Auf Manuel Akanji (30) wartet am Mittwochabend gegen Kanada viel Arbeit. Der Nati-Verteidiger wird es in Vancouver mit den beiden Ahornblatt-Angreifern Jonathan David und Cyle Larin zu tun bekommen. Gemeinsam haben die beiden nach den ersten zwei Gruppenspielen schon fünf Treffer auf dem Konto. «Ja, sie haben gute Stürmer. Aber wir haben auch eine sehr gute Verteidigung. Das müssen wir in den Eins-gegen-eins-Duellen, aber auch als Mannschaft wieder beweisen.»
Die Ausgangslage vor dem Duell mit dem Co-Gastgeber ist klar: Nur mit einem Sieg schliessen die Schweizer die Vorrunde als Gruppensieger ab. Bei einem Remis oder einer Niederlage (sofern Katar nicht gegen Bosnien gewinnt), bleibt die Nati auf dem zweiten Platz. Für Akanji ist darum klar: Mit allem anderen als drei Punkten wird sich seine Mannschaft im BC Stadium nicht zufrieden geben.
Zumindest für den Mann aus Wiesendangen ZH hätte das Verpassen des Gruppensiegs auch einen kleinen Vorteil. In diesem Fall hätten die Schweizer bis zum Sechzehntelfinal nur vier Tage Pause. Als Gruppenerster wären es acht. «Wenn man als Spieler mehr Tage Pause hat, heisst das oft auch, dass man härter trainiert. Ich fühle mich dann manchmal ein bisschen weniger bereit an einem Spieltag, als wenn man im Rhythmus ist und sich zwischen den Spielen nur regenerieren kann» so Akanji.
Gleichzeitig hält er aber auch fest: «Ich gehe morgen aufs Spielfeld und will das Spiel gewinnen!» Weiter als das letzte Gruppenspiel will der Vize-Captain aber noch nicht vorausdenken: «Es ist schwierig zu sagen, wohin es für uns gehen wird. Aber es ist sicher zu früh, jetzt über Dinge wie einen Halbfinal zu sprechen.»
Trotz Katar-Ausrutscher zufrieden mit Start ins Turnier
Der 83-fache Nationalspieler ist insgesamt zufrieden mit dem Schweizer Start ins WM-Turnier – trotz des Ausrutschers gegen Katar. «Die Leistung war gut. Wir hätten ohne Probleme sechs, sieben Tore schiessen können», findet Akanji. Gegen Bosnien und Herzegowina hat seine Mannschaft dann mit einer «geduldigen und sehr guten» Leistung auf den Punktverlust reagiert. «Jetzt gehen wir mit viel Selbstvertrauen ins letzte Spiel», erklärt der Abwehrchef. Das gilt allerdings nicht nur für die Schweiz, sondern auch für Kanada und seine beiden Stürmer.
Die Pressekonferenz mit Cheftrainer Murat Yakin und Abwehrboss Manuel Akanji im Ticker zum Nachlesen.
Die PK ist zu Ende
Yakin und Akanji verabschieden sich. Das wars mit der PK. Danke fürs Mitlesen.
«Immer noch ein bisschen nervös»
«Ich bin vor den Spielen immer noch ein bisschen nervös, egal, wie viele Spiele ich bereits bestritten habe», so Akanji. Sein WM-Debüt gab Akanji 2018 gegen Brasilien. «Das war ein unglaubliches Gefühl. Wir haben 1:1 gespielt. Ich war zufrieden mit meiner Leistung.»
Keine Gedanken an mögliches Portugal-Duell
Ist Portugal (Achtelfinalgegner in Katar 2022) als möglicher Achtelfinalgegner bereits im Kopf, Manuel Akanji? «Früher oder später werden wir so oder so gegen die guten Gegner spielen, wenn wir weit kommen. Doch: Wir müssen zuerst morgen gewinnen, dann den Sechzehntelfinal und dann erst können wir uns auf den Achtelfinal konzentrieren.»
«Kanada hat gute Stürmer»
«Jetzt haben wir zwei Teams gehabt, die einen tiefen Block hatten, die sich mehr auf die Defensive fokussiert haben. Kanada hat defensiv eine andere Form, sie stören früh hoch. Das wird ein anderes Spiel. Das gibt uns Möglichkeiten, ihre Defensive zu beschäftigen», schildert Yakin. Und Akanji sagt: «Die Kanadier haben gute Stürmer. Aber wir haben eine sehr gute Verteidigung. Bereits vorne muss unser Team Druck ausüben, damit machen es die offensiven Spieler für uns einfacher.»
«Freue mich immer, die Familie zu sehen»
Wie fährt Akanji zwischen den Partien jeweils runter? «Am einfachsten ist es mit meiner Familie. Sie ist hier, um mich zu unterstützen. Ich freue mich immer darüber, wenn ich sie nach den Spielen sehen und Zeit mit ihnen verbringen kann. Schlaf ist die wichtigste Erholung – und zwischendurch ein bisschen Padel spielen.»
«Kein Wunschkonzert»
«Ich glaube nicht, dass die Kanadier von ihrer Spielart es anders angehen werden, nur weil ihnen ein Remis zum Gruppensieg reicht. Zu Hause vor dem Heimpublikum werden sie natürlich ihr bestes Spiel zeigen. Manu hats bereits geschildert, sie werden uns mit ihrer Spielweise nicht überraschen», sagt Yakin. Und über die Sechzehntelfinal-Termine erklärt der Coach noch einmal: «Es ist kein Wunschkonzert. Wir nehmen das, was kommt.»
«Mehr Raum für uns»
Akanji: «Kanada ist eine Mannschaft, die defensiv mehr nach vorne agiert als die anderen zwei Gegner. Darum wird das für uns Verteidiger anders. Unsere Offensive findet dadurch mehr Raum vor. Wir werden aber erst morgen sehen, was die Kanadier vorbereitet haben. Die ersten taktischen Änderungen werden dann während der Trinkpause vorgenommen.»
Wie stoppt man Alphonso Davies?
Wie verteidigt man gegen Kanada-Star Alphonso Davies, sofern er denn überhaupt spielen kann? Akanji: «Man muss ihm seinen Speed irgendwie wegnehmen. Wir müssen ihn als Team stoppen, so wie wir das immer tun.»
«Ich will Gruppenerster werden»
Gedenkt Yakin ein paar Spieler gegen Kanada zu schonen? «Die Situation ist anders wie in Katar 2022. Wir nehmen es so, wie es kommt. Morgen nach dem Spiel wissen wir mehr», sagt Yakin. «Ich will Gruppenerster werden, aber ich präferiere es, wenn ich weniger Tage Pause habe. Oft, wenn man mehr Tage Pause hat als Spieler, heisst es auch, dass man härter trainiert und ich fühle mich dann manchmal ein bisschen weniger bereit an einem Spieltag, als wenn man im Rhythmus ist und sich zwischen den Spielen nur regenerieren kann. Trotzdem gehe ich morgen aufs Spielfeld und will das Spiel gewinnen», fügt Akanji an. Holt sich die Schweiz Rang eins, bestreitet sie ihren Sechzehntelfinal am 3. Juli. Bei Rang zwei müsste sie am 28. Juni bereits wieder ran.
«Es funktioniert nur als Team»
«Wir arbeiten als Team zusammen auf dem Feld. Wir verfügen beispielsweise nicht über drei Top-Ten-Superstars im Gegensatz zu anderen Nationen», so Akanji. «Es funktioniert nur, wenn wir zusammenarbeiten. Es ist ein Teamsport. Wir haben uns immer verbessert in der Vergangenheit. Es ist noch ein langer Weg hier.»

