Lohnkritik von Yvonne Gilli
Ärzte laufen Sturm gegen ihre Präsidentin

Ärztepräsidentin Yvonne Gilli bezeichnete hohe Gehälter für Chefärzte an öffentlichen Spitälern als unhaltbar. Nun schlägt ihr aus den eigenen Reihen heftige Kritik entgegen – nicht zum ersten Mal.
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Die Debatte um hohe Gehälter von Chefärzten sorgt für Unruhe in der Schweizer Ärzteschaft.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FMH-Präsidentin Yvonne Gilli kritisierte sehr hohe Saläre von Ärzten in öffentlichen Spitälern
  • Jetzt fordern Ärztinnen und Ärzte mehr Differenziertheit in der Debatte
  • Universitätsspital Basel: Ärzte verdienen bis zu 850'000 Franken jährlich
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Eine Klartext-Äusserung der obersten Ärztin des Landes sorgt für ordentlich Zündstoff in der Ärzteschaft. Blick fragte bei öffentlichen Schweizer Spitälern nach, wie viel ihre Kadermediziner verdienen. Dabei zeigte sich: Manche Ärztinnen und Ärzte erzielen ein Jahreseinkommen von knapp 1 Million Franken. So beziehen mehrere Ärzte am Universitätsspital Basel rund 850'000 Franken pro Jahr. An den Zürcher Spitälern schweigen die Verantwortlichen zu den tatsächlich ausbezahlten Salären und verweisen auf den gesetzlichen Lohndeckel von 1 Million Franken.

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Kein Blatt vor den Mund nahm Yvonne Gilli (69). Die Präsidentin der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) sagte zu Blick: «Wenn Ärzte in öffentlichen Spitälern Millionengehälter zulasten der Sozialversicherung kassieren, ist das unhaltbar!» Sie befürchtete, dass «eine kleine Minderheit damit einen Reputationsschaden für die gesamte Branche» anrichte. 

Mehr Differenzierung gefordert

Dafür bekommt Gilli viel Zuspruch, zumindest aus der Blick-Community. Doch aus Teilen der Ärzteschaft schlägt ihr ein heftiger Gegenwind entgegen. Das gewöhnlich bestens informierte Branchenportal Medinside berichtet über Kritik an Gillis Worten. 

So wirft ein Arzt der FMH-Präsidentin auf Linkedin vor, der eigenen Berufsgruppe «das Messer in den Rücken» zu rammen und sich am «Ärztebashing bezüglich der Löhne der Spitalärzte» zu beteiligen. Der Mediziner räumt zwar ein, dass einzelne Spitzenlöhne durchaus diskutiert werden könnten. Die Standesorganisation müsse sich jedoch «primär schützend vor die Kollegen und Kolleginnen stellen», statt deren Kritik öffentlich zu verstärken.

Ein anderer Arzt fordert mehr Differenzierung. Es müsse auch aufgezeigt werden, welcher Teil eines Chefarztlohns etwa aus einem Lehrauftrag an einer Universität stamme und welcher über Zusatzversicherungen finanziert werde. Diese Lohnbestandteile belasteten die Allgemeinheit weniger.

Vergleich mit Krankenkassenchefs

Eine weitere Ärztin zieht in ihrem Kommentar den Vergleich zu den Krankenkassen-CEOs. Sie fragt, weshalb die Gehälter von Spitzenmedizinern, die teilweise zur Weltspitze gehörten und Aussergewöhnliches erbrächten, skandalisiert würden, während ähnlich hohe Saläre von Krankenkassenchefs weitgehend akzeptiert würden.

Medinside erinnert zudem daran, dass sich die FMH in der Vergangenheit zurückhaltender zu hohen Chefarztlöhnen geäussert hatte. Vor rund acht Jahren erklärte der Berufsverband einerseits, Millionensaläre nicht zu unterstützen. Andererseits betonte die damalige Verbandsspitze, es handle sich nur um eine sehr kleine Minderheit der Ärzteschaft. Sie verwies darauf, dass die Chefarzt-Verträge an öffentlichen Spitälern letztlich von den zuständigen Kantonsregierungen verantwortet würden.

Ärzte laufen Sturm gegen Lohndeckel

FMH-Präsidentin Gilli muss sich derzeit auch sonst mit der eigenen Basis auseinandersetzen. Die Verbandsspitze geriet wegen des neuen Ärztetarifs Tardoc unter Druck. Dabei geht es auch um eine Deckelung der Taxpunkte, also eine Art Lohndeckel.

Kritiker warfen der FMH vor, mit dem neuen Tarif die ärztlichen Verdienstmöglichkeiten indirekt zu begrenzen. Gilli räumte gegenüber Blick die angespannte Stimmung ein. «Jetzt bricht die Wut über die Summe aller Verschlechterungen in den letzten Jahren heraus», sagte sie kürzlich. Gleichzeitig betonte die St. Gallerin, die FMH habe «an der Seite der Ärztinnen und Ärzte gekämpft» und versprach: «Wir werden uns für Korrekturen einsetzen.»

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