Wir werden härter bestraft als die EU
Donald Trump verhängt neuen Strafzoll gegen die Schweiz

Trumps Zollparty geht weiter. Pünktlich zum Ablauf der bisherigen Strafzölle verhängt die US-Regierung neue Abgaben gegen 60 Handelspartner, darunter die Schweiz. Die Begründung ist fragwürdig.
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Präsident Donald Trump hält eisern an der amerikanischen Zollmauer fest.
Foto: AP/Julia Demaree Nikhinson

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trump verhängt neue Strafzölle von 12,5 Prozent
  • Schweiz unter 60 betroffenen Ländern, angeblich wegen Zwangsarbeitsproblematik
  • 99 Prozent der US-Importe kommen aus betroffenen Ländern

Donald Trump (80) schlägt wieder mit seinem Zoll-Hammer zu: Am Donnerstag (Ortszeit) verhängte der US-Präsident neue Strafzölle von 10 bis 12,5 Prozent gegen 60 Handelspartner, darunter die Schweiz und die EU – sie gelten seit Freitagmorgen, 6 Uhr. Blick liefert die Übersicht.

Was hat Trump beschlossen?

Für die Schweiz gilt neu grundsätzlich ein Zollsatz von 12,5 Prozent – und damit ein höherer als für die EU. Ausnahmen sind weiter möglich. Im Dokument des Handelsbeauftragten Jamieson Greer (47) ist von «10 oder 12,5 Prozent» auf «bestimmte Produkte» aus der EU, Japan, Taiwan und der Schweiz die Rede. Insgesamt sind über 99 Prozent der amerikanischen Importe mit neuen Zöllen betroffenen.

Das bewirken Strafzölle
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In 90 Sekunden erklärt:Das bewirken Strafzölle

Wie begründen die USA die Zölle?

Die Begründung der neuen Zölle ist fragwürdig: Laut Greer würden die nun bestraften Länder ihre Märkte nicht ausreichend vor Waren schützen, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden. Das schaffe «ungleiche Wettbewerbsbedingungen», die man «nicht länger hinnehmen» werde.

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Konkret: Länder ohne Zwangsarbeitsvorwürfe zahlen 10 Prozent Steuern, solche mit Zwangsarbeitsvorwürfen zahlen 12,5 Prozent – darunter eben auch die Schweiz.

Wie reagiert die Schweiz?

In einer ersten Reaktion nimmt das Wirtschaftsdepartement (WBF) von Bundespräsident Guy Parmelin (66) die neuste Entwicklung zur Kenntnis. Die Schweiz strebe weiterhin ein rechtsverbindliches Abkommen mit den USA an. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse dagegen kritisiert die neuen Abgaben sowie deren Begründung scharf. Alle Reaktionen gibt es hier.

Wieso genau heute?

An diesem Freitag lief die bislang geltende Vereinbarung für Zölle von 10 Prozent gegen die Schweiz und andere Staaten aus. Jetzt ersetzen die neuen Strafzölle diese Zusatzzölle, die seit Februar gegolten haben.

Das höchste US-Gericht kassierte damals alle Strafzölle, die Trump an seinem selbstdeklarierten «Befreiungstag» Anfang April 2025 angekündigt hatte, ein und erklärte sie für ungültig. Auch den 39-Prozent-Zollhammer gegen die Schweiz. Seither stützt sich der US-Präsident auf andere Gesetze für neue Zölle ab. Oder einigt sich mit anderen Ländern auf einen Zolldeal.

Wie steht es um den Schweizer Zolldeal?

Auf ein rechtlich verbindliches Zollabkommen mit der Trump-Regierung wartet die Schweiz weiterhin. Acht Monate sind seit der gemeinsamen Absichtserklärung von Bern und Washington mittlerweile verstrichen. Anfang Juli reiste Bundespräsident Guy Parmelin (66) mit Seco-Chefin Helene Budliger Artieda (61) in die USA – und kehrte mit leeren Händen zurück. Das Treffen mit dem US-Handelsbeauftragten Greer endete ohne Zusagen seitens Trump-Regierung.

Zwar schlug Greer zuletzt öffentlich versöhnlichere Töne an. Er lobte die Fortschritte der Schweiz und sprach von «positiven Entwicklungen» in den Handelsbeziehungen. «Doch am Ende sitzt er nicht am Entscheider-Hebel», betont eine hochrangige Stimme aus Bundesbern gegenüber Blick. «Wenn wir etwas mit Sicherheit wissen, dann das: Entscheidend ist allein, was Trump will.»

Dennoch zeigt man sich insgesamt vorsichtig optimistisch. In Budligers Umfeld rechnet man sich gute Chancen aus, dass die USA den Zollsatz etwa dauerhaft bei 15 Prozent deckeln könnten. So sieht es eine Vereinbarung vom letzten November vor. «Mit der heutigen Bekanntgabe halten sich die USA momentan an das im vergangenen November gemeinsam vereinbarte Joint Statement», schreibt nun auch Economiesuisse.

Ein Déjà-vu zum Vorjahr?

Mit den «Horror-Monaten» 2025 ist die aktuelle Lage kaum vergleichbar. Damals versetzte Trumps Zollhammer die Schweiz in den Krisenmodus. Bundesratsmitglieder standen trotz Sommerpause permanent auf Abruf, Topbeamte konnten nicht in die Ferien fahren. Aktuell treffen die US-Zölle einen breiteren Kreis von Ländern gleichermassen – man habe sich fast mit der protektionistischen Handelspolitik arrangiert, heisst es.

Kommen noch weitere Zölle?

Der Schweizer Wirtschaft droht weiteres Zoll-Ungemach. Denn parallel zu den Zwangsarbeitsvorwürfen führt die US-Regierung auf Basis von Section 301 noch eine weitere Untersuchung für einen Zusatzzoll durch. Der Vorwurf: Die Schweiz, die EU, China und 13 weitere Handelspartner würden in der Produktion Überkapazitäten fördern. Dies führe zu unfairen Handelsüberschüssen. Im Mai fanden erste Anhörungen statt. Noch ist offen, wann mit einem Ergebnis der Untersuchungen zu rechnen ist und wie hoch die Zusatzzölle ausfallen sollen. 

Erschwerend kommt noch hinzu, dass ab nächstem Freitag zusätzliche US-Zölle auf Pharmaimporte von bis zu 100 Prozent in Kraft treten. Gegenüber der Schweiz zeigte sich Trump für einmal gnädig: Wegen des bestehenden Deals mit der für die hiesige Wirtschaft so wichtigen Pharmabranche erheben die USA für Medikamente und andere pharmazeutische Produkte voraussichtlich nur einen Zollsatz von 15 Prozent.

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