich die Augen und springen im Dreieck. 

Corsin: Ach, Andreas! Jetzt hatten wir heute doch so einen lustigen Nachmittag und du bist immer so miesepetrig drauf!

Andreas: Ich habe die beste Laune in der Geschichte der besten Launen! Schau mal lieber zu mir rüber als immer in den Bildschirm. War einfach toll, hier zu tickern. Mein Highlight: das Reh! Bambi zieht immer.

Corsin: Ach, Andreas…

14.07.2026, 17:14 Uhr

Mieke und Tadej

Tadej Pogacar geht in die letzte Abfahrt. Niemand zweifelt daran, dass er diese Etappe gewinnen wird.

Corsin: Mieke Kröger.

Andreas: Da klingelt was. Aber ich weiss nicht, woher. Wer ist das?

Laurent: Corsin hat es die vergangenen zwei Jahre schon probiert. Mieke Kröger ist eine deutsche Velofahrerin, die zur Ikone der sogenannten Radsportbubble geworden ist. Sie fährt übrigens keine Radrennen mehr. Diese ist ein loser Zusammenschluss von deutschen Accounts auf Twitter. Seit das Netzwerk X heisst, sind die dort auch nicht mehr so aktiv. Jedenfalls wurde 2020 während Corona die «Tour de Twitter» ins Leben gerufen. Da sassen wohl viele zuhause und es war ihnen langweilig. Auf Twitter posteten dann die User der Radsport Bubble während der Tour de France diverse Memes. Besonders viral ging das Meme «Ulle war sauber». Dem User mit dem Pseudonym August Bembel war Jan Ullrich nicht sonderlich sympathisch, also brachte er einen anderen Namen ins Spiel und rief den «Mieke-Kröger-Tag» aus.

Andreas: Ah! Stimmt, den Namen. Mieke Kröger habe ich ja schon in den Live-Tickern der letzten beiden Jahren gelesen. Ich verstehs immer noch nicht ganz. Aber ich versteh hier so einiges nicht.

Corsin: Das macht nichts. Prost!

14.07.2026, 17:10 Uhr

Grosse Euphorie am Berg

Der letzte Berg steht auf dem Programm. Frenetisch jubeln die Fans. Derweil werden Favoriten wie Remco Evenepoel abgehängt.

Andreas: Stehen diese Zuschauer wirklich den ganzen Tag dort, um drei Sekunden lang ihren Lieblingsfahrer anzufeuern?

Corsin: Klar! Aber es geht ja um das Erlebnis. Einen tollen Tag mit Freunden.

Andreas: Den habe ich auch im Fussballstadion. Aber da kann ich 90 Minuten lang zuschauen. Dort passiert wenigstens was. Pressing, Gegenpressing und so. Die da radeln nur.

Corsin: Radsport ist auch geprägt von Teamarbeit. Jedes Team verfolgt eine Strategie, legt ihre Taktik fest und muss je nach Verlauf des Wettkampfs reagieren. 

Andreas: Ja, aber im Fussball kann der Coach direkt vom Spielfeldrand Einfluss nehmen. Beim Radsport ist das ja nicht möglich – wie soll man da coachen?

Corsin: Die Fahrer haben alle einen Knopf im Ohr und sind mit der sportlichen Leitung verbunden. Der gibt vor, was zu tun ist. 

Andreas: Und was sagen die dann per Funk? «Fahr schneller?» Dass man im Radsport möglichst schnell radeln muss, weiss sogar ich, da brauche ich weder Funk noch eine Trainerausbildung.

14.07.2026, 17:08 Uhr

Pogacar fährt vorne weg

Irgendwie ist das ja schon langweilig, Pogacar gewinnt einfach immer. Wir fragen Neomi Rüegg, die hier im Public Viewing sitzt.

Corsin: Schaust du die Rennen der Männer gerne.

Noemi Rüegg: (überlegt lange) Puuh… ehrlich gesagt: Wenn Pogacar fährt ist es schon eher langweilig. Da verfolge ich lieber die Rennen der Frauen.

Also, wichtiger Aufruf: Die Tour de France der Frauen startet am 1. August in Lausanne. Dort wird es richtig spannend. Und Noemi Rüegg wird mitfahren.

14.07.2026, 17:05 Uhr

Andreas und Fussball

Andreas: Eieiei, nun leiden die Fahrer. Und ich weiss wie Leiden geht. Ich bin GC-Fan.

Corsin: Das war ja klar!

Andreas: Ich habe langsam den Glauben an sportliche Erfolgsgefühle verloren. Zuerst der verlorene Viertelfinal im olympischen Eishockeyturnier, dann der verlorene Cup-Halbfinal von GC bei einem Retortenverein aus Lausanne, dann der verlorene WM-Final im Eishockey und nun auch noch die tendenziell eher nicht sehr gut getimte Schwalbe von Breel gegen Argentinien. Wenn ich nun hier zuschaue, ist ein Erfolg eines Schweizers quasi ausgeschlossen.

Corsin: Warum haben wir dich überhaupt hier eingeladen, um mitzutickern?

Andreas (unbeeindruckt): Ich bin ausgerüstet und habe viele Fussball-Trikots dabei. Sogar ein Schiri-Leibchen. Mit gelben und roten Karten. Gelb ist im Fussball aber weniger gern gesehen als an der Tour de France, richtig?

Corsin: Das stimmt nur bedingt. Es gibt seit einiger Zeit beim Velofahren auch gelbe Karten. Wenn du zum Beispiel vor den TV-Kameras urinierst, dann kannst du verwarnt werden.

Andreas: Eine gelbe Karte fürs Urinieren - passt farblich wunderbar ins Konzept! Ich will gar nicht wissen, für was es die rote Karte gibt. 

14.07.2026, 16:58 Uhr

Pogacar in Führung!

Tadej Pogacar hat die Führung übernommen. Er zieht an Carapaz vorbei als wäre dieser ein Freizeitvelofahrer.

Pukki: Geschieht hier noch etwas Überraschendes?

Andreas: Ich habe vorher mal etwas beobachtet. Ein Reh, das vom Rennen wenig beeindruckt zu sein scheint. Ich kenn das. 

14.07.2026, 16:55 Uhr

Attacke von Tadej Pogacar

Visma macht derweil im Feld das Tempo. Es ist ein Ausscheidungsfahren. Immer mehr Fahrer fallen hinten raus. Und nun greift auch Tadej Pogacar an. Niemand kann ihm folgen.

Andreas: Wer hätte das gedacht… Today Focaccia fährt allen davon. 

Corsin: Ach, Andreas… Was uns ja auch interessiert: Das Gruppetto, die abgehängten Fahrer, hat übrigens 25 Minuten Rückstand. In den TV-Bildern sind sie längst nicht mehr zu sehen. Kaum jemand nimmt sie wahr. Darum fragen wir Fabian Lienhard, der öfter mal im Gruppetto fährt, wie die Stimmung dort wohl sein mag: «Da wird nicht mehr gesprochen. Gekreuzte Blicke. Alle leiden.»

Leiden muss langsam auch das Ticker-Team. Nach Bier, Wein- und Rotwein bringt Gastgeber Pukki nun auch noch Doppelkorn vorbei. Es wird zäh. Aber vor dem Besenwagen sollte das heute machbar sein. 

14.07.2026, 16:51 Uhr

Zügerschlüüch

Es kommen regelmässig Fragen aus der Gruppetto-Community über Instagram rein. Da fragt jemand, ob die Idee der Zügerschlüüch noch lebt. Wir glauben, die Frage richtet sich ausgerechnet an den Tickerer, der kein festes Mitglied der «Gruppetto»-Redaktion ist.

Andreas: Ah, schön. Die Frage dürfte von meinem guten alten Freund Päde kommen. Gruss an dieser Stelle! Er hat denselben Nachnamen wie ich, wir sind aber weder verwandt noch verschwägert. 

Corsin: Also, was sind denn Zügerschlüüch?

Andreas: Wir hatten mal eine grandiose Geschäftsidee. Ein Laden namens Zügerschlüüch. Wir verkaufen dort allerlei Schlüüch - Underschlüüch, Veloschlüüch, Führwehrschlüüch. Leider hatten wir noch keine Zeit, um die Idee zu verwirklichen. Aber sie kommt noch, garantiert! Und wehe, die Idee klaut jemand! Ich kenne viele Menschen, die Jura studiert haben. 

Corsin: Wenn du die Idee hier so preisgibst, kann dir die beste Anwältin nicht helfen… 

Andreas: Stimmt… 

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