Darum gehts
- Heftige Gewitter trafen Zürich und Thurgau am Donnerstagabend mit starken Schäden
- In Zürich 550 Notrufe, 286 Einsätze, keine Verletzten gemeldet
- Meteo Schweiz warnte vor Stufe 4-Gewittern, Schäden an Bäumen und Gebäuden
Das heftige Gewitter vom Donnerstagabend hat vor allem den Kanton Zürich getroffen. Die Einsatzleitzentrale (ELZ) von Schutz & Rettung Zürich arbeitete erneut im «Unwettermodus» und nahm rund 550 Feuerwehrnotrufe entgegen. Der Höhepunkt wurde gegen 20 Uhr erreicht.
Insgesamt rückten die Feuerwehren im Kanton Zürich zu 286 Einsätzen aus. Am häufigsten ging es um Wasser in Gebäuden sowie umgestürzte Bäume. Besonders stark betroffen waren Winterthur, Volketswil und Dübendorf.
Auch die Kantonspolizei Zürich registrierte zahlreiche Schadensmeldungen. Gegenüber Blick bestätigte die Polizei knapp 50 Meldungen, die an die Feuerwehr weitergeleitet wurden. Dabei handelte es sich vor allem um Schäden an Baustellen, umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste. Verletzte wurden keine gemeldet.
Überflutete Keller und umgestürzte Bäume
Auch im Kanton Thurgau sorgte die Gewitterfront für zahlreiche Schäden. Zwischen 20.15 Uhr und Mitternacht gingen bei der Kantonalen Notrufzentrale rund 100 Schadensmeldungen ein. Besonders betroffen war die Region Frauenfeld. Die Feuerwehr musste dort vor allem wegen überfluteter Keller und umgestürzter Bäume ausrücken. Auch im Thurgau wurde niemand verletzt.
Auch in Appenzell Ausserrhoden richtete das Gewitter Schäden an. In Teufen schlug kurz nach 20.15 Uhr ein Blitz in eine grosse Tanne an der Zeughausstrasse ein. Der Baum zerbarst, wobei Trümmerteile eine angrenzende Liegenschaft sowie zwei parkierte Fahrzeuge beschädigten. Verletzt wurde niemand. Gemäss der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden entstand hoher Sachschaden. Für die Sicherungs- und Aufräumarbeiten wurde die Stützpunktfeuerwehr MITAPP aufgeboten.
Hagel und umstürzende Bäume
Meteo Schweiz warnte am Donnerstagabend vor «grosser» Gewittergefahr (Stufe 4 von 5) rund um Zürich. So musste man sich in den Regionen Zug-Knonau, bei Wohlen-Albis, im Limmattal, Effretikon, Turbenthal-Sirnach und Pfungen-Hettlingen auf Hagel, abbrechende Äste und umstürzende Bäume einstellen.
So filmte ein Blick-Leser am Donnerstagabend gegen 18 Uhr wie eine Gewitterzelle mit starkem Hagel bei Les Rangiers über den Kanton Jura zieht. Für einen anderen Blick-Leser fiel ein Campingausflug im Berner Jura wortwörtlich ins Wasser. Auf dem Camping du Château Sàrl bei Tramelan peitschte der Starkregen unerbittlich aufs Wohnmobildach.
Auch in Sattel SZ wurde es am Donnerstagabend richtig ungemütlich. Ein Leser filmte ein heftiges Hagelgewitter, das über seinen Garten zieht.
Wie aus dem «Nichts» habe der Himmel plötzlich die Eisklumpen niedergelassen, sagt der Leserreporter. Terrasse und Blumenkästen waren weiss mit Hagelkörnern überzogen. Und auch dem klatschnassen Büsi machte das Gewitter schwer zu schaffen.
Weltuntergangsstimmung herrschte am Donnerstagabend auch auf der Luzerner Allmend. Dort trafen für Spitzen Leichtathletik Luzern die Schweizer Leichtathletik-Elite auf internationale Topstars. Doch gegen 19 Uhr war es erstmal vorbei für die Athleten. Der Himmel hat sich stahlgrau zugezogen, Regen und Wind peitschen über den Rasen und drücken die Flaggen auf den Boden nieder. Ein Blick-Leser hat die Weltuntergangsstimmung am Leichtathletik-Event gefilmt. Zwischenzeitlich wurde die Veranstaltung unterbrochen. Den Athleten gehe es gut. Gegen 19.30 sah der Himmel bereits wieder klarer aus.
Über Winterthur und Frauenfeld TG sowie Rorschach SG wurde der Himmel zeitweise von Blitzen heimgesucht. Die Blitzkarte von wetteronline.ch zeigte ein dichtes Blitznetz über den Regionen.
Zusätzlich zum Blitz-Alarm peitschte der Starkregen durch Winterthur. Aufnahmen eines Leserreporters zeigen, dass selbst Werbeschilder dem Unwetter nicht mehr standhalten können.
Auch in Volketswil ZH herrschte Land unter. Ein Blick-Leser fuhr gerade aus seiner Tiefgarage auf die Strasse, als er plötzlich auf ein Hindernis stiess. Um den Hagel abzuwarten, hatte er zunächst in der Garage abgewartet, doch auf der Strasse erwartete ihn ein umgestürzter Baum. «Dass es so schlimm aussieht, hatten wir nicht erwartet», kommentiert er.
Vor diesem Balkon in Volketswil hatte sich ein wahrer Wasserfall gebildet. Der heftige Regenfall habe die Nachbarschaft unvorbereitet erwischt, erzählt ein Blick-Leser. Hektisch seien Grills unters Dach geschoben worden und die Folgen nach dem Hagel dokumentiert worden.
Zudem hat es in Volketswil einen riesigen Baum entwurzelt, schilderte der Blick-Leser weiter. Ausgerechnet auf ein Treibhaus ist der Baum gestürzt.
Auch in diesem Garten in Volketswil zeigten sich die Folgen des Unwetters. Überall liegen abgerissene Blätter und Zweige – dazwischen häufen sich Hagelkörner. Die Pflanzen im Hochbeet wurden durch Regen und Sturm heftig zusammengedrückt.
In einen Sturzbach hatte sich diese Strasse in Oberwinterthur verwandelt, wie Blick-Leser Stefan filmt. Zusätzlich hat es auch hier stark gehagelt.
In Dübendorf ZH hat das Unwetter einen ganzen Baum entwurzelt. Ein Blick-Leser hat fotografiert, wie die mächtige Baumkrone mehrere Autos unter sich begraben hat.
Auch in der Siedlung Steig in Winterthur ist ein riesiger Baum umgestürzt. Ausgerechnet auf einen Spielplatz sei der Baum gefallen, schildert ein Blick-Leser. Fünf Minuten zuvor hätten noch Kinder dort gespielt.
Zudem sind mehrere Äste auf die Spielgeräte gekracht, zeigt ein Foto des Leserreporters.
In Illnau-Effretikon ZH hat der Sturm eine besonders heftige Spur hinterlassen. Von einem Mehrfamilienhaus wurden Dachelemente abgerissen, wie Bilder von Leserreporter Severin J. zeigen.
«Es war beängstigend. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig unter ein schützendes Dach retten», erzählt der Leser.
Laut J. sei niemand verletzt worden. Doch der Schaden dürfte sehr hoch sein.
Im Verlauf des Abends zeigten sich die Folgen des Unwetters immer deutlicher. In Volketswil wurde etwa dieser Eingang zu einem Mehrfamilienhaus komplett eingehagelt.
«Gut hat niemand die Tür geöffnet», kommentiert der Blick-Leser, der die weisse Verwüstung vor der eigenen Haustür fotografiert hat. Von innen zeigt sich das Ausmass des Hagelhaufens besonders. Da hat es sicher eine Weile gedauert, um den Eingang wieder freizuschippen. Winter-Feeling mitten im Juli!
Sein ganzer Briefkasten habe unter Wasser gestanden, erzählt der Leser weiter. «Doch zumindest ist die Front nicht gebrochen», resümiert der Leserreporter.
Hitze-Aus in Sicht
Am Freitag wird das Wetter noch etwas dynamischer. Ein Höhentief mit Zentrum über der Nordsee sorgt für zusätzliche Instabilität. Heisst: Sonne und sommerliche Wärme bleiben zwar erhalten, doch im Tagesverlauf ziehen nebst längeren trockenen Phasen wiederholt Regen- und Gewitterstaffeln durch – vor allem in Juranähe und den Voralpen entlang. Mit Höchstwerten zwischen 26 und 28 Grad bleibt es warm, die grosse Hitzewelle lässt aber langsam nach. Das sommerliche Dauerschwitzen geht vorerst zu Ende. Einzig im Süden wird die Hitzemarke von 30 Grad erreicht und überschritten.
Aufs Wochenende bleibt es wechselhaft. Zwar scheint am Samstag vor allem Richtung Westen relativ häufig die Sonne, im Osten und entlang der Alpen sind die Wolken aber deutlich zahlreicher. Dazu ist es in diesen Regionen weiterhin zeitweise nass. Die ärgsten Gewitter dürfte es aber nicht mehr geben, vielmehr sind es vereinzelt gewittrig durchsetzte Regenschauer.
«Schönes Sommerwetter»
Die Temperaturen erreichen noch bis zu 25 Grad. Auch am Sonntag bleibt der Wetter-Mix bestehen. Eine schwache Störung dürfte besonders dem Osten etwas Regen bringen, die grossen Mengen sind es aber nicht. Richtung Westen ist es wie schon am Samstag deutlich sonniger und grundsätzlich trocken.
Fazit: Das Unwetterpotenzial ist am Donnerstag und Freitag noch am grössten, dann nimmt die Gewitterneigung auch aufgrund der sinkenden Temperaturen langsam ab. Aus diesem Grund dürfte die kommende Woche für viele Hitzegeplagte auch äusserst angenehm sein. «Wir haben Temperaturen zwischen 23 und 25 Grad und es ist relativ sonnig. In der Nacht kühlt es gut ab – perfekt, um durchzulüften», so Eichmann.
Wieder steuern Gewitterzellen auf die Schweiz zu. Bist du von den Unwettern betroffen? Berichte uns, was du erlebst – gerne auch mit Videos und Bildern. Erreichbar sind wir über unsere Whatsapp-Nummer 079 813 80 41 sowie den Leserreporter-Button in der Blick-App.