Darum gehts
- Frankreich kämpft gegen verheerende Waldbrände, besonders in der Region Gironde
- Zwei Feuerwehrleute starben, 4800 Hektar Land sind bereits zerstört
- Zehntausende evakuiert, EU schickt Löschflugzeuge und Helikopter zur Hilfe
Frankreich kämpft gegen zahlreiche schwere Waldbrände – insbesondere im Südwesten des Landes ist die Lage schlimm. Besonders betroffen ist die Region Gironde, wo die Behörden am Freitagmorgen die Evakuierung mehrerer Ortschaften auf der Halbinsel Cap-Ferret angeordnet haben.
Auch ein Schweizer Paar befindet sich vor Ort und macht gerade auf einem Campingplatz nahe des Brandgebietes Ferien. Gegenüber Blick berichten sie: «Der Rauch kommt langsam näher, teilweise kann man ihn schon riechen. Langsam merkt man auch die Unruhe bei den Urlaubern auf dem Campingplatz.»
Nach Angaben der Präfektur wurden in der Gironde bereits rund 4800 Hektar Land von den Flammen zerstört. Rund 800 Feuerwehrleute sind dort im Einsatz, um die Brände unter Kontrolle zu bringen.
«Es fiel Asche auf den Boden»
Auch nahe der Stadt Bordeaux wüteten die Flammen. Zwei Feuerwehrleute kamen ums Leben. Ein Blick-Leser wurde am Freitag Zeuge von schweren Waldbränden in Lacanau, 45 km nordwestlich von Bordeaux. «Wir waren am Strand und sind bei heller Sonne am eingeschlafen. Als ich aufgewacht bin, war der Himmel komplett dunkel und voller Rauchwolken. Es fiel Asche auf den Boden», beschreibt er die dramatische Situation gegenüber Blick.
Insgesamt mussten bereits Zehntausende Menschen evakuiert werden – darunter auch viele Touristen.
Macron bittet um Hilfe
Angesichts der angespannten Situation hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den europäischen Katastrophenschutzmechanismus aktiviert. Über die Plattform X erklärte er, das Land stehe angesichts der zahlreichen Brände unter «sehr grosser Anspannung».
Zur Unterstützung entsenden europäische Partner kurzfristig zusätzliche Löschmittel: zwei Canadair-Löschflugzeuge aus Kroatien, zwei Air-Tractor-Löschflugzeuge aus Portugal sowie zwei schwere Black-Hawk-Löschhelikopter aus Tschechien und der Slowakei. Macron bedankte sich ausdrücklich bei den europäischen Partnern für die schnelle Hilfe.
Am Freitagabend forderte Macron zudem die französischen Streitkräfte auf, «sich zu mobilisieren, um die zivile Sicherheit bestmöglich zu unterstützen», wie «Le Parisien» berichtete.
Lage auch in Spanien prekär
In den spanischen Regionen um Madrid und Ávila ist die Lage ähnlich schlimm. Es wurde ein Notstand ausgerufen. Die spanische Regierung hat ebenfalls um Hilfe aus Brüssel gebeten, um die nötigen Löschkapazitäten bereitzustellen. Im Verlauf des Freitags erklärte Carlos Novillo, der Leiter des Katastrophenschutzes der Regionalregierung von Madrid, gegenüber Reportern: «Es ist nicht möglich, das Feuer in diesem Gebiet zu bekämpfen, daher werden defensive Massnahmen ergriffen.» 25'000 Menschen wurden bereis aus der Region um Madrid evakuiert.
Die Regionalpräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, erklärte, es handele sich um «den schlimmsten Brand in der Geschichte der Region». Sie betonte vor Reportern, dass die Region mit einem «perfekten Sturm» konfrontiert sei, der durch hohe Temperaturen, unerbittlichen Wind und das Zusammenfliessen mehrerer Feuerfronten gekennzeichnet sei.
Nasa-Komplex nahe Madrid evakuiert
Aufgrund des ausser Kontrolle geratenen Waldbrandes bei Madrid wurden auch der nahegelegene Nasa-Komplex in Robledo de Chavela und die Station der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Cebreros (Provinz Ávila) vorsorglich evakuiert, wie die spanische Zeitung «The Objective» berichtet.
Die Nasa-Anlagen bei Madrid beherbergen den Deep Space Communications Complex, eine von nur drei Bodenstationen des Deep Space Network der NASA. Die beiden anderen befinden sich im kalifornischen Goldstone und im australischen Canberra. Aufgrund seiner Lage ermöglicht der Komplex in Robledo einen nahezu ununterbrochenen Kontakt mit Sonden und Raumfahrzeugen während der Erdrotation.