Darum gehts
- Berner Hofladenkette Rüedu stellt ihren Betrieb nach sechs Jahren sofort ein
- Finanzierung scheiterte trotz zweijähriger Sanierung und Gesprächen mit Investoren
- Kunden können Gutscheine nicht mehr einlösen, Rückerstattung nur übers Konkursamt möglich
Nach sechs Jahren ist es vorbei: Die Berner Hofladenkette Rüedu ist Geschichte, wie das Unternehmen mit Sitz in Bern am Dienstag bekanntgibt. «Mit grossem Bedauern müssen wir euch mitteilen, dass wir unseren Geschäftsbetrieb per sofort einstellen», schreibt das Start-up auf seiner Website.
Die Probleme haben sich seit längerem abgezeichnet: Das 2020 von Jürg Burri (53) und dem ehemaligen Bernexpo-Chef Tom Winter (51) gegründete Unternehmen befand sich seit zwei Jahren in der Sanierung. Die ambitionierten Expansionspläne – einst waren 50 Standorte das Ziel – erlitten einen Dämpfer, als eine Pilotphase in Zürich scheiterte. Zuletzt betrieb Rüedu noch 19 Standorte, alle in der Region Bern.
Anfang Jahr startete Konkursverfahren
Bereits am 21. Januar eröffnete ein Einzelgericht den Konkurs über Rüedu. Damals zeigte sich Rüedu-Geschäftsführerin Karin Ingold gegenüber der «Berner Zeitung» noch zuversichtlich: Sie hatte Beschwerde gegen das Konkursverfahren eingelegt. Die Geschäftsführerin nannte ein Versäumnis als Grund für das Verfahren. Man habe versehentlich eine Rechnung zu lange nicht beglichen, weshalb die Steuerverwaltung die Betreibung eingeleitet habe.
Doch neuer Rückenwind blieb für Rüedu aus. Der Hofladenkette ist das Geld ausgegangen. «Auf unserem Sanierungsweg bedurfte es fortlaufend Finanzierung durch Investoren, die gewillt sind, in ein nachhaltiges Projekt ohne Rendite zu investieren. Bis zum geplanten Turnaround konnten wir diese leider nicht rechtzeitig sicherstellen», sagt Ingold gegenüber Blick. Der Hofladenbetreiber musste bei Gericht eine Überschuldungsanzeige einreichen.
«Für alle traurig, die viel Herzblut in den Rüedu gesteckt haben»
Das Aus trifft Ingold: «Es ist für alle traurig, die viel Herzblut in den Rüedu gesteckt haben», sagt sie zu Blick. «Sei es das Team, aber auch die Lieferanten, ohne deren Unterstützung wir in den vergangenen Jahren nicht so weit gekommen wären.»
Gestern habe sie alle Läden geschlossen und Plakate an den Türen angebracht, erzählt die Geschäftsführerin weiter. Für die wenigen Mitarbeitenden ist die endgültige Schliessung bitter: Alle Jobs sind weg. «Wir stehen im engen Austausch mit Mitarbeitenden, Lieferanten, Partnern und dem zuständigen Amt, um die nächsten Schritte zu planen», so Ingold. Gutscheine können nicht mehr eingelöst, Bestellungen nicht mehr geliefert werden. Die Lieferanten werden nun zu Gläubigern und müssen ihre Ansprüche beim Konkursamt geltend machen.
In der Mitteilung wendet sich Ingold auch direkt an die Kundschaft: «Wir danken euch von Herzen für eure Treue und die vielen schönen Begegnungen in den vergangenen Jahren.» Von den Kunden habe man seit Bekanntwerden der Schliessung «sehr viel Bedauern und Wertschätzung» erhalten, sagt Ingold zu Blick. «Das tut uns gut.»