Tschechien wird wieder eine Wimbledon-Siegerin haben. Karolina Muchova (29, WTA 9) und Linda Noskova (21, WTA 12) duellieren sich am Samstag um ihren ersten Grand-Slam-Titel und wollen sich zur fünften tschechischen Spielerin machen, die das Turnier auf dem heiligen Rasen gewinnt. Bislang gelang dies Jana Novotna (1998), Petra Kvitova (2011 und 2014), Marketa Vondrousova (2023) und Barbora Krejcikova (2024).
Der erste Wimbledon-Halbfinal der Frauen am Donnerstag ist ein absoluter Krimi und bietet alles, was man als Tennis-Fan sehen will. Als Siegerin geht Muchova hervor, die Coco Gauff (22, WTA 7) nach 2 Stunden und 35 Minuten mit 6:2, 1:6, 7:6 (12:10) bodigt.
Nachdem beide einen Durchgang ziemlich deutlich für sich entscheiden konnten, geht der Entscheidungssatz ins Match-Tiebreak. Und dort kippt das Spiel mehrmals auf beide Seiten. Zwischenzeitlich führt die Tschechin 4:1, dann holt Gauff wieder auf und gleicht zum 7:7 aus. Den darauffolgenden 8:7-Minibreak-Vorsprung nutzt Muchova nicht, mit zwei unerzwungenen Fehlern legt sie der US-Amerikanerin einen Matchball in die Hände. Doch die 22-Jährige lässt die Chance liegen. Bei 10:9 hat Muchova dann ihren ersten Matchball, den Sieg holt sie sich aber erst mit ihrem zweiten.
So steht Muchova zum zweiten Mal in ihrer Karriere in einem Grand-Slam-Final. Ihr erstes Endspiel, 2023 an den French Open, verlor sie gegen Iga Swiatek (25, WTA 3). Nun bekommt die Tochter des ehemaligen Fussball-Profis Josef Mucha (58) ihre zweite Chance auf den ersten Major-Titel. «Es hört sich schön an, im Final zu sein», sagt sie im Siegerinneninterview. Es sei ein grosser Kampf und eine Achterbahnfahrt gewesen: «Innerhalb von zehn Sekunden hast du Matchball gegen dich, dann für dich. Man hatte keine Zeit, nachzudenken. Es war nervenaufreibend.»
Noskova freut sich auf Final gegen Freundin
Muchova wird in der Weltrangliste mindestens auf Platz 6 vorrücken. So gut war sie noch nie rangiert. Sollte sie den Titel holen, würde sie sogar noch zwei weitere Plätze gutmachen. Daran hindern könnte sie aber ausgerechnet ihre Landsfrau Noskova, die das Spiel gegen die Ukrainerin Marta Kostjuk (24, WTA 13) von A bis Z dominiert.
Nach 1 Stunde und 19 Minuten verwertet die 21-Jährige ihren zweiten Matchball und zieht erstmals überhaupt in ein Major-Endspiel ein. Vor dem Turnier war ein Viertelfinal an den Australien Open im Jahr 2024 ihr bestes Resultat an einem Grand-Slam-Turnier. «ich fokussiere mich immer auf mich. Wenn ich mein bestes Tennis spiele, kann ich die Besten der Welt schlagen und tolle Resultate erzielen – wie etwa den Final eines Grand-Slam-Turniers erreichen», sagt sie im Interview nach ihrem Sieg.
Dass sie nun gegen eine gute Freundin und Landsfrau spielen kann, freue sie sehr: «Karolina ist so eine unglaubliche Spielerin, aber noch wichtiger, sie ist eine tolle Person. Ich bin froh, kann ich mein erstes Final gegen sie bestreiten.» Es wird der erste Wimbledon-Final zweier Landsfrauen seit 2009, als die US-Amerikanerin Serena Williams ihre Schwester Venus besiegte (7:6, 6:2).